• Nachfolge für Bundespräsident Joachim Gauck: Margot Käßmann: "Es ehrt mich, aber ich stehe nicht zur Verfügung"
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Nachfolge für Bundespräsident Joachim Gauck : Margot Käßmann: "Es ehrt mich, aber ich stehe nicht zur Verfügung"

Laut einem Medienbericht will SPD-Chef Gabriel Margot Käßmann als Kandidatin für die Gauck-Nachfolge gewinnen.

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Die Ex-EKD-Vorsitzende Margot Käßmann
Die Ex-EKD-Vorsitzende Margot KäßmannFoto: epd

Laut einem Bericht der Funke Mediengruppe will SPD-Chef Sigmar Gabriel Margot Käßmann als Bundespräsidenten-Kandidatin gewinnen. Weiter heißt es, Gabriel habe darüber bereits Gespräche mit Linken-Chef Bernd Riexinger geführt, weitere Gespräche sollen folgen. Allerdings heißt es in dem Bericht auch, dass Gabriel nach wie vor einen Konsens mit der Union bei der Suche nach einem Nachfolger für Joachim Gauck anstrebe.

Käßmann selbst gab noch am Mittwoch ihre Absage durch: "Es ehrt mich, dass mein Name im Zusammenhang mit dem höchsten Amt im Staat genannt wird. Allerdings stehe ich für dieses Amt nicht zur Verfügung."

Riexinger bestätigt dem Tagesspiegel, dass es es ein Telefongespräch zwischen ihm und Gabriel gegeben hat, bei dem es um die Perspektive eines rot-rot-grünen Präsidentschaftskandidaten gegangen ist. Dabei habe auch der Name Käßmann eine Rolle gespielt. "Kriterien für die Linke sind weltoffen, Verständnis für soziale Gerechtigkeit und eine friedliche Außenpolitik. Das würde in dem Fall gut zutreffen", sagte Riexinger dem Tagesspiegel.

Zugleich zeigte man sich bei den Linken wenig begeistert über die öffentlichen Spekulationen über Käßmann. Riexinger sagte der dpa: "Es wäre bedauerlich, wenn in der großen Koalition taktische Spielereien mit dem Bundespräsidentenamt oder mit Frau Käßmann betrieben würden."

In der Linken-Spitze zeigten sich auch einige irritiert darüber, dass der Name öffentlich werde, zumal noch nicht sicher sei, ob beispielsweise die Grünen Käßmann mittragen würden. Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte dem Tagesspiegel: "Es ist den betroffenen Personen gegenüber unverantwortlich, in der Öffentlichkeit mit ihren Namen zu spielen."

Auch war unklar, ob Gabriel den Vorschlag ernsthaft verfolgt oder ob es eher eine versteckte Drohung in Richtung Union ist, notfalls auch einen rot-rot-grünen Kandidaten durchzusetzen.

Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter bezeichnete Käßmann als "eine starke Persönlichkeit, die sich zu wichtigen gesellschaftspolitischen Themen mutig positioniert". Aber in der Frage des Staatsoberhaupts sei noch nichts entschieden und es würden noch weitere Gespräche geführt, sagte sie dem Tagesspiegel. "Für uns Grüne ist maßgeblich, dass die Kandidatin oder der Kandidat für Weltoffenheit und den Zusammenhalt der Gesellschaft steht. Eine Frau würde diesem Amt im 21. Jahrhundert sehr gut zu Gesicht stehen", sagte Peter.

Ein Nachfolger für Gauck, der aus Altersgründen keine zweite Amtszeit antreten will, wird am 12. Februar in der Bundesversammlung gewählt.

Die 58 Jahre alte Käßmann ist derzeit als Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das 500. Reformationsjubiläum 2017 unterwegs. Sie war 2010 nach einer Alkoholfahrt am Steuer ihres Dienstwagens als Ratsvorsitzende der EKD und hannoversche Landesbischöfin zurückgetreten.

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