• Newsblog zum Terror in Europa: Zwei Attentäter von Paris in Griechenland als Flüchtlinge registriert

Newsblog zum Terror in Europa : Zwei Attentäter von Paris in Griechenland als Flüchtlinge registriert

Bereits 793 Hausdurchsuchungen und 107 Festnahmen in Frankreich seit den Anschlägen in Paris. EU-Innenminister einigen sich auf härteres Vorgehen im Anti-Terror-Kampf. Lesen Sie hier die Ereignisse des Freitags nach.

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Der Attentäter, der am Stade de France zuerst seine Sprengstoffweste zündete, war am 3. Oktober mit einem Pass unter dem Namen Ahmad Al-Mohammad in Griechenland als Flüchtling registriert worden.
Der Attentäter, der am Stade de France zuerst seine Sprengstoffweste zündete, war am 3. Oktober mit einem Pass unter dem Namen...Foto: dpa

+++Dritte Leiche in gestürmter Wohnung in Saint-Denis entdeckt+++Terroralarm in mehreren Städten+++EU-Minister verschärfen Grenzkontrollen+++

Weitere Hintergründe und Analysen zum Anschlag in Paris können Sie hier auf unserer Sonderseite lesen.

23:51 Uhr - Mann zündete Sprengstoffweste, nicht Abaaouds Cousine

Die französischen Ermittler haben neue Erkenntnisse zu der in Saint-Denis getöteten Cousine Abdelhamid Abaaouds: Die 26-jährige Hasna Aitboulahcen sei nicht durch die Zündung einer Sprengstoffweste gestorben, verlautete am Freitag aus Polizeikreisen. Bei dem Selbstmordattentäter in der Wohnung handelte es sich demnach um einen Mann, der bislang nicht identifiziert wurde. Seine Leiche war ebenfalls so stark entstellt, dass die Ermittler ihn zunächst für eine junge Frau gehalten hatten. Aitboulahcen war zunächst für die erste Selbstmordattentäterin auf europäischem Boden gehalten worden. Sie starb allerdings auch in der Wohnung: In der Nacht zum Freitag wurde eine dritte Leiche gefunden, bei der es sich tatsächlich um eine Frau handelte und die später als Aitboulahcen identifiziert wurde.

23:30 Uhr - Merkel trifft am kommenden Mittwoch Hollande in Paris

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reist am kommenden Mittwoch zu einem Treffen mit dem französischen Präsidenten François Hollande nach Paris, um bei einem "informellen Abendessen" über die "Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus" zu beraten, wie ein Sprecher der deutschen Botschaft in Paris sagte. Hollande wird am Tag zuvor in Washington US-Präsident Barack Obama treffen und reist am Donnerstag zu einem Gespräch mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin nach Moskau.

22:32 Uhr - Drahtzieher Abaaoud offenbar direkt an Anschlägen beteiligt

Der als Drahtzieher geltende Islamist Abdelhamid Abaaoud war offenbar direkt an den Anschlägen von Paris beteiligt. Auf einer Kalaschnikow, die bei der Angriffsserie benutzt worden war, wurden Spuren des inzwischen getöteten Belgiers gefunden, wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitagabend aus Ermittlerkreisen erfuhr. Abaaoud wurde zudem am Abend des Anschlags gegen 22 Uhr von einer Überwachungskamera an der Metro-Station Croix de Chavaux im Vorort Montreuil gefilmt. In dem Ort war nach den Anschlägen ein schwarzer Seat gefunden worden. Diesen nutzten die Angreifer bei der Attacke auf eine Reihe von Bars und Restaurants in Paris. In dem Auto befanden sich drei Kalaschnikows. Die Spuren auf einer der Waffen stützen die These, dass Abaaoud einer dieser Angreifer war.

21:54 Uhr - Zweiter Attentäter von Paris reiste über Griechenland ein

Zwei der Pariser Selbstmordattentäter sind nach Erkenntnissen der Pariser Staatsanwaltschaft am 3. Oktober zusammen auf der griechischen Insel Leros kontrolliert worden. Der Nachweis für den zweiten Attentäter sei mit Hilfe der Fingerabdrücke gelungen, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitagabend mit. Bereits Anfang der Woche war ebenfalls durch einen Abgleich der Fingerabdrücke der Nachweis gelungen, dass ein anderer Attentäter am 3. Oktober auf Leros kontrolliert wurde. Die Ermittler konnten mit den Fingerabdrücken lediglich belegen, dass die beiden Attentäter in Leros kontrolliert wurden. Nicht geklärt ist ihre Identität. Der Attentäter, der sich am 13. November um 21.30 Uhr am Eingang H zum Stade de France in die Luft sprengte, trug nach Angaben aus Ermittlerkreisen einen syrischen Pass auf den Namen Mohammad al-Mahmod bei sich. Der zweite Attentäter, der sich um 21.20 Uhr am Eingang D des Stadions in die Luft sprengte, hatte einen syrischen Pass mit dem Namen Ahmad al-Mohammad. Dieser Pass gehört zu einem syrischen Soldaten der Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad, der vor mehreren Monaten getötet wurde. Aus französischen Ermittlerkreisen hieß es, die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verfüge über "authentische ungenutzte Reisepässe". Diese würden eingesetzt, um gezielt Menschen in den europäischen Schengen-Raum einzuschleusen.

