Newsblog zum Terror in Brüssel : Belgien weist Vorwürfe der Türkei zurück

Die Türkei hat einen der Attentäter nach Belgien ausgewiesen, so Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Lufthansa streicht die Flüge nach Brüssel über Ostern. Alle Ereignisse im Newsblog zum Nachlesen.

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Der belgische Justizminister  Koen Geens wies die Vorwürfe der Türkei zurück. Präsident Erdogan hatte zuvor gesagt, die Türkei hätte einen der Attentäter nach Belgien ausgewiesen und die Behörden gewarnt
Der belgische Justizminister Koen Geens wies die Vorwürfe der Türkei zurück. Präsident Erdogan hatte zuvor gesagt, die Türkei...Foto: dpa

Drei Selbstmordattentäter der Anschläge von Brüssel sind identifiziert. Die Brüder Khalid und Ibrahiim El Bakraoui und Najim Laachraoui, der auch im Zusammenhang mit den Attentaten von Paris gesucht wurde, haben sich am Dienstag in Brüssel am Flughafen und in einer Metrostation in die Luft gesprengt. Alle Ereignisse vom Mittwoch lesen Sie hier!

+++Lufthansa streicht Flüge nach Brüssel über Ostern. Nach den Anschlägen in Belgien streicht die Deutsche Lufthansa alle Flüge nach Brüssel bis einschließlich 28. März. Das teilte ein Sprecher der Fluggesellschaft am Mittwochabend mit. Auch die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines werde bis Montagabend die belgische Hauptstadt nicht mehr anfliegen. Bei koordinierten Angriffen auf den Flughafen und eine zentrale Metrostation in Brüssel am Dienstagmorgen waren mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen. Die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu den Anschlägen

+++Schweigemarsch des Flughafenpersonals. Zahlreiche Mitarbeiter und Anwohner des Brüsseler Flughafens haben sich am Mittwochabend zu einem Schweigemarsch versammelt. An dem Gedenken an die Opfer der Terroranschläge beteiligten sich nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga Hunderte Menschen. Etliche trugen Kerzen, Blumen oder Taschenlampen bei sich. Belgien will am Donnerstag um 14.30 Uhr mit einer landesweiten Schweigeminute der Opfer der Terroranschläge gedenken

Das Personal des Flughafens in Brüssel zündet Mittwochabend Kerzen im Gedenken an die Attentate an.
Das Personal des Flughafens in Brüssel zündet Mittwochabend Kerzen im Gedenken an die Attentate an.Foto: dpa

+++Zahl der Verletzten steigt auf 300. Die Zahl der bei den Brüsseler Terroranschlägen verletzten Menschen ist erneut nach oben korrigiert worden. Nach am Mittwochabend veröffentlichten Zahlen erlitten nicht 270, sondern 300 Personen leichte oder schwere Verletzungen. Die Hälfte von ihnen lag am Mittwoch noch in Krankenhäusern, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. 61 Menschen mussten demnach auf einer Intensivstation behandelt werden. Die Zahl der Todesopfer liege unverändert bei 31, hieß es.

+++Flughafen in Brüssel soll Betrieb am Samstag wieder aufnehmen. Der wegen der Brüsseler Anschläge geschlossene internationale Flughafen der belgischen Hauptstadt soll frühestens am Samstag wieder seinen Betrieb aufnehmen. "Der Flughafen bleibt noch bis einschließlich Freitag für Reisende geschlossen", sagte Flughafensprecherin Anke Fransen am Mittwochabend der Nachrichtenagentur AFP. Es sei noch nicht sicher, ob die Flüge am Samstag wieder aufgenommen werden könnten. Die Fluggesellschaften könnten in der Zwischenzeit "alternative Lösungen organisieren".

+++Belgien weist Vorwürfe der Türkei zurück. Der belgische Justizminister Koen Geens hat den Vorwurf der Türkei zurückgewiesen, den Brüsseler Selbstmordattentäter Ibrahim El Bakraoui fahrlässig auf freiem Fuß gelassen zu haben. El Bakraoui habe in Belgien keine terroristischen Straftaten begangen, sagte Geens am Mittwochabend dem Sender VRT. Als El Bakraoui von der Türkei ausgewiesen wurde, sei er lediglich als normaler Straftäter auf Bewährung bekannt gewesen. Seinem Wissen nach sei El Bakraoui auch nicht nach Belgien, sondern in die Niederlande abgeschoben worden, ergänzte Geens. Das niederländische Justizministerium teilte am Abend mit, der Vorgang werde geprüft. Weitere Informationen seien nicht vor Donnerstag zu erwarten.

