Politik : Mixa im Aus

Der Papst hat das Rücktrittsgesuch ungewöhnlich rasch akzeptiert – jetzt sucht Augsburg einen Nachfolger

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Nun ist es doch schnell gegangen, und die Erleichterung im Bistum Augsburg ist riesig. Nach Wochen der Diskussion um die Frage, wie Papst Benedikt XVI. mit der Causa Mixa umgeht, hat der Vatikan das Rücktrittsgesuch angenommen. Nun so etwas wie Erlösung: „Ich bin erleichtert. Jetzt muss schnell die Nachfolge des Bischofs geregelt werden“, sagte Helmut Mangold, Diözesanratsvorsitzender des Bistums Augsburg. Bis zu einer Entscheidung des Heiligen Stuhls über sein vor zweieinhalb Wochen eingereichtes Rücktrittsgesuch war Mixa noch formal im Amt, nur die Geschäfte führte Generalvikar Prälat Karlheinz Knebel. Als möglicher Nachfolger werden neben Knebel und Weihbischof Anton Losinger auch Domkapitular und Prälat Bertram Meier genannt. Knebel rief die Gläubigen am Samstag zum „Zusammenhalt in dieser schwierigen Zeit“ auf: „Wir sind an einem Neuanfang, den wir gemeinsam versuchen müssen.“

Das Augsburger Domkapitel wählte den Weihbischof Josef Grünwald zum Diözesanadministrator. Er übernimmt damit bis zur Ernennung eines neuen Bischofs die Amtsgeschäfte. Grünwald rief zu einem „ehrlichen Neuanfang“ in der Diözese auf. „Wir stehen vor der großen und schwierigen Aufgabe verloren gegangenes und beschädigtes Vertrauen wieder zu gewinnen“, schrieb er in einem Brief an alle Priester, kirchlichen Mitarbeiter und Pfarrgemeinden des Bistums.

Die katholischen Laien des Bistums Augsburg hoffen, dass der Vatikan jetzt zügig über die Nachfolge Mixas entscheidet. Denn die Austrittszahlen in der Diözese sind dramatisch: Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres traten 5100 Katholiken aus der Kirche aus. Mangold berichtete, im Vergleich zu den Austrittszahlen vergangener Jahre sei dies „gewaltig“. Der 69-jährige Mixa hält sich dem Vernehmen nach zurzeit in einer Schweizer Klinik auf. Die Rede ist von einer auf Suchtprobleme spezialisierten Einrichtung. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt führt Vorermittlungen gegen den 69-Jährigen wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs – vermutlich dürfte auch das früh an das Ohr des Papstes gedrungen sein. Ausgangspunkt der neuen Vorwürfe sind nach Informationen der „Augsburger Allgemeinen“ offensichtlich keine Hinweise eines mutmaßlichen Opfers, sondern aus dessen Umfeld. Das Opfer soll zur Tatzeit noch minderjährig gewesen sein. Hinweise hat das Bistum Augsburg selbst „in Übereinstimmung mit den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz den zuständigen Stellen zur Kenntnis gebracht und angezeigt“. Die Münchner Generalstaatsanwaltschaft hat die Hinweise den Ingolstädter Behörden übermittelt und lässt prüfen, ob nach der Vorermittlung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Dem Vernehmen nach wird es wohl dazu kommen. Mixas Anwalt Gerhard Decker weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Die Ingolstädter Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet worden, weil sich der Sachverhalt während Mixas Amtszeit als Bischof in Eichstätt zwischen 1996 und 2005 ereignet haben soll. Zuvor war Mixa von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer in Schrobenhausen, 30 Kilometer von Ingolstadt entfernt.

Aus dieser Zeit rühren Prügel- und Untreuevorwürfe gegen Mixa, im Schrobenhausener Kinderheim St. Josef Kinder mit der Faust, mit einem Stock oder mit einem Teppichklopfer geschlagen zu haben. Nach anfänglichem Leugnen gab Mixa zu, die eine oder andere Ohrfeige verteilt zu haben. Der Ingolstädter Rechtsanwalt Sebastian Knott, der im Auftrag der Heim-Stiftung arbeitet, listete in einem Zwischenbericht nicht nur Aussagen anonymer Opfer auf, sondern auch finanzielle Merkwürdigkeiten. So soll mit Stiftungsgeldern ein gefälschter Piranesi-Stich für 43 000 Mark angeschafft worden sein. Der aktuelle Schätzwert beläuft sich auf 2000 Euro. Auch Weinrechnungen beliefen sich auf mehrere tausend Euro. Sogar ein Solarium für 6050 Mark wurde damals angeschafft, was eine Mitarbeiterin des Heims dem Tagesspiegel bestätigte. mit KNA/ddp/epd

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