Politik : Mit Neonazis gegen die Troika

Griechischer Regierungspolitiker Polydoras auf rechtsextremen Abwegen.

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Schlechte Freunde.
Schlechte Freunde.Foto: picture alliance / dpa

Athen - Bisher galt im griechischen Parlament ein ungeschriebenes Gesetz: Die 18 Abgeordneten der Neonazi-Partei „Goldene Morgenröte“ wurden ausgegrenzt. Die Parlamentarier der anderen Parteien mieden jeden Kontakt. Vyron Polydoras, Abgeordneter der regierenden konservativen Nea Dimokratia (ND), Exminister und früherer Parlamentspräsident, hat aber keine Berührungsängste. Er plädierte diese Woche in mehreren Radio- und Fernsehinterviews dafür, eine „Verständigung“ mit den Neonazis zu suchen. Denn nicht von der Goldenen Morgenröte gehe Gefahr aus, sondern von der Troika, den Vertretern des Internationalen Währungsfonds, der EU und der Europäischen Zentralbank, die seit Anfang der Woche wieder in Athen sind, um die Bücher und die Reformfortschritte zu prüfen. Sie seien der „Feind“, gegen den man eine „nationale Verteidigungsfront“ bilden müsse, gemeinsam mit der Goldenen Morgenröte. Polydoras ging sogar so weit, die Rolle der Troika in Griechenland mit der Politik Israels gegenüber den Palästinensern gleichzusetzen.

Der 66-jährige Altpolitiker bringt mit diesem Gerede sich und seine Partei in Schwierigkeiten, hatte sich doch ND- Chef und Ministerpräsident Antonis Samaras erst am vergangenen Wochenende auf einem Parteitag deutlich von den Neonazis abgegrenzt. Eine Parteisprecherin kritisierte Polydoras’ Äußerungen denn auch als „merkwürdig“. Deutlicher wurde Chrysanthos Lazaridis, der engste Berater von Premier Samaras: „Die ND wird niemals, aber wirklich niemals mit den Neonazis zusammenarbeiten“, versicherte er.

Polydoras bringt seine Partei nicht zum ersten Mal in Verlegenheit. Im vergangenen Jahr war er Parlamentspräsident. Aber nur für zwei Tage, denn gleich nach der Konstituierung wurde das Parlament wieder aufgelöst, um Neuwahlen herbeizuführen. Es war der kurze Höhepunkt seiner politischen Karriere. Polydoras wusste die zweitägige Amtszeit indes gut zu nutzen: Er stellte seine Tochter als Mitarbeiterin im Büro des Parlamentspräsidiums ein.

Viele Freunde hat Polydoras seit der peinlichen Personalie nicht mehr. Die ND-Abgeordnete Fotini Pipili empfiehlt Polydoras jetzt, wenn er Sympathien für die Neonazis empfinde, solle er doch der Goldenen Morgenröte beitreten und in ihren Reihen auf Stimmenfang gehen.Gerd Höhler

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