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Nahost : In Ägypten wächst die anti-israelische Stimmung

15.11.2012 20:15 Uhrvon
Demonstranten tragen in Kairo die palästinensische Flagge aus Protest gegen israelische Luftangriffe im Gazastreifen.Bild vergrößern
Demonstranten tragen in Kairo die palästinensische Flagge aus Protest gegen israelische Luftangriffe im Gazastreifen. - Foto: dapd

Das Verhältnis Israels zum Nachbarn Ägypten ist seit vielen Jahren relativ stabil. Wie reagiert die neue ägyptische Führung nun auf die Militäraktionen Tel Avivs gegen die Hamas?

Vieles erinnert dieser Tage an den Gazakrieg vor vier Jahren. Provokantes Raketenfeuer aus dem von der Hamas kontrollierten Küstenstreifen in Richtung Israel. Vergeltungsangriffe der israelischen Luftwaffe und Mobilisierung von Panzereinheiten.
Doch der jüngste Gaza-Schlagabtausch findet in einer gänzlich neuen politischen Umgebung statt. In Ägypten regiert nach dem Arabischen Frühling nicht mehr Hosni Mubarak, sondern der Muslimbruder Mohammed Mursi. Mubarak ließ anti-israelische Proteste seiner Landsleute unbeirrt niederknüppeln. Mursi dagegen als sein demokratisch gewählter Nachfolger muss auf die öffentliche Meinung Rücksicht nehmen und steht zudem der Hamas ideologisch nahe.

Der neuen ägyptischen Führung fällt angesichts der Kriegsgefahr in Gaza eine delikate, regionale Schlüsselrolle zu. Wie seinem Vorgänger Mubarak, ist auch Präsident Mursi bewusst, wie gefährlich eine weitere Eskalation für das eigene Land werden könnte. Praktisch alle politischen Strömungen – von den Salafisten über die Muslimbrüder bis hin zu den Säkularen – fordern eine härtere Gangart gegenüber Israel. Für Freitag sind große Protestdemonstrationen auf dem Tahrir-Platz angekündigt. Am Samstag kommen in Sichtweite des legendären Freiheitsplatzes die Außenminister der Arabischen Liga zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Und so könnte Ägypten in den nächsten Tagen vor einer Eruption anti-israelischer Aggressionen stehen, wie es sie seit dem Camp-David-Abkommen von 1979 noch nie gegeben hat.

Staatschef Mursi versucht die öffentliche Empörung aufzufangen, ohne zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Denn das post-revolutionäre Ägypten braucht vor allem Ruhe und Stabilität, um seine Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, die dringenden Reformen bei den Subventionen anzupacken und seine Verfassung zu verabschieden. Gleichzeitig gelten die Regeln offener Gesellschaften jetzt auch am Nil, liegt der einhellige Unmut in der Bevölkerung über Israels Umgang mit den Palästinensern offen zutage.

Ägyptens Staatschef verurteilte den Raketenmord an dem Hamas-Militärchef dann auch als „unakzeptable Aggression“ und beorderte für den heutigen Freitag seinen Premier direkt ins Kampfgebiet nach Gaza-Stadt – ein geschickter Schachzug. Den Botschafter in Tel Aviv ließ er nach Kairo zurückrufen. Dessen israelischer Amtskollege war bereits wenige Stunden zuvor aus der ägyptischen Hauptstadt abgereist. Mursis Drähte nach Jerusalem sind dünn, jeden persönlichen Kontakt mit israelischen Politikern lehnte er bisher ab. Einen zweiten Gazakrieg würde das Verhältnis beider Staaten wohl nicht überstehen.

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