Nebenklägerin im NSU-Prozess : "Ich erwarte von Zschäpes Aussage nicht viel"

"Beate Zschäpe will damit nur ihre Haut retten", sagt Gamze Kubasik. Die Tochter eines NSU-Opfers rechnet nicht mit Antworten der Hauptangeklagten auf drängende Fragen. Ein Interview.

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Die Angeklagte Beate Zschäpe (links neben ihrem vierten Anwalt Mathias Grasel) will in dieser Woche im NSU-Prozess aussagen.
Die Angeklagte Beate Zschäpe (links neben ihrem vierten Anwalt Mathias Grasel) will in dieser Woche im NSU-Prozess aussagen.Foto: dpa

Gamze Kubasik tritt im NSU-Prozess als Nebenklägerin auf. Sie ist die Tochter von Mehmet Kubasik, der am 4. April 2006 in Dortmund vom NSU erschossen wurde. Gamze Kubasik glaubt nicht, dass Beate Zschäpe mit ihrer für Mittwoch angekündigten Aussage wirklich zur Aufklärung beitragen will.

Kommen Sie am Mittwoch zur erwarteten Aussage von Beate Zschäpe?

Gamze Kubasik, Tochter des am 4. April 2006 in Dortmund vom NSU erschossenen Mehmet Kubasik, tritt im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München als Nebenklägerin auf.
Gamze Kubasik, Tochter des am 4. April 2006 in Dortmund vom NSU erschossenen Mehmet Kubasik, tritt im NSU-Prozess am...Foto: picture alliance / dpa

Weil sich die Aussage um mehrere Wochen verschoben hat, konnten meine Mutter und ich jetzt organisieren, nach München zu fahren. Ich komme ohne große Erwartungen. Zschäpe hat ja auch schon angekündigt, dass sie Fragen der Nebenkläger sowieso nicht beantworten will.


Was halten Sie davon, dass Zschäpe nach zweieinhalb Jahren Schweigen im Prozess sich jetzt doch noch einlassen will?

Ich weiß nicht, ob das jetzt noch Sinn macht. Warum macht sie das erst jetzt? Warum hat sie dann solange nichts gesagt und uns alle mit unseren quälenden Fragen ohne Antworten gelassen. Ich befürchte, sie will damit nur ihre eigene Haut retten, ohne dass es endlich ehrliche Erklärungen für den Mord an meinem Vater und die vielen anderen Morde und Anschläge gibt. Dafür spricht auch, dass sie es, als ihre Aussage ursprünglich im November geplant war, erst so kurz vorher mitgeteilt hat, dass viele nicht kommen konnten und sie auch keine Fragen von uns beantworten will.



Was erwarten oder erhoffen Sie sich von der Einlassung?

Ich erwarte nicht viel, weil ich nicht glaube, dass diese Frau uns bei der Aufklärung darüber, was wirklich passiert ist und wer noch alles mitgeholfen hat, helfen will. Natürlich bin ich neugierig, was sie jetzt sagen will und hoffe darauf, endlich Antworten zu bekommen. Ich will wissen, wer - vor allem in Dortmund - an dem Mord beteiligt war. Wie kamen die auf meinen Vater und unseren Kiosk? Wer war noch beim NSU? Was wussten die Geheimdienste und ihre Spitzel und warum wurden die Morde nicht verhindert? Wahrscheinlich könnte Zschäpe Antworten geben. Allzu große Hoffnung habe ich darauf nicht.


Was würde es für Sie bedeuten, wenn Zschäpe Reue äußert?

Ich weiß nicht, was mir das bedeuten würde. Es wäre aber nach über zweieinhalb Jahren Prozess und vier Jahre nachdem das Ganze aufgeflogen ist, reichlich spät.


Wollen Sie auch künftig noch zum Prozess kommen?

Ich werde sicher noch einmal kommen. Es ist aber immer kompliziert, das alles zu organisieren, was auch ganz persönliche Gründe hat. Ich halte mich aber immer auf dem Laufenden. Nur weil ich nicht jeden Tag vor Ort sein kann, heißt das nicht, dass ich den Prozess nicht die ganze Zeit verfolgen würde. Mich beschäftigt das jeden Tag.

Wie ertragen Sie es, dass der Prozess so lange dauert?

Klar möchte ich, dass endlich ein Urteil fällt und finde es unerträglich, wenn lügende Nazis durch ihre Aussagen den Prozess in die Länge ziehen. Abschließen werden ich aber - wenn überhaupt - nur dann, wenn auch meine Fragen beantwortet werden können.

Eine Chronik des NSU-Prozesses finden Sie hier.

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