+++Bestätigt: Najim Laachraoui als Flughafen-Selbstmordattentäter identifiziert. Bei dem zweiten Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen handelt es sich um den im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesuchten Najim Laachraoui. Das verlautete am Mittwoch aus Polizeikreisen in Brüssel. Der andere Selbstmordattentäter vom Flughafen war nach Behördenangaben Ibrahim El Bakraoui, dessen Bruder sich wiederum in der Brüsseler U-Bahn in die Luft sprengte, nach einem weiteren Mann wurde noch gesucht. Der andere Selbstmordattentäter vom Flughafen war nach Behördenangaben Ibrahim El Bakraoui, dessen Bruder sich wiederum in der Brüsseler U-Bahn in die Luft sprengte.
Nach einem dritten Attentäter, dessen Bombe im Flughafen nicht detonierte, wurde noch gesucht. Seine Identität war unklar. Belgische Medien hatten am Mittwoch zunächst berichtet, bei dem Flüchtigen handle es sich um Laachraoui, und dieser sei festgenommen worden. Die Festnahme wurde dann von der Staatsanwaltschaft dementiert.

Eine Überwachungskamera auf dem Flughafen nahm die mutmaßlichen Selbstmordattentäter Ibrahim el Bakraoui und Najim Laachraoui kurz vor den Anschlägen auf. Nach dem dritten Mann, dessen Identität noch unklar ist, wird gefahndet.
Eine Überwachungskamera auf dem Flughafen nahm die mutmaßlichen Selbstmordattentäter Ibrahim el Bakraoui und Najim Laachraoui kurz...Foto: dpa

+++Terrorverdächtiger Najim Laachraoui soll tot sein: Der seit Tagen gesuchte Terrorverdächtige Najim Laachraoui ist nach belgischen Medienberichten tot. Er sei einer der Selbstmordattentäter gewesen, die sich am Dienstag auf dem Brüsseler Flughafen in die Luft gesprengt hatten, berichtete der Sender RTBF am Mittwochabend. Der 24-Jährige stammt aus dem Brüsseler Stadtteil Schaerbeek, wo auch ein mutmaßlicher Unterschlupf der Attentäter vom Dienstag ausgehoben wurde. Der mutmaßliche Dschihadist soll im Februar 2013 nach Syrien gereist sein. Anfang September 2015 geriet er - mit falscher Identität unter dem Namen Soufiane Kayal - zusammen mit Salah Abdeslam und Mohamed Belkaid in eine Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Laachraouis DNA soll auf Sprengstoff gefunden worden sein, der bei den Anschlägen in Paris verwendet wurde.

+++Erdogan: Türkei wies Attentäter vergangenes Jahr aus. Einer der Attentäter von Brüssel ist nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Juni 2015 im Süden der Türkei festgenommen worden. Er sei im Juli 2015 nach Belgien ausgeliefert worden, sagte Erdogan am Mittwoch. Die belgischen Behörden hätten jedoch "trotz Warnungen" der türkischen Behörden die Verbindungen des Mannes zu Dschihadisten nicht bestätigt und ihn freigelassen.
Bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in einer U-Bahn-Station im Europa-Viertel waren am Dienstag nach jüngsten Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft 31 Menschen getötet und rund 270 weitere verletzt. Zu den Attentaten bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).
Die Ermittler identifizierten zwei der Selbstmordattentäter als Brüder. Der Anschlag auf die U-Bahn wurden demnach von Khalid El Bakraoui verübt. Sein Bruder Ibrahim sprengte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Flughafen in die Luft.
Die Identität des zweiten Selbstmordattentäters am Flughafen konnte bisher nicht geklärt werden. Dies gilt auch für einen dritten Mann, der in einer hellen Jacke und mit Hut auf Fahndungsfotos zu sehen ist. Er befindet sich weiterhin auf der Flucht.


+++Sondertreffen der EU-Minister am Donnerstag. Zu den Terroranschlägen in Brüssel wird es an diesem Donnerstag ein Sondertreffen der für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister geben. Wie die niederländische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte, soll es um 16.00 Uhr im EU-Ratsgebäude in Brüssel beginnen. Nach früheren Angaben niederländischen Justizminister Ard van der Steur hat Belgien um das Treffen gebeten. Ein ähnliches Sondertreffen hatte es nach den Anschlägen von Paris im vergangenen November gegeben.

