Nach Mord an Geheimdienstchef : Im Libanon wächst die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg

22.10.2012 00:00 Uhrvon
Sieben Jahre danach. Libanesen protestieren nach dem Tod von Geheimdienstchef Hassan. Sie trugen am Sonntag Bilder Hassans und de früheren libanesischen Premiers Hariri (rechts) mit sich. Auch er starb 2005 durch eine Autobombe. Foto: Mohammed Zaatari/dapd Foto: dapd
Sieben Jahre danach. Libanesen protestieren nach dem Tod von Geheimdienstchef Hassan. Sie trugen am Sonntag Bilder Hassans und de früheren libanesischen Premiers Hariri (rechts)... - Foto: dapd

Der Mord an Geheimdienstchef Wissam Hassan schürt gefährliche Spannungen im Libanon. Die Konflikte in Syrien greifen zunehmend auf das Nachbarland über. Der pro-syrische Premier in Beirut gerät massiv unter Druck.

Mit Bussen kamen die Trauergäste aus dem ganzen Land am Sonntag nach Beirut. Viele trugen die Fahne der syrischen Revolution mit sich. Oppositionsführer Saad Hariri hatte alle Libanesen aufgefordert, in ihrer Wut nicht Straßen zu blockieren, sondern am Begräbnis für den am Freitag ermordeten Geheimdienstchef Wissam Hassan teilzunehmen.

Das Begräbnis auf dem Märtyrer-Platz war Trauerfeier und politische Demonstration in einem. Schon der Ort hat große Symbolkraft. Hassan wurde dort begraben, wo auch der 2005 in einem Bombenanschlag ermordete Ex-Premier Rafik Hariri liegt. Die Gebete für Hassan fanden in der mächtigen Moschee statt, die zu Hariris Ehren gebaut wurde.

Allerdings kamen weniger Menschen, als die Opposition erwartet hatte.

Der 47-jährige Geheimdienstchef, der am Freitag im Stadtteil Ashrafieh zusammen mit sieben weiteren Personen Opfer einer Autobombenexplosion wurde, wusste, dass er gefährlich lebt. Seine Familie, Frau und zwei Söhne im Teenager- Alter, hatte er zur Sicherheit bereits nach Frankreich gebracht. Schnell waren Syrien und mit Assad liierte Libanesen als Schuldige ausgemacht. Es könne keinen Augenblick Zweifel daran geben, dass der Mord auf das Konto des Assad-Systems und der Hisbollah gehe, kommentierte etwa die panarabische Tageszeitung „Sharq al-Awsat“.

Sogar der libanesische Regierungschef Najib Mikati, der einer Regierung von Hisbollah und deren Verbündeten vorsteht, deutete syrische Verwicklungen an, als er erklärte, Hassans Tod stehe vermutlich im Zusammenhang mit seinen Ermittlungen gegen den früheren Informationsminister Michel Samaha. Samaha, ein enger syrischer Vertrauter, wurde im August verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit dem syrischen Geheimdienst ein Komplott geschmiedet zu haben, um mit verschiedenen Attentaten konfessionelle Spannungen im Libanon zu schüren und das Land ins Chaos zu stürzen. Hassan war auch an vorderster Front in die Aufklärung des Hariri-Attentats und der weiteren politischen Morde involviert. Mit ihm sei deshalb ein wichtiger Zeuge beseitigt worden, der in einem internationalen Gerichtsverfahren gegen das syrische Regime hätte aussagen können, bemerkte der ehemalige syrische Vizepräsident Abdul Halim Khaddam.

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