Münchener Sicherheitskonferenz : Vitali Klitschko und sein Gegenspieler

Es war eine denkwürdige Begegnung. Vitali Klitschko und der ukrainische Außenminister Leonid Koschara sitzen in der Münchener Sicherheitskonferenz auf der Bühne nebeneinander und der Außenminister rückt so weit weg wie möglich.

Ingrid Müller
Der ukrainische Außenminister Leonid Koschara und Oppositionsführer Vitali Klitschko am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Der ukrainische Außenminister Leonid Koschara und Oppositionsführer Vitali Klitschko am Samstag auf der Münchner...Foto: AFP

Sie sitzen im gleichen Raum, sie sitzen nebeneinander – aber sie kommen nicht zueinander: der amtierende ukrainische Außenminister Leonid Koschara und Oppositionsführer Vitali Klitschko. Sie sprechen über das gleiche Land, aber es ist, als redeten sie von verschiedenen Planeten. Auf der Sicherheitskonferenz in München war am Samstag die ganze Malaise der Ukraine zu besichtigen. Am Ende fragten sich wohl alle: Wie soll es so zu einem Kompromiss kommen, den Ex-US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski anmahnte.

Koschara rutschte in seinem Sessel so weit wie möglich weg von seinem Sitznachbarn und tat mit Unschuldsmine kund, die Regierung habe alle Forderungen der Opposition erfüllt, jetzt müsse die Verantwortung übernehmen. Er behauptete, er unterstütze friedliche Demonstranten. Im Übrigen gehe die Gewalt auf dem Maidan von Terroristen aus.

Das konnte und wollte der angespannte Ex-Boxweltmeister nicht unwidersprochen lassen. Koscharas Linie lieferte ihm die Plattform für eine wohlkalkulierte Show im Opernambiente: Er sprang auf, verteilte ein „Fotoalbum“, das die Gräueltaten der Sicherheitskräfte belege. Während sogar der russische Dumaabgeordnete Slutski darin blätterte, tat Koschara, als wäre nichts. Die Polizei könne auf Attacken gar nicht antworten, da die westlichen Freunde doch vor dem Einsatz von Polizeigewalt warnten.

Klitschko, der die verzückt ihre Foto-Handys zückende Sicherheitscommunity auf Deutsch adressierte, stellte aber auch fünf handfeste Forderungen, darunter Neuwahlen. „Wir müssen jetzt etwas machen, bevor es zu spät ist.“ So sah es wohl auch die Mehrheit im Saal, die sich nicht vorstellen mag, was es hieße, wenn die Lage in Kiew eskaliert. Auf den Gängen und in vielen Treffen jenseits der Podien gab es kaum ein anderes Thema. Gibt es eine Möglichkeit, eine neutrale Instanz zu installieren, die alle akzeptieren, um sicherzustellen, dass Verhandlungsergebnisse nicht am nächsten Tag bereits wieder in Frage gestellt werden? Könnte die OSZE, in der die EU und Russland sind, die Rolle übernehmen? Die neue deutsche Außenpolitik könnte hier wohl gleich mehr Diplomatie wagen. Brzezinski hatte allerdings auch für die Opposition eine Mahnung: Die müsse sich auf einen alle einenden Führer verständigen und ihre Forderungen strukturieren.

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