+++Polizeigewerkschaft kritisiert Datenschutz in Deutschland. Die Deutsche Polizeigewerkschaft kritisiert, der Datenschutz in Deutschland nehme manchmal "schon alberne Züge" an. Ihr Vorsitzender Rainer Wendt fordert im TV-Sender Phoenix laut Mitteilung des Senders, wenn man in der Auseinandersetzung mit Terrorismus und organisierter Kriminalität eine zentrale Daten- und Informationssteuerung in Europa wolle, müssten "Datenschutzbedenken hinten anstehen".

+++ Frau aus Aachen vermisst. Bei den Anschlägen in Brüssel ist nach Angaben der Polizei möglicherweise eine Frau aus Aachen getötet worden. Die Frau werde vermisst, während ihr Mann mit schweren Verletzungen in ein belgisches Krankenhaus eingeliefert worden sei, teilte die Aachener Polizei am Mittwoch mit. "Es ist nicht auszuschließen, dass sie sich unter den noch nicht identifizierten Opfern des Anschlags befindet."
Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden auch Deutsche verletzt. Aus dem Ministerium hieß es zudem, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Deutsche auch unter den Todesopfern seien.

+++ Bundesanwaltschaft leitet Verfahren ein. Da bei den Anschlägen in Brüssel auch Deutsche verletzt wurden, leitet die Bundesanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein. Es richte sich gegen Unbekannt, hieß es in der Behörde. Konkret zu benennende und noch lebende Tatverdächtige gebe es bislang nicht. Ermittelt werde gegen die unbekannten Täter wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung.

+++ Belgien spielt doch - aber in Portugal. Das zunächst abgesagte Testspiel der belgischen Nationalmannschaft gegen Portugal findet doch statt - allerdings nicht in Brüssel, sondern in Leiria. Darauf einigten sich beide Verbände nach den Terror-Anschlägen vom Dienstag.

+++ "Der Schengen-Raum steht auf dem Spiel" Der französische Premierminister hat am Mittwoch in Brüssel die Forderung nach einem europäischen Sicherheitspakt bekräftigt und ein Aktionsprogramm zum Schutz der europäischen Außengrenzen gefordert. Ein entsprechender Gesetzentwurf liege dem EU-Parlament bereits vor, so Valls. Europa müsse sich angesichts der terroristischen Bedrohung "effektiv wehren können". Die EU-Kommission habe hier verstanden, dass "wir schnell handeln müssen". Valls forderte "eine europäische Antwort auf den Terrorismus". Denn: "Der Schengen-Raum steht auf dem Spiel".

+++ Mehrere Deutsche unter Verletzte. Bei den Terroranschlägen in Brüssel sind auch mehrere Deutsche verletzt worden. Das Auswärtige Amt schloss am Mittwoch auch nicht mehr aus, dass Bundesbürger getötet wurden. Mindestens ein Mann mit deutscher Staatsbürgerschaft erlitt schwere Verletzungen.

+++ 260 Verletzte, 31 Tote. Bei den Anschlägen von Brüssel sind 260 Menschen verletzt worden, 31 Menschen starben. Das sind die Zahlen, die die Staatsanwaltschaft am Mittwochmittag bekanntgab. Allerdings könnten diese sich in den kommenden Tagen noch ändern, da die Forensiker noch "tagelang" an den Tatorten arbeiten würden, hieß es am Mittwochmittag.

+++ Zwei Festnahmen bisher. Im Rahmen der Fahndung nach den mutmaßlichen Attentätern und Drahtziehern der Anschläge gab es in Brüssel zwei Festnahmen, sagte Staatsanwalt Frederic von Leeuw bei einer Pressekonferenz am Mittag. Eine der beiden, im Rahmen von Hausdurchsuchungen festgenommenen Personen ist aber schon wieder auf freiem Fuß. Um wen es sich dabei handelte, dazu machte Leeuw keine weiteren Angaben.

Einer der beiden identifizierten Selbstmordattentäter, Ibrahim el Bakraoui, hat offenbar eine Art Testament hinterlassen. Dieses sei in einem Mülleimer im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek gefunden worden. Darin habe er auch geschrieben, er sei ohnehin zur Fahndung ausgeschrieben und wollen nicht in einer Zelle enden.