20:49 Uhr - "Alles Menschenmögliche für sicheres Spiel getan"

Nach einer Schweigeminute und kollektivem Beifall hat die Bundesliga-Partie des HSV gegen den BVB begonnen. Zuerst gedachten Mannschaften und Zuschauer der Opfer des Terrors in Paris. Danach verabschiedeten sie den verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt mit Applaus. Nach Ansicht von Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer hat der HSV größtmögliche Sicherheitsvorkehrungen für die Begegnung getroffen. „Wir haben alles Menschenmögliche dafür getan, dass wir unseren Zuschauern und auch den Gästen aus Dortmund ein sicheres Spiel zeigen können“, sagte Beiersdorfer am Sky-Mikrofon kurz vor dem Anpfiff. „Die Polizei hat gesagt, es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass was passieren kann“, sagte Beiersdorfer. Es sei aber schon ein bisschen ein anderes Spiel. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte, er fühle sich absolut sicher.

20:35 Uhr - Anpfiff um 15 Minuten verschoben

Wegen der Verkehrssituation rund um die Arena und der strengen Kontrollen beim Einlass verzögert sich der Beginn des Spiels Hamburger SV gegen Borussia Dortmund. 57.000 Fans müssen überprüft werden. Der Oberrang des Stadions ist noch weitgehend leer. Deshalb soll die Partie erst um 20.45 Uhr angepfiffen werden. Den sportlichen Teil können Sie in unserem Liveticker verfolgen.

Strenge Kontrollen am Volksparkstadion vor Hamburg gegen Dortmund.
Strenge Kontrollen am Volksparkstadion vor Hamburg gegen Dortmund.Foto: Reuters

20:10 Uhr - Große Sicherheitsvorkehrungen vor HSV gegen Borussia Dortmund

In wenigen Minuten, um 20.30 Uhr nämlich, beginnt in Hamburg der 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Mit großem personellen Aufwand setzt der Hamburger SV die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund um. Drei Tage nach der Länderspiel-Absage wegen Terrordrohungen in Hannover wurden alle Besucher sorgfältig abgetastet. Der HSV hatte die Anzahl der Ordnungskräfte von 450 auf etwa 600 erhöht. Sprengstoffhunde suchten wie bei jedem Heimspiel zweimal (am Donnerstag und Freitag) nach Sprengstoff und Pyrotechnik - auch unter den Trainerbänken am Spielfeldrand. HSV-Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer hatte an die Fans appelliert, keine Knaller oder Böller ins Stadion mitzubringen. Die Flaggen vor dem Volksparkstadion waren zu Ehren der Opfer von Paris auf Halbmast gehisst. Auch wegen des parallel stattfindenden Konzerts der deutschen Band Unheilig in der benachbarten Barclaycard-Arena gab es große Staus um den Volkspark.

19:56 Uhr - Toys „R“ Us nimmt in Frankreich einige Spielzeugwaffen aus Regalen

Nach den Terroranschlägen von Paris will die US-Spielwarenkette Toys „R“ Us in Frankreich mehrere Spielzeugwaffen nicht mehr in ihren Läden anbieten. Die französischen Filialen seien angewiesen worden, 23 Modelle aus den Regalen zu nehmen, die für echte Waffen gehalten werden können, bestätigte die Kette dem Sender France Info zufolge am Freitag. Die Entscheidung sei als Folge der Attentate vor einer Woche in Paris mit 130 Toten getroffen worden. Die Anweisung betreffe 48 Filialen der Kette in Frankreich.

15:30 Uhr - Große Koalition mit Russland

Im Syrien-Konflikt treibt der russische Präsident Wladimir Putin seine Pläne einer internationalen Koalition voran. Putin treffe sich am 23. November in Teheran mit seinem iranischen Amtskollegen Hassan Ruhani und am 24. November in Moskau mit dem jordanischen König Abdullah II., sagte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow am Freitag in Moskau. Mit dem französischen Präsidenten François Hollande will der Kremlchef am 26. November in Moskau über einen gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terror beraten.

