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Nach Armenien-Resolution des Bundestags : Türkische Stadt entzieht Özdemir Ehrenbürgerschaft

Die Geburtsstadt von Cem Özdemirs Vater hat dem Grünen-Politiker die Ehrenbürgerschaft entzogen. Dieser wusste nichts von der jahrelangen Ehre. Ersatz ist schon gefunden.

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Der Parteivorsitzende der Grünen, Cem Özdemir.
Der Parteivorsitzende der Grünen, Cem Özdemir.Foto: dpa

Cem Özdemir war einer der Initiatoren der vom Bundestag beschlossenen Armenien-Resolution. Seitdem bekommt der Grünen-Politiker Morddrohungen, in der Türkei ist man erbost. Nun hat eine Stadt in der Türkei Özdemir die Ehrenbürgerschaft entzogen. Das hatte die Kleinstadt Pazar in der türkischen Provinz Tokat in einer Sondersitzung entschieden, wie tagesschau.de berichtet.

Özdemirs Vater ist in Tokat geboren und wanderte 1961 als Gastarbeiter nach Deutschland aus. Cem Özdemir wurde 1965 in Bad Urach geboren. Wie er auf Twitter lapidar mitteilte, habe er bislang von einer Ehrenbürgerschaft in dieser Stadt nichts gewusst. Verbreitet hatte diese Nachricht unter anderem die "Sabah", eine Erdogan-nahe Tageszeitung in der Türkei. Hier wird der Bezirksbürgermeister von Pazar zitiert: "Wir erkennen die Entscheidung des deutschen Parlaments über die Resolution nicht an. Die Entscheidung hat international keinerlei Wert und ist völlig willkürlich." Niemand in der Stadt werde mehr den Namen Özdemir tragen. Gegenüber der deutschen Presseagentur äußerte sich Bürgermeister Pazar vorsichtiger. Es handele sich um eine "Mitbürgerschaft", keine Ehrenbürgerschaft.

Der Bundestag hatte in der Resolution entschieden, die Tötung von 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg als "Völkermord" zu bezeichnen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Özdemir als "charakterlos" bezeichnet und ihm vorgeworfen, "verdorbenes Blut" zu haben. Er beschrieb Özdemir als "den Mann, der in Deutschland sein eigenes Land des Völkermordes beschuldigt und bei so einer Entscheidung die führende Rolle spielt".

Zudem hatte Erdogan Blutproben von türkisch-deutschen Abgeordneten gefordert, die für die Resolution gestimmt hatten. In einem Tweet schrieb Özdemir: "Ach ja, und die türkische , die mir manche entziehen wollen, habe ich seit meinem 18. Lebensjahr nicht mehr."

CDU-Politikerin neue Ehrenbürgerin der Stadt

Zur neuen Ehrenbürgerin des türkischen Städtchens wurde nun Bettina Kudla von der CDU in Leipzig ernannt. Sie hatte als einzige Abgeordnete im Bundestag gegen die Armenien-Resolution gestimmt. Ein deutsches Parlament sei nicht zuständig, geschichtliche Vorgänge in anderen Ländern zu bewerten. "Wir wünschen uns in Deutschland ja auch nicht, dass andere Länder über unsere Geschichte richten", sagte Kudla dem Tagesspiegel am Freitag. "Mir kommt es vor, als geht man den aktuellen Problemen ein wenig aus dem Weg, wenn man den Blick in die Vergangenheit richtet."

Die CDU-Abgeordnete Bettina Kudla.
Die CDU-Abgeordnete Bettina Kudla.Foto: dpa

Der Zeitpunkt der Resolution sei zudem äußerst unpassend gewählt, denn sie erhöhe ein Scheitern des Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei. "Besser Menschenleben retten als historische Kommissionen einrichten," sagt Kudla. In den sozialen Netzwerken erhalte sie viel Zuspruch von türkischen Mitbürgern und Menschen aus der Türkei für ihre Stimme gegen die Resolution.

Von ihrer Ernennung zur Ehrenbürgerin hat sie durch die Medien erfahren. Sie wolle nun "erstmal abwarten" und zunächst keine Schritte gegen die Ernennung einleiten. "Die Absicht, mit meiner Nein-Stimme eine Auszeichnung zu erhalten, hatte ich nicht." Der Bürgermeister von Pazar sagte der Deutschen Presse-Agentur, man habe Kudla zur "Ehren-Mitbürgerin" ernannt. "Wir wissen nicht, ob sie das annimmt oder nicht“, sagte Pervanlar. „Wir hoffen, dass sie das über die Medien mitbekommt und sich bei uns meldet."

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