Modellauto-Affäre : Immer neue Vorwürfe gegen Haderthauer

Neben dem Betrugsverdacht gegen die bayerische Staatskanzleileiterin Christine Haderthauer ermittelt die Staatsanwaltschaft auch, ob dem Fiskus Geld entgangen ist.

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Neue Vorwürfe. CSU-Politikerin Christine Haderthauer.
Neue Vorwürfe. CSU-Politikerin Christine Haderthauer.Foto: imago/HRSchulz

Mit Rücktrittsforderungen an Christine Haderthauer (CSU) gibt sich die Opposition im bayerischen Landtag nicht mehr ab. In immer schnellerem Takt wendet sie sich vielmehr an den Chef der Staatskanzleileiterin selbst, an Ministerpräsident Horst Seehofer, und verlangt von ihm die Entlassung der Ministerin. Am Freitag geschah dies gleich mehrfach. „Jeden Tag kommen neue Ungeheuerlichkeiten zum Vorschein“, sagte etwa der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann. Haderthauer „sollte schleunigst entlassen werden“. Und sein SPD-Kollege Markus Rinderspacher ergänzte: Sollte sich bestätigen, dass Christine Haderthauer Steuern hinterzogen hat, „wäre das eine neue Dimension“. Seehofer müsse sie „endlich entlassen“.

Für die weitere Zuspitzung sorgt ein Schreiben der Staatsanwaltschaft an die Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU), aus dem mehrere Medien zitieren. Demnach geht es den Staatsanwälten nicht nur um Betrug, was schon öffentlich war, sondern auch um den Verdacht der Steuerhinterziehung. In der Mitteilung werden fragliche Einnahmen der Firma „Sapor Modellbau“ in Höhe von knapp 144 000 Euro für 2007 und 2008 aufgeführt, die womöglich nicht versteuert wurden. Zudem verstärke sich der Eindruck, dass Haderthauer entgegen ihren Äußerungen auch nach ihrem Eintritt in die Politik als Landtagsabgeordnete im Jahr 2003 weiter für die Firma aktiv war. Diese handelte mit Modellautos, die von psychisch kranken Straftätern hergestellt wurden. Bis 2008 soll ein Firmenkonto auf Haderthauers Namen gelaufen sein. Die Staatsanwaltschaft gibt derzeit keine Auskünfte. Die Landtagsverwaltung bestätigte die Existenz des Briefes.

Malte Magold, Anwalt des Franzosen Gerard Ponton, der sich als Teilhaber um Gewinne geprellt fühlt, sagte auf Anfrage: „Ich bin zuversichtlich, dass damit auch die Regulierung der berechtigten Ansprüche voranschreitet.“ Ponton hatte mit seiner Strafanzeige die Ermittlungen erst ins Rollen gebracht. Er war 2011 von Hubert und Christine Haderthauer mit 20 000 Euro für seinen Ausstieg bei Sapor Modelltechnik abgefunden worden. Nun ist er davon überzeugt, dass die Firma einen vielfach höheren Gewinn gemacht hat, als ihm mitgeteilt worden war. Vor den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen war die Affäre zwar als befremdlich angesehen worden, nicht aber als wirklich gefährlich für Haderthauer. Das ist nun anders.

Im Verlauf der zurückliegenden Woche hat sich die Lage für die Ministerin erneut deutlich verschlechtert. Nach einer Kabinettssitzung sprach sie noch vom „Idealismus“ des Unternehmens, das die Therapie von Straftätern unterstützt habe. Seehofer wiederum wich ein Stück von ihr ab mit der Bemerkung, dass er zu ihr stehe, wenn es nicht noch weitere Enthüllungen gebe. Danach meldeten sich aber Ponton und der weitere einstige Teilhaber Friedrich Sager zu Wort: Ihrer Aussage nach sei es bei Sapor Modelltechnik nur darum gegangen, Geld zu verdienen. Grundlage des Geschäftsmodells sei die äußerst geringe Entlohnung der Straftäter gewesen.

In der CSU herrscht Schweigen zur Causa Haderthauer. Rücktrittsforderungen gibt es nicht, allerdings wirft sich auch niemand schützend vor die Staatsministerin. Mehr und mehr droht der Fall Haderthauer auch zu einem Fall Seehofer zu werden. Mit Grausen blickt man auf den von der Opposition durchgesetzten Untersuchungsausschuss nach der Sommerpause. Da könnten dann als Zeugen sowohl die beiden einstigen Miteigentümer als auch der Dreifachmörder Roland S. vernommen werden, der in der Psychiatrie die Leitung des Oldtimer-Projektes innehatte. Und es würden äußerst peinliche Fragen zu klären sein – etwa ob und wie oft S. bei den Haderthauers zum Essen eingeladen war, und ob er andere Vergünstigungen in der Haft erhalten hat.

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