Mindestens einer der Flughafen-Attentäter ist noch auf der Flucht. In den Medien ist er bereits als Najim Laachraoui identifiziert worden. Der Staatsanwalt sprach nur von dem "Mann mit dem Hut", da dieser auf dem Bild einer Flughafenüberwachungskamera, das die drei mutmaßlichen Attentäter zeigt, einen schwarzen Hut trägt. Der Mann in der Mitte des Bildes ist Ibrahim el Bakraoui, der Mann links ist noch nicht identifiziert. "Der Mann mit dem Hut" hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft "die größte Bombe" mit in den Flughafen gebracht, die dann allerdings nicht explodierte, sondern später von Spezialisten gezielt gesprengt werden konnte.

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen in Brüssel.
Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen in Brüssel.Foto: AFP

+++ "Weitere Terroristen könnten zu neuen Attentaten schreiten" Bei der gemeinsamen Pressekonferenz der Sicherheitsbehörden und der Staatsanwaltschaft in Brüssel wird noch einmal erläutert, weshalb die Bedrohungsstufe 4 weiter beibehalten wird. Aufgrund der Analyse der Ereignisse der Nacht ist man zu dem Schluss gekommen, dass es nach wie vor ein imminentes, also unmittelbar bevorstehendes Attentatsrisiko gibt. "Es könnte weitere Terroristen geben, die jetzt zu neuen Attentaten schreiten", heißt es.

+++ Staatsanwalt: Brüder el Bakraoui als Selbstmordattentäter identifiziert. Bei einer Pressekonferenz der Brüsseler Staatsanwaltschaft am Mittwochmittag hat Staatsanwalt Frederic von Leeuw von zwei klar identifizierten Attentätern gesprochen. Die Brüder Ibrahim und Khalid el Bakraoui, beide belgische Staatsbürger, konnten anhand von Fingerabdrücken identifiziert werden. Demnach verübte Ibrahim el Bakraoui den Anschlag auf den Brüsseler Flughafen Zaventem mit, sein Bruder Halid das Attentat auf die Brüsseler Metrostation Maelbeek.

Manneken Pis-Figuren stehen am Mittwoch in Brüssel vor der Börse am Place de la Bourse zwischen Fahnen, Kerzen und Blumen.
Manneken Pis-Figuren stehen am Mittwoch in Brüssel vor der Börse am Place de la Bourse zwischen Fahnen, Kerzen und Blumen.Foto: Federico Gambarini/dpa

+++ An die 1500 Transitpassagiere in Behelfsunterkünften. Nach den Terroranschlägen am internationalen Brüsseler Flughafen haben mehr als Tausend Flugpassagiere die Nacht in Behelfsunterkünften verbracht. Etwa 1500 Transitpassagiere seien unter anderem in einer Sporthalle in dem Ort Haasrode sowie einer Turnhalle in Zaventem nahe des Flughafens untergekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Provinzgouverneur Lodewijk De Witte am Mittwoch.

Der Brüsseler Airport soll auch am Donnerstag für Passagierflüge geschlossen bleiben. Die Zahl aller gestrandeten Passagiere dürfte demnach noch höher liegen. Hotels in der belgischen Hauptstadt boten Betroffenen der Terroranschläge kostenlose Zimmer an. Bei den Attentaten auf die Metro und den internationalen Flughafen Zaventem kamen nach offiziellen Angaben mehr als 30 Menschen ums Leben. Etwa 260 wurden verletzt.

+++ Umfassende Grenzkontrollen in Bulgarien. Bulgarien hat als Reaktion auf die Terroranschläge vom Dienstag umfassende Kontrollen an seinen Grenzen eingeführt. Als besonders wichtig gelten die verschärften Kontrollen an den EU-Außengrenzen wie etwa am größten Grenzübergang zur Türkei bei Kapitan Andreewo. An diesem „Tor nach Europa“ werden jetzt die Ausweise aller Einreisenden - auch von EU-Bürgern - überprüft. Auch alle Fahrzeuge würden kontrolliert, berichtete der Fernsehsender bTV am Mittwoch.

