Nach Gauck-Ernennung : Rösler: Merkel ist der Frosch

24.02.2012 17:40 Uhrvon
Das Verhalten des FDP-Chefs sorgt für Unmut beim Koalitionspartner. Foto: dpa
Das Verhalten des FDP-Chefs sorgt für Unmut beim Koalitionspartner. - Foto: dpa

Der FDP-Chef macht sich über die Niederlage der Kanzlerin bei der Gauck-Kür lustig. Der Koalitionspartner kann darüber nicht lachen.

Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler sorgt mit triumphierenden Bemerkungen über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zunehmend für Unverständnis beim Koalitionspartner. Als vorläufiger Tiefpunkt wird in der Union ein Auftritt von Rösler in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ am Donnerstagabend gewertet. Der Moderator Lanz erinnerte dort mit einer Einspielung an das Gleichnis vom Frosch, das Rösler in seiner ersten Parteitagsrede im Mai 2011 benutzt hatte. Rösler war damals dem Eindruck vom „netten Herrn Rösler“ mit dem Bild entgegengetreten, wenn man einen Frosch in kaltes Wasser werfe und die Temperatur langsam erhöhe, merke der das erst, wenn es zu spät sei.

Lanz fragte den FDP-Vorsitzenden, wann am Sonntag Frau Merkel gemerkt habe, dass jetzt sie der Frosch sei. „Schätzungsweise bei der besagten Telefonschaltkonferenz des CDU-Präsidiums“, antwortete Rösler. Merkel hatte sich am Sonntag im CDU-Präsidium klar gegen Gauck ausgesprochen, während sich praktisch gleichzeitig die FDP auf Gauck festlegte. Merkel erfuhr davon zuerst durch eine Agenturmeldung. Der Vorgang führte die Koalition an den Rand des Bruchs.

Regierungssprecher Steffen Seibert wollte Röslers Spruch nicht dramatisieren: „Tiergleichnisse sind denkbar ungeeignet für die Beschreibung des Verhältnisses der Kanzlerin zu ihrem Vizekanzler“, sagte Seibert. Was beide sich Wichtiges zu sagen hätten, erledigten sie bei einem ihrer vielen Treffen in der Arbeitswoche. Führende Unionspolitiker wollten sich nicht öffentlich äußern, sprachen aber von „Unverschämtheit“ und „üblem Nachkarten“.
Für Unmut in der Union sorgte auch Röslers Darstellung der internen Abläufe in den entscheidenden Koalitionsberatungen. So bejahte er die Frage des Moderators, ob Merkel die Festlegung der FDP auf Gauck schon vor der Entscheidung des FDP-Präsidiums hätte erkennen können. Teilnehmer der Sitzung auf Unionsseite haben hingegen berichtet, die FDP habe zwar stets gegen die CDU-Kandidaten argumentiert, aber bis zuletzt nie klar für Gauck Stellung bezogen. Dadurch habe Merkel den Eindruck gewinnen können, ein Konsens ohne den einstigen Gegenkandidaten von Christian Wulff sei nach wie vor möglich.

Indirekt machte der FDP-Chef sich in der Sendung auch über Kandidatenvorschläge der CDU lustig: Seine Frau habe ihm vor dem Aufbruch ins Kanzleramt gesagt, er solle nicht mit einem Konsenskandidaten zurückkommen, „der Mitglied der CDU ist, mal bei der SPD gesprochen hat, artig den Müll trennt und mal ein Buch über Freiheit gelesen hat“.

Der FDP-Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, wertete gleichzeitig die Entscheidung für Gauck als dauerhafte Einhegung der Kanzlerin. Der frühere Chef der Stasiakten-Behörde werde als Bundespräsident kraft seiner Persönlichkeit deutlich machen, „dass Deutschland nicht nur über eine Person, nämlich Angela Merkel, prägend wirken kann“, sagte Kubicki „Focus online“. „Er wird der Demokratie guttun, denn die öffentliche Dominanz von Angela Merkel wird abnehmen.“ Er wies die Einschätzung zurück, dass sich seine Partei nur aus taktischen Gründen hinter den Favoriten von Grünen und SPD gestellt habe.

Kubicki erklärte zugleich alle Spekulationen für „absurd“, ob Rösler sich nach einer Niederlage bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein an der Parteispitze halten könnte. Wenn diese Wahl verloren gehe, sei es unerheblich, wer die FDP dann 2013 in die außerparlamentarische Opposition führe.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite