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Politik : Neuer Wehrbeauftragter will Kampfpanzer und Mörser für Bundeswehr in Afghanistan

Der designierte Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, fordert im Interview mit dem Tagesspiegel den Einsatz von schweren Kampfpanzern und Mörsergranaten zum besseren Schutz der Bundeswehr in Afghanistan. Der Bundeswehr stehe nicht alles Gerät zur Verfügung, das sie zum eigenen Schutz brauche.

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Foto: dpadpa-Zentralbild

Herr Königshaus, nach dem Tod von drei Soldaten bei Kundus stellt sich die Frage: Steht der Bundeswehr in Afghanistan alles Gerät zur Verfügung, das sie zum eigenen Schutz braucht?



Nein, das ist nicht der Fall. Seit Jahren klagen Verteidigungspolitiker darüber, dass zu wenig geschützte Fahrzeuge sowie Hubschrauber zur Verfügung stehen und moderne Aufklärungssysteme fehlen. Unser Hauptproblem ist, wie wir unsere Soldaten am Boden schützen. Die Soldaten verlassen das Lager nur noch in gepanzerten Fahrzeugen. Diese Fahrzeuge bieten aber keinen ausreichenden Schutz gegen Minen und Sprengfallen. Das hat sich am Karfreitag wieder gezeigt, als eines der Fahrzeuge auf eine Mine fuhr und vier Soldaten verletzt wurden.

Wie könnte die Bundeswehr das Problem der Schutzfahrzeuge beheben?

Die Bundeswehr müsste einige der Leopard-2-Kampfpanzer nach Kundus schaffen, die hier in Deutschland in Depots stehen. Es heißt, der Leopard 2 sei zu schwer für die afghanische Berge. Für die Hochebene von Kundus trifft das Argument nicht zu. Dort könnte dieser moderne Kampfpanzer Leben schützen. Er ist besser gegen Minen geschützt als der Marder oder der Dingo. Sein Einsatz hätte auch eine abschreckende Wirkung auf die Taliban. Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zwei Mal, ob er einen deutsche Patrouille angreift. Die Kanadier haben im übrigen mit dem Einsatz des Leopard 2 in Afghanistan gute Erfahrungen gemacht.

Wie lässt sich das Problem mit den Hubschraubern lösen?

Bei den Hubschraubern ist nun Entlastung zu erwarten, weil die Amerikaner starke Kräfte in den Raum Kundus verlegen und auch Hubschrauber zur Verfügung stellen. Ohne die Hilfe von US-Sanitätshubschraubern hätten wir am Karfreitag womöglich noch mehr Tote zu beklagen gehabt. Die Amerikaner wollen insgesamt 72 Hubschrauber nach Kundus bringen. Ich kann mir vorstellen, dass es dann keine Lücken mehr gibt. Wir selbst müssen unsere Truppe aber so ausrüsten, dass sie auch ohne Hilfe der Amerikaner oder anderer Verbündeter klarkommt. Kampfhubschrauber fehlen der Bundeswehr seit Jahren. Hätten wir welche gehabt, wäre es im September 2009 wahrscheinlich nie zum Bombardement am Kundus-Fluss mit zivilen Opfern gekommen. Dann hätte Oberst Klein eine Alternative zur Anforderung von Kampfflugzeugen gehabt. Ihm standen aber ohne die Hubschrauber keine kleineren Eskalationsschritte zur Verfügung. Er hatte aber nur die Wahl, entweder gar nichts zu tun und seine Männer zu gefährden, oder aber den Luftschlag anzufordern.

Der frühere Generalinspekteur Kujat beklagt, es fehlten in Afghanistan Offensivwaffen wie Tornados mit Bordwaffen oder Panzerhaubitzen. Sie würden nur deshalb nicht nach Afghanistan verlegt, weil die Politik dann eingestehen müsste, dass sich die Bundeswehr dort im Krieg befindet. Teilen Sie die Kritik?

General Kujat hat recht. Ich selbst fordere seit langem, den Soldaten in Afghanistan Steilfeuerwaffen wie Mörser zur Verfügung zu stellen. Alle Verteidigungsminister bis hin zu Franz Josef Jung und ihre Militärführungen sagten immer, sie wollten keine Mörser einsetzten, weil dann die Gefahr von Kollateralschäden zu groß sei. Das ist ein gewichtiges Argument. Aber man muss auch bedenken, dass in bestimmten Situationen als abschreckende Waffen dann nur noch Kampfbomber zur Verfügung stehen. Deren Wirkung aber ist meist weit verheerender als die von Mörsergranaten. Ich habe den Eindruck, der neue Verteidigungsminister hat das verstanden.

Was ist das Problem mit den modernen Aufklärungsmitteln, die Sie fordern?

Die Geräte sind gekauft, aber die Industrie muss liefern und die Soldaten müssen dann auch ausgebildet werden. Zur Aufklärung am Boden gehören Hubschrauber und moderne Drohnen. Bei einem Besuch im Lager Kundus im Dezember haben mir Aufklärungsspezialisten gesagt, sie könnten ihre Fahrzeuge wegen kleinerer Defekte nicht einsetzen. Es geht in Kundus nicht darum, gemütlich über den Kurfürstendamm zu fahren, sondern Leben zu schützen. Dann sollte man vielleicht etwas weniger pingelig sein als der deutsche Tüv und ein Fahrzeug auch dann in den Einsatz lassen, wenn die Abgaswerte nicht stimmen und der Auspuff rußt.

Hellmut Königshaus (59) tritt im Mai 2010 die Nachfolge von Reinhold Robbe (SPD) im Amt des Wehrbeauftragten des Bundestages an. Königshaus ist seit 1985 FDP-Mitglied. Das Gespräch führten Hans Monath und Michael Schmidt.

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