Bulgarien hatte an seinem größten Grenzpunkt zur Türkei ähnliche Sicherheitsmaßnahmen auch nach den Attentaten von Paris im November 2015 eingeführt. Auch Bulgariens Grenzen zu Serbien und zu Mazedonien sind EU-Außengrenzen

+++ Berlin trauert: Kondolenzbücher liegen aus In Berlin wehen die Flaggen heute auf Halbmast, zum Gedenken an die Terroropfer in der Partnerstadt Brüssel. In den Kirchen und in der Botschaft wird getrauert. Der Chor der Hedwigs-Kathedrale sang am Dienstagabend spontan ein Kyrie vor der belgischen Botschaft. Und in der Nacht wurde das Büro von Berlins AfD-Chefin Beatrix von Storch beschmiert, nach ihrem fragwürdigen Kommentar zu den gestrigen Anschlägen. Diese und weitere Entwicklungen lesen Sie im Newsblog: Terror in Brüssel und die Folgen in Berlin

+++ "Terror bekämpfen statt Schokolade essen" Der israelische Geheimdienstminister Israel Katz hat nach den Terroranschlägen von Brüssel die Einstellung der Belgier zum militanten Islam kritisiert. „Wenn sie in Belgien weiter Schokolade essen und das Leben genießen (...) und nicht klar feststellen, dass ein Teil der Muslime, die dort leben, Terror organisieren, dann können sie sie auch nicht bekämpfen“, sagte Katz am Mittwoch im israelischen Rundfunk.

„Man muss definieren, wer der Feind ist, wer der Aggressor ist“, sagte Katz. „Wir befinden uns auf dem Höhepunkt eines Kriegs, einer Attacke des radikalen Islams gegen die westliche Kultur, gegen die westlichen Demokratien, zu denen auch Israel gehört.“ Es handele sich um einen „Weltkrieg anderer Art“, sagte der Minister von der rechtsorientierten Regierungspartei Likud.

+++ Kein Länderspiel zwischen Belgien und Portugal. Nach den Terroranschlägen von Brüssel ist das für Dienstag kommender Woche geplante Fußball-Länderspiel zwischen Belgien und Portugal abgesagt worden. Die Stadt Brüssel habe aus Sicherheitsgründen und als Vorsichtsmaßnahme darum gebeten, teilte der belgische Verband am Mittwoch mit.

+++ Angeblich in Syrien gekämpft. Der Unterhändler der syrischen Regierung bei den Friedensverhandlungen, Baschar Dschaafari, sagt, einige der Attentäter von Brüssel hätten in Syrien gekämpft, bevor sie nach Belgien zurückgekehrt seien.

+++ Schweigeminute in Brüssel. In der belgischen Hauptstadt haben sich die Menschen um zwölf Uhr zu einer Schweigeminute versammelt und der Opfer der Anschläge vom Dienstag gedacht.

+++ Festnahme - von wem? Spezialkräfte der Polizei haben nach übereinstimmenden Angaben belgischer Medien am Mittwoch einen Terrorverdächtigen festgenommen. Die Zeitung „La Dernière Heure“ meldete, der Festgenommene sei der mutmaßliche Dschihadist Najim Laachraoui. Der Sender BelRTL bestätigte dies zunächst, schränkte kurz darauf aber ein, andere Quellen widersprächen dem.

Andere Medien meldeten lediglich eine Festnahme, ohne einen Namen zu nennen. Vom Radiosender VRT hieß es, eine gute Quelle bestreite die Festnahme Laachraouis. Die Staatsanwaltschaft kündigte ohne nähere Angaben eine Pressekonferenz an.

Laachraoui wird mit den Attentaten von Paris im November 2015 in Verbindung gebracht und könnte auch an den Anschlägen vom Dienstag beteiligt gewesen sein. Die belgische Polizei hatte den 24-Jährigen am Montag - einen Tag vor den tödlichen Attentaten auf den Flughafen und die U-Bahn - öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben.

Eine Überwachungskamera auf dem Flughafen nahm die mutmaßlichen Selbstmordattentäter Ibrahim el Bakraoui und Najim Laachraoui kurz vor den Anschlägen auf. Nach dem dritten Mann, dessen Identität noch unklar ist, wird gefahndet.
Eine Überwachungskamera auf dem Flughafen nahm die mutmaßlichen Selbstmordattentäter Ibrahim el Bakraoui und Najim Laachraoui kurz...Foto: dpa

+++ Klaus Kinkel will bessere Zusammenarbeit in Europa: Der ehemalige Außenminister Klaus Kinkel fordert im Tagesspiegel, nach den Anschlägen von Brüssel die grenzüberschreitende Kooperation der Sicherheitsbehörden zu verbessern. Außerdem sieht er in der Flüchtlingskrise einen Schlüssel zur Bewältigung von Nationalismus einerseits und Terrorgefahr andererseits. Lesen Sie hier das vollständige Gespräch.

