Nach Rede von Benjamin Netanjahu : Wer war der "Mufti von Jerusalem"?

Er habe die Nazis zum Holocaust animiert, behauptete der israelische Premier Netanjahu über Mohammed al-Husseini. Wer war der "Mufti"?

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Im Vernichtungswunsch gegen die Juden vereint: Mohammed al-Husseini und Adolf Hitler 1941 in Berlin.
Im Vernichtungswunsch gegen die Juden vereint: Mohammed al-Husseini und Adolf Hitler 1941 in Berlin.Foto: AFP

Israels Premier Benjamin Netanjahu sorgt mit seiner Rede vor dem Zionistischen Weltkongress in Jerusalem derzeit für Empörung. Natenjahu hatte dem "Mufti von Jerusalem", Mohammed al-Husseini, am Dienstag die Hauptverantwortung für die Judenvernichtung gegeben. "Wenn Sie die Juden vertreiben", habe al-Husseini zu Hitler gesagt, "dann werden sie alle nach Palästina kommen." Was er denn mit ihnen machen solle, habe der "Führer" gefragt, worauf der Mufti geantwortet habe: "Verbrennt sie!" Am Mittwoch fügte Netanjahu bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hinzu: "Der Mann ist ein Kriegsverbrecher. Er ist ein Mann, der mit den Nazis kollaboriert hat." Wer war der Palästinenserführer, und welche Verbindungen hatte er zu den Nationalsozialisten?

Hitlers Mann in Palästina

Mohammed Amin al-Husseini war der wichtigste arabische Verbündete der Nationalsozialisten im Kampf gegen die Juden. Er wurde im November 1941 erstmals von Adolf Hitler in Berlin empfangen, um mit ihm den „Kampf gegen die jüdische Heimstätte in Palästina“ zu besprechen.

Neben dem „Führer" traf sich al-Husseini auch mit SS-Chef Heinrich Himmler, sowie mit Joseph Goebbels und Adolf Eichmann, die ihm detailliert von den Plänen zur Judenvernichtung berichteten. Im Oktober 1943 schrieb er an Himmler: "Möge das kommende Jahr unsere Zusammenarbeit noch enger gestalten und unsere gemeinsamen Ziele noch näher bringen." Der Mufti unterband zudem immer wieder Pläne, europäische Juden nach Palästina auswandern zu lassen. So bedrängte er einmal die bulgarische Regierung, 4000 jüdische Kinder in die Vernichtungslager im Osten zu deportieren.

Später wurde er Mitglied der SS. Nach dem Sieg der Alliierten über die Wehrmacht 1942 in Ägypten rief er aus: „Ich erkläre einen heiligen Krieg, meine Brüder im Islam! Tötet die Juden! Tötet sie alle!“

Al-Husseini wurde um 1893 in Jerusalem als Sohn eines Geistlichen geboren. Seine Karriere begann als nationalistischer Agitator gegen die britische Besatzung Palästinas. Nachdem er 1920 eine blutige Revolte anzettelte, setzte er sich nach Syrien ab, wurde aber von den Briten als Führer des Aufstandes zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Als er, ausgestattet mit einer Amnestie, wenig später nach Jerusalem zurückkehrte, boten ihm die Briten einen Deal an: Er durfte Großmufti werden, wenn er versprach, künftig Aufstände zu unterbinden. Al-Husseini hielt sich nicht daran, im Gegenteil: 1929 stritten jüdische und arabische Nationalisten über die Nutzung der Klagemauer. In der Folge kam es – wohl angezettelt durch al-Husseini – zum Pogrom gegen die jüdischen Einwohner Hebrons. 67 von ihnen wurden getötet, was, gemessen an der damaligen Einwohnerzahl Hebrons, nicht wenige waren. Die restlichen Juden wurden vertrieben.

Ein "arisiertes Haus" für den Mufti in Berlin

Al-Husseinis Antisemitismus unterschied sich kaum von dem der Nazis. "Sie (die Juden) werden stets ein zersetzendes Element auf Erden bleiben, denen daran gelegen ist, Ränke zu schmieden, Kriege anzuzetteln und die Völker gegeneinander auszuspielen", sagte er 1942 in Berlin.

Die Nationalsozialisten erwiesen sich ihm gegenüber als großzügige Gastgeber: Ihm wurde nicht nur ein "arisiertes" Haus samt eines Mitarbeiterstabes zur Verfügung gestellt. Das Auswärtige Amt alimentierte ihn zeitweise mit 90.000 Reichsmark monatlich. Seit seinem Tod wird er von der arabischen Welt als Held verehrt. PLO-Chef Mahmud Abbas, der in seiner Dissertation den Holocaust leugnet, gehört ebenfalls zu den Bewunderern des Mufti.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes stand die unzutreffende Formulierung "polnisches Vernichtungslager". Diese Passage haben wir inzwischen geändert. Wir danken der polnischen Botschaft für den Hinweis und bitten den Fehler zu entschuldigen.

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