Nach Äußerungen des Bundespräsidenten zur Ukraine : Linken-Abgeordnete: Gauck erinnert mich an Hindenburg

Die Linkspartei beklagt, dass der Bundespräsident im Ukraine-Konflikt einer Eskalation das Wort redet. Die Abgeordnete Sevim Dagdelen vergleicht jetzt Joachim Gauck mit Reichspräsident Paul von Hindenburg.

von
Bundespräsident Joachim Gauck während seiner Rede am 1. September in Danzig.
Bundespräsident Joachim Gauck während seiner Rede am 1. September in Danzig.Foto: dpa

Schon unmittelbar nach der Rede von Bundespräsident Joachim Gauck in Danzig hatte die Linkspartei ihren Unmut geäußert. Gauck rede im Ukraine-Konflikt einer Eskalation das Wort. Nun legt die Linkspartei-Abgeordnete Sevim Dagdelen nach: Sie ist darüber so empört, dass sie zu einem historischen Vergleich greift. Sie rückt Gauck in die Nähe jenes Mannes, der bei Hitlers Machtergreifung eine entscheidende Rolle spielte: Reichspräsident Paul von Hindenburg. Zudem hält sie dem aktuellen deutschen Staatsoberhaupt „Geschichtsfälschung“ vor. Sein großes Thema sei nicht die Freiheit, sondern der Krieg. 

Im Interview mit „Radio Stimme Russlands“ äußerte Dagdelen laut der Transkription des Interviews auf der Website von „Radio Stimme Russland“, es sei „schon sehr zynisch“ gewesen, dass der Bundestag am Montag dieser Woche, am Antikriegstag, mit der Lieferung von Waffen an die Kurden „eine imperialistische Wende in der Rüstungsexportpolitik“ vollzogen habe. Weiter sagte sie: „Schändlich war genauso auch die Rede des Bundespräsidenten Gauck, der mich sowieso immer mehr an Hindenburg erinnert als an Heinemann als Bundespräsident.“ Gaucks großes Thema sei entgegen anders lautenden Behauptungen nicht die Freiheit. „Sondern Gaucks großes Thema ist der Krieg“, meinte die Linken-Politikerin. „Dafür trommelt er immer wieder und dafür ist es ihm auch am 75. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs und des deutschen Faschismus der fast 30 Millionen Opfer in der Sowjetunion gefordert hat, überhaupt nicht zu schade, in seiner Rede in Polen Geschichtsfälschung zu betreiben.“

Gauck hatte in seiner Rede in Danzig aus Anlass des 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen erklärt, Europa müsse sich dem russischen  „Machtstreben“ entschlossen entgegenstellen". Zu historischen Erfahrungen sagte er: „Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern.“

Dagdelen sagte, Gauck fälsche die Geschichte, wenn er über die Ursachen des Zweiten Weltkriegs spreche. „Dabei hat der Krieg nicht einfach so begonnen, wie ein Fußballspiel, sondern das Land wurde überfallen vom deutschen Faschismus, der Krieg wurde angefangen von den Deutschen.“ Zum anderen drohe Gauck  Russland, eskaliere die Situation und mache implizit einen Vergleich zwischen Putin und Hitler. „Das ist meines Erachtens mehr als unpräsidial und auch schändlich vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und der Opfer, die größten Opfer, die die Sowjetunion zu beklagen hatte gegen den deutschen Faschismus“, meinte Dagdelen.

Autor

69 Kommentare

Neuester Kommentar