+++ Englische Nationalelf fühlt sich sicher: Vor dem Länderspiel gegen Deutschland am Samstag in Berlin hält das englische Nationalteam an seinen Reiseplänen fest. Das berichten Medien von der Insel. Allerdings soll es vor dem Anpfiff eine Schweigeminute für die Opfer von Brüssel geben.

+++ Weitere Sicherheitskontrollen an Flughäfen? Als Reaktion auf die Anschläge von Brüssel erwägt die EU-Kommission einem Zeitungsbericht zufolge die Einführung von Sicherheitskontrollen, die bereits vor dem Betreten eines Flughafengebäudes stattfinden sollen. "Das macht Sinn, weil dann alle Besucher von Flughäfen schon vor Betreten der Terminals überprüft würden", zitierte die "Welt" vom Mittwoch "hohe Kreise" der Behörde.

In der EU-Kommission sei in diesem Zusammenhang darauf verwiesen worden, dass auch der Moskauer Flughafen Domodewo nach einem Selbstmordanschlag 2011 solche Kontrollen erfolgreich eingeführt habe, heißt es in dem Bericht weiter. "Personenkontrollen vor dem Flughafengebäude führen zu Beeinträchtigungen und Kosten, aber sie können einen positiven Effekt auf die Sicherheit haben und sind machbar."

Der frühere Sicherheitschef des Frankfurter Flughafen-Betreibers Fraport, Volker Zintel, sprach dagegen von einer "Phantomdiskussion". Es gebe nun einmal immer eine Schnittstelle zwischen der Sicherheitskontrolle und dem öffentlichen Bereich, sagte Zintel der "Rhein-Zeitung". Selbst beim Vorziehen der Kontrolle beginne der öffentliche Bereich irgendwo. "Dann stellt sich der potenzielle Attentäter in Zukunft einfach vor das Terminal", sagte Zintel.

+++ Schweigeminute am Mittag in Brüssel: Für den Mittag haben die Behörden in Brüssel eine Schweigeminute angekündigt. Die Regierung hatte am Dienstag bereits Staatstrauer bis zum Donnerstag ausgerufen, landesweit wehen die Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf Halbmast. Auf dem Börsenplatz im Zentrum versammelten sich am Mittwochmorgen wie schon am Dienstag zahlreiche Menschen, um der Opfer zu gedenken. Einige zündeten Kerzen an. Auf dem Boden standen mit Kreide Worte wie "Solidarität", "Wir sind eins" oder "Liebe Brüssel". Auf einem Transparent stand auf Flämisch und Französisch "Wir sind Brüssel". Neben einer belgischen Fahne war "Vereint gegen den Hass" zu lesen.

+++ Zerstörte Metrostation dürfte wochenlang geschlossen bleiben: Die Metrostation Maelbeek soll noch wochenlang geschlossen bleiben. Das sagte der Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur am Mittwoch, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Bei mehreren Explosionen am Flughafen und in der Metro waren am Vortag mindestens 31 Menschen getötet worden, die meisten davon in der Station Maelbeek. Die Brüsseler Verkehrsbetriebe Stib konnten das Ausmaß des Schadens an der Station am Mittwoch noch nicht einschätzen. Die Ermittlungen vor Ort liefen noch, die Mitarbeiter hatten keinen Zugang. Mayeur sprach im Sender Bel RTL von einer „extrem heftigen Explosion“.

+++ Verdächtiger der Brüsseler Flughafen-Anschläge gefasst: Der nach den Bombenanschlägen im Brüsseler Flughafen zur Fahndung ausgeschriebene Najim Laachraoui ist einem Zeitungsbericht zufolge am Mittwoch in der belgischen Hauptstadt gefasst worden. Er soll einer der drei Männer sein, die auf einem Überwachungsvideo des Flughafens zu sehen sind. Die zwei anderen kamen offenbar bei den Selbstmordanschlägen ums Leben. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht.

+++ Spur nach Deutschland: Im Fall der drei mutmaßlichen Attentäter von Brüssel führt offenbar eine Spur nach Deutschland. Wie der Tagesspiegel in Sicherheitskreisen erfuhr, ist der jetzt als „dritter Mann“ gesuchte Terrorverdächtige Najim Laachraoui im vergangenen September in der Bundesrepublik gewesen. Laachraoui sei vermutlich gemeinsam mit Salah Abdeslam, dem Logistiker der Anschläge in Paris am 13. November 2015, von Ungarn aus über Österreich und Deutschland in Richtung Frankreich und Belgien gefahren, heißt es.

