Neuer Piratenchef : Bernd Schlömer, der Panzergrenadier

Bernd Schlömer ist Regierungsdirektor im Verteidigungsministerium - und entspricht so gar nicht dem Bild, das man von einem Piraten hat. Was ist von dem neuen Parteichef zu erwarten?

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Der neue Piratenchef Bernd Schlömer
Der neue Piratenchef Bernd SchlömerFoto: dpa

Es ist so ein Moment, in dem Bernd Schlömer wieder mal alles richtig macht. Wie er zu Bundeswehreinsätzen im Ausland stehe, wird Schlömer in der Neumünsteraner Holstenhalle gefragt. Es läuft das sogenannte „Kandidatengrillen“ beim Bundesparteitag der Piraten, bei dem sich Kandidaten für ein Parteiamt den Fragen der Basis stellen müssen. Die Frage ist heikel: Die Piraten haben sich in der Vergangenheit schon einmal gegen Einsätze zur Ressourcensicherung ausgesprochen, sind grundsätzlich skeptisch gegenüber militärischen Interventionen. Schlömer ist Regierungsdirektor im Verteidigungsministerium und macht aus seiner Loyalität keinen Hehl. „Positiv“ stehe er zu den Einsätzen, sagt Schlömer mit einem Grinsen. Allerdings: „Wenn die Piratenpartei beschließt, Auslandseinsätze nicht zu billigen, schließe ich mich dem an.“ Das gibt Applaus – die Demut vor der Basis kommt an.

Wofür steht Schlömer?

Wenig später ist es dann amtlich: 66,6 Prozent der Piraten haben dem Kriminologen ihr Vertrauen ausgesprochen. Damit entscheiden sie sich nicht nur für politische Kontinuität – Schlömer, den hier alle nur „Bundesbernd“ nennen, ist seit 2009 als Schatzmeister und stellvertretender Vorsitzender im Bundesvorstand der Partei aktiv. Sie votieren auch für eine feine Neujustierung ihrer Bundesspitze: Mit seinem Vorgänger Sebastian Nerz habe er als Stellvertreter zwar „sehr konstruktiv“ zusammengearbeitet, hatte Schlömer dem Tagesspiegel in einem Interview im Vorfeld des Bundesparteitags gesagt. Allerdings möchte er in öffentlichen Debatten präsenter sein als Nerz, findet es falsch, „meinungslos“ zu sein. Als Vorsitzender will er „stärker beschreiben, was und wofür politische Sachverhalte geklärt werden müssen – auch außerhalb des Parteiprogramms“. Indes: Selbst Debatten- und Meinungsbildungsprozesse anzustoßen, hat auch Schlömer nicht vor: „Wir haben die Aufgabe, als Transmissionsriemen zu wirken“, fasste er die Rolle des neu gewählten Bundesvorstands bei einer Pressekonferenz am Rande des Parteitags zusammen.

Der Parteitag in Bildern:

Bundesparteitag der Piraten in Neumünster
Zweimal ist Julia Schramm bei einer Wahl in den Bundesvorstand der Piraten am Wochenende gescheitert - im dritten Anlauf hat es nun knapp gelangt. Hier sitzt sie neben dem neuen Parteichef Bernd Schlömer.Weitere Bilder anzeigen
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29.04.2012 12:48Zweimal ist Julia Schramm bei einer Wahl in den Bundesvorstand der Piraten am Wochenende gescheitert - im dritten Anlauf hat es...

Was ist er für ein Typ?

Auf den ersten Blick ist der in Hamburg und Berlin lebende gebürtige Meppener – Jahrgang 1971, verheiratet, zwei Kinder – tatsächlich kein typischer Pirat. Der kernige Ex-Panzergrenadier, der heute im Bundesverteidigungsministerium die akademische Selbstverwaltung der Bundeswehruniversitäten mitbetreut, entspricht so gar nicht dem Bild vom weltfremden Computernerd, ist eher Kumpeltyp als Netzwesen. Und doch teilt Schlömer mit seiner Partei noch mehr als das grundlegende Bekenntnis zu einem sozialen Liberalismus – nämlich ein nahezu manisches Interesse an kommunikativen, methodischen und organisatorischen Abläufen in Institutionen. Dabei könnte Schlömer die Partei durchaus um seine Erfahrungen aus dem Bundesverteidigungsministerium bereichern: Dieser würde „ein Stück administrative Professionalität“ nicht schaden, sagte Schlömer. In der Partei, in der Prozesse genauso wichtig sind wie inhaltliche Debatten, ist der Sozialwissenschaftler Schlömer mit derartigen Aussagen letztlich gut aufgehoben.

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