• Nach Räumung von Idomeni: UN: Mangelhafte Zustände in neuen griechischen Flüchtlingslagern

Nach Räumung von Idomeni : UN: Mangelhafte Zustände in neuen griechischen Flüchtlingslagern

Das griechische Camp Idomeni ist geräumt. Viele Flüchtlinge campieren nun illegal oder sind in neuen Lagern untergebracht. Doch auch dort sind die Zustände laut einem UN-Bericht mangelhaft.

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Rund 4000 Flüchtlinge leben nun in kleinen wilden Lagern in der Nähe der Ortschaft Idomeni
Rund 4000 Flüchtlinge leben nun in kleinen wilden Lagern in der Nähe der Ortschaft IdomeniFoto: Socrates Baltagiannis/dpa

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat mit deutlichen Worten die Zustände in den neuen griechischen Flüchtlingslagern kritisiert, in die Tausende von Flüchtlingen nach der Räumung des Camps Idomeni umquartiert wurden. Es gebe "ernste Bedenken bezüglich mangelhafter Bedingungen in mehreren Unterkünften im Norden Griechenlands", berichtete die Organisation. Das UNHCR drängt die griechischen Behörden dazu, mithilfe der finanziellen Unterstützung der Europäischen Union "schnell bessere Alternativen ausfindig zu machen".

Das Lager Idomeni an der Grenze zu Mazedonien war in der vergangenen Woche geräumt worden. Zuletzt hatten dort mehr als 8000 Flüchtlinge ausgeharrt - viele von ihnen immer noch mit einem Funken Hoffnung, dass sich die Grenze nach Norden doch noch für sie öffnet. Der Großteil der Flüchtlinge wurde in andere Lager im Norden Griechenlands verlegt. Tausende Flüchtlinge campieren inzwischen allerdings in kleinen wilden Lagern in der Nähe von Idomeni.

In dem UNHCR-Bericht wird die Räumung des provisorischen Lagers Idomeni grundsätzlich gelobt. Die Flüchtlinge hätten dort "unter katastrophalen Bedingungen" gehaust, heißt es. Die UN-Organisation lobt, dass die Räumung ohne Anwendung von Gewalt abgeschlossen wurde.

Mehr Spannungen unter den Flüchtlingen

Zugleich heißt es aber: "Die Bedingungen in einigen Unterkünften, in die die Flüchtlinge und Migranten nun gebracht wurden, fallen jedoch weit hinter Mindeststandards zurück." Flüchtlinge, die in Idomeni gelebt hatten, seien teilweise in verlassene Lagerhallen und Fabriken gebracht worden, in denen Zelte viel zu dicht nebeneinander aufgestellt worden seien. "Die Luftzirkulation ist nur spärlich und die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser sowie der Zugang zu Sanitäranlagen und Elektrizität sind unzureichend." Familien seien während der Transfers getrennt worden. Viele Unterkünfte seien überfüllt. "Die schlechten Bedingungen an diesen Orten verschlimmern die große Not der Flüchtlingsfamilien, erhöhen Spannungen unter den Flüchtlingen und verkomplizieren die Anstrengungen, Schutz und Hilfe bereitzustellen."

Vergangene Woche hatte die Hilfsorganisation Medico erklärt, die offziellen Ausweichlager seien "keine Alternative". Sie erklärte: "Die Wirklichkeit in den Lagern hat nichts mit den schöngefärbten Imagevideos des UNHCR zu tun. Die Versorgung ist schlecht und die Flüchtlinge fühlen sich eingesperrt." Auf Twitter schrieb Medico: "Die Menschen werden nur noch aufbewahrt. Und unsichtbar gemacht. Leben ist was anderes." Berichten zufolge nähern sich die Temperaturen in den unklimatisierten Industriegebäuden tagsüber 40 Grad.

Auch der Dresden-Balkan-Konvoi, der sich mehrere Monate lang in Idomeni engagiert hat, kritisierte die Zustände in den neuen Lagern. Nicht nur werde den Menschen dort das letzte bisschen Entscheidungsfreiheit genommen, sie sollten auch in den vorwiegend vom Militär betriebenen Lagern "in Vergessenheit geraten".

Rund um Idomeni gibt es inzwischen rund 4000 Migranten, die in der Grenznähe zu Mazedonien illegal campieren, wie dpa am Montag unter Berufung auf den griechischen Fernsehsender Skai meldete. Sie zelteten im Freien in der Nähe von Tankstellen und Hotels sowie nahe der Ortschaft Polikastro. "Im Grunde ist es jetzt schlimmer geworden - das Lager in Idomeni war im Laufe der Zeit wenigstens gut organisiert, nicht zuletzt dank der internationalen Hilfsorganisationen", sagte ein Journalist des Senders. Nun gebe es Schwierigkeiten, die weit verstreuten Menschen angemessen zu versorgen.

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