Abdeslam habe Laachraoui in Ungarn abgeholt. An der ungarisch-österreichischen Grenze wurden die beiden, die mit falschen Namen unterwegs waren, kontrolliert. Wie lange sich Abdeslam und Laachraoui dann in der Bundesrepublik aufgehalten haben, ist unklar. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass die zwei Männer, die der Terrormiliz IS zugerechnet werden, zumindest durch Bayern gefahren sind.

Nur einen Monat später tauchte Abdeslam nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden in Ulm auf. Dort holte der Franzose drei Männer ab, die in einer Unterkunft für Asylbewerber lebten. Die drei hatten sich als syrische Flüchtlinge ausgegeben. Wohin Abdeslam mit ihnen fuhr, ist offen. Die Behörden wissen auch nicht, ob Laachraoui bei dieser Fahrt ebenfalls an der Seite von Abdeslam in Ulm gewesen ist. Die belgische Polizei hatte Abdeslam vergangenen Freitag in Brüssel festgenommen.

Der 24-jährige Laachraoui gilt als besonders gefährlich. Auf Resten der Sprengstoffwesten, die Attentäter in Paris gezündet hatten, wurden DNA-Spuren von Laachraoui gefunden. Bei den Anschlägen in Brüssel soll er der Mann mit dem Hut gewesen sein, der am Flughafen Zaventem mit zwei weiteren, mutmaßlichen Attentätern von einer Überwachungskamera aufgenommen wurde. Sicherheitskreise vermuten, dass Laachraoui sich nicht, wie die beiden Begleiter, als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hat. Europaweit wird mit Hochdruck nach dem Terrorverdächtigen gefahndet.

Die beschädigte Fassade des Brüsseler Flughafens.
Die beschädigte Fassade des Brüsseler Flughafens.Foto: Laurent Dubrule/dpa

+++ "Stehen vor langer Terrorperiode in Europa" Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, hat nach den Anschlägen von Brüssel vor einer über längere Zeit anhaltenden Terrorgefahr gewarnt. "Wir müssen mit einer langen Terrorperiode rechnen. London, Madrid, Paris, jetzt Brüssel. Auch deutsche Städte werden davon auf Dauer nicht verschont bleiben. Bisher haben wir Glück gehabt", sagte Wendt der Zeitung "Passauer Neue Presse" vom Mittwoch.

Wendt forderte angesichts der Bedrohung, die Kooperation in der EU zu verbessern. "Die EU-Partner und ihre Sicherheitsbehörden müssen noch enger zusammenrücken und zusammenarbeiten. Es gilt den Informationsaustausch zwischen Polizei, Justiz und EU-Behörden zu verbessern. Wir brauchen ein europäisches Abwehrzentrum", sagte er.

Der Polizeigewerkschafter plädierte außerdem dafür, grenzüberschreitende Bewegungen künftig sehr viel genauer zu überwachen. "Wir müssen viel stärker und engmaschiger die Einreisen nach Europa und nach Deutschland kontrollieren. Es gibt auch hierzulande Parallelgesellschaften und Möglichkeiten, um unterzutauchen", sagte er.

+++ Abfertigungshalle in Toulouse wieder offen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete vom Flughafen Toulouse, dass das Hauptgebäude des Airports am frühen Morgen zunächst geräumt wurde, dann aber eine der Abfertigungshallen wieder geöffnet wurde. Offenbar stellte sich ein nicht näher beschriebener "verdächtiger Gegenstand" als nicht gefährlich heraus.

+++ Flüchtiger Terrorverdächtiger auch einer der Drahtzieher von Paris? Der flüchtige Terrorverdächtige vom Brüsseler Flughafen könnte nach belgischen Medienangaben einer der Drahtzieher der Attentate in Paris mit 130 Toten vom 13. November sein. Bei dem gesuchten Verdächtigen, den eine Überwachungskamera am Brüsseler Flughafen aufnahm, könnte es sich nach Angaben des Radiosenders RTBF um den 24 Jahre alten Dschihadisten Najim Laachraoui handeln, wie die Nachrichtenagentur Belga am Mittwoch meldete. Identifiziert seien die beiden Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui, berichtete der Sender.

+++ Flughafen von Toulouse geräumt. Wegen eines verdächtigen Gegenstandes ist am Mittwochmorgen der Flughafen im südfranzösischen Toulouse geräumt worden. Ein Sprecher des Airports bestätigte die Evakuierung. Eine Sprecherin der Präfektur des Départements Haute-Garonne sagte, Grund sei ein verdächtiger Gegenstand, der nun untersucht werde. Das von ihr verwendete französische Wort kann sowohl für ein Gepäckstück als auch für ein Paket stehen.

+++ Flughafen-Attentäter von Brüssel offenbar identifiziert: Die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui sind als die Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen identifiziert worden. Das berichtete der belgische Sender RTBF am Mittwoch.

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Offenbar zwei Attentäter von Brüssel identifiziert

+++ USA warnen vor Gefahren bei Reisen nach Europa: Die US-Regierung warnt ihre Bürger nach den Attentaten vor Gefahren bei Reisen nach Europa. "Terroristische Gruppen planen weiterhin Anschläge in ganz Europa", heißt es in einer Mitteilung des US-Außenministeriums vom Dienstag (Ortszeit). Mögliche Ziele seien Sportveranstaltungen, Touristenattraktionen, Restaurant sowie Busse und Bahnen. Die US-Bürger werden zur Vorsicht aufgerufen, besonders bei Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen und in Zügen und Bussen. "Achten Sie auf Ihre unmittelbare Umgebung und vermeiden Sie Menschenansammlungen", heißt es. Die Warnung gilt zunächst bis zum 20. Juni. Bei den Anschlägen von Brüssel waren mehrere US-Bürger verletzt worden, darunter vier Missionare der Mormonen und ein US-Soldat mit seiner Familie.

+++ Spiele bei Fußball-EM ohne Fans? Wie schon nach den Anschlägen von Paris rückt auch nun der Fußball als potenzielles Ziel von Terroristen wieder in den Blickpunkt. Während die Uefa noch einmal ihre Entschlossenheit unterstrich, alle organisatorischen Vorkehrungen für eine sichere Europameisterschaft im Sommer in Frankreich zu treffen, brachte ein hoher Funktionär auch die Alternative ins Gespräch, Spiele ohne Fans stattfinden zu lassen. Man könne die Möglichkeit nicht ausschließen "hinter verschlossenen Türen zu spielen", zitieren der britische "Guardian" und CNN übereinstimmend Giancarlo Abete, Vize-Präsident des Uefa-Exekutivkomitees. Auch die deutsche Nationalmannschaft sieht sich wieder mit dem Terror konfrontiert. Am Samstag soll im Berliner Olympiastadion ein Freundschaftsspiel gegen England stattfinden. Innensenator Frank Henkel betont in diesem Zusammenhang im Tagesspiegel-Interview die Anstrengungen der Behörden für eine bestmögliche Sicherheit rund um die Begegnung.

Auf dem Börsenplatz in Brüssel haben sich am Dienstagabend Menschen versammelt, um gemeinsam zu trauern.
Auf dem Börsenplatz in Brüssel haben sich am Dienstagabend Menschen versammelt, um gemeinsam zu trauern.Foto: Christophe Petit Tesson/dpa

+++ Deutsche Bahn nimmt Fernverbindungen wieder auf: Die Deutsche Bahn hat den Fernverkehr von und nach Brüssel am Mittwoch wieder aufgenommen. Das betrifft die ICE-Verbindung der Linie 79 zwischen Frankfurt/Main und der belgischen Hauptstadt genauso wie den Thalys der Linie 80, der zwischen Essen, Köln, Brüssel und Paris verkehrt. Der Flughafen in Brüssel bleibt hingegen den ganzen Mittwoch über geschlossen. Im Laufe des Tages soll darüber befunden werden, wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Viele Beschäftigte im Zentrum der Europäischen Union sind auch deshalb davon betroffen, weil sie über die Ostertage in die Heimat reisen wollen. Hinweise zum Reiserecht finden Sie hier.

+++ Sondertreffen der EU-Innenminister geplant: Zu den Terroranschlägen von Brüssel soll es in Kürze ein Sondertreffen der für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister geben. Wie die niederländische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte, könnte es bereits an diesem Donnerstag organisiert werden. Belgien habe um ein Treffen gebeten, erklärte der für Sicherheit und Justiz zuständige niederländische Minister Ard van der Steur. Ein ähnliches Sondertreffen hatte es nach den Anschlägen von Paris im vergangenen November gegeben.

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(mit dpa, AFP, rtr)