Das Hauptaugenmerk gelte der Koordination von Angriffen auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien, betonte Uschakow. Über den Anti-Terror-Kampf wolle Putin auch mit Benjamin Netanjahu sprechen. Ein Treffen mit dem israelischen Regierungschef sei am Rande der UN-Klimakonferenz in Paris am 30. November geplant. Vorgesehen sei auch ein Russland-Besuch von König Salman von Saudi-Arabien, für den es noch keinen Termin gebe, sagte Uschakow. Putin spreche zudem mit dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko über Moskaus Pläne, im Nachbarland einen Luftwaffenstützpunkt zu errichten. Der Staatschef der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik komme am 26. November nach Moskau.

In Paris wurden die Sicherheitsmaßnahmen nochmals verstärkt.
In Paris wurden die Sicherheitsmaßnahmen nochmals verstärkt.Foto: AFP

14:40 Uhr - Zwischenbilanz aus Frankreich
In Frankreich werden die Ermittlungen nach den Terroranschlägen von Paris weiter mit Hochdruck vorangetrieben. Seit den Attentaten am 13. November gab es 793 Hausdurchsuchungen, wie Innenminister Bernard Cazeneuve am Freitag mitteilte. 107 Personen wurden demnach vorläufig festgenommen, 90 von ihnen kamen in Polizeigewahrsam. 164 Menschen seien unter Hausarrest gestellt worden. 174 Waffen wurden demnach beschlagnahmt. Insgesamt seien 250 000 Euro sichergestellt worden. Allein in der vergangenen Nacht erfolgten den Angaben des Ministeriums zufolge 182 Hausdurchsuchungen. 20 Menschen wurden festgenommen und 76 Waffen sichergestellt.

14:05 Uhr - Wie sieht's in Hannover aus?
Unser Sicherheitsexperte Frank Jansen hat nochmals recherchiert, wie konkret die Terrorwarnung am Abend des Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover wirklich war und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Seinen Text können Sie hier nachlesen.

13:30 Uhr - Neue Details vom EU-Treffen:

Nach den Anschlägen von Paris haben sich die EU-Staaten auf eine dauerhafte Verschärfung der Kontrollen an Europas Außengrenzen geeinigt. Alle Regierungen würden die Forderung mittragen, auch EU-Bürger systematisch eingehenden Kontrollen bei der Ein- und Ausreise an den Grenzen des Schengenraums zu unterziehen, sagten Diplomaten mehrerer Mitgliedstaaten am Freitag übereinstimmend beim Sondertreffen der EU-Innen- und Justizminister in Brüssel. Demnach fordern die Minister die EU-Kommission auf, einen Vorschlag vorzulegen, damit die Bestimmungen im Schengener Grenzkodex entsprechend geändert werden können. Dem Schengenraum gehören 22 der 28 EU-Staaten an sowie Norwegen, Island, die Schweiz und Liechtenstein. Innerhalb des Gebiets gibt es normalerweise keine Grenzkontrollen.

Thomas de Maizière und sein französischer Kollege  Bernard Cazeneuve (links).
Thomas de Maizière und sein französischer Kollege Bernard Cazeneuve (links).Foto: dpa

12:45 Uhr - EU-Minister für härteres Vorgehen

Eine Woche nach den Anschlägen von Paris wollen die EU-Innen- und Justizminister Europas Kampf gegen gewaltbereite Extremisten verstärken. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve sagte am Freitag in Brüssel, die EU habe im Antiterror-Kampf "zu viel Zeit" verloren. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte an, Europa werde "hart und klar" reagieren, lehnte aber die Schaffung eines eigenen EU-Geheimdienstes ab. Das von Frankreich beantragte Sondertreffen müsse nun "die Entscheidungen treffen, die geboten sind", sagte Cazeneuve.

Er verwies dabei auf die geplante Schaffung eines europäischen Fluggastdatenregisters und ein stärkeres Vorgehen gegen den Waffenschmuggel, "der Ursache für eine große Zahl von Terrorakten ist". Darüber hinaus verlangte Cazeneuve schärfere Kontrollen sowohl an den EU-Außengrenzen als auch an den Übergängen zwischen den Mitgliedstaaten. Geplant sind systematische Kontrollen mit einem Abgleich über Polizeidatenbanken auch für EU-Bürger an den Außengrenzen, wie aus dem Entwurf der Abschlusserklärung hervorgeht.

12:35 Uhr - Orban spricht von "verstreutem Terrorismus"

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat die von der Europäischen Union (EU) beschlossenen Quoten für die Verteilung von Asylsuchenden in Zusammenhang mit dem Terrorismus gestellt. „Die Quotenregelung verstreut nur den Terrorismus über Europa“, erklärte der rechtskonservative Politiker am Freitag in seinem regelmäßigen Rundfunk-Interview.  Eine Woche nach den Pariser Anschlägen mit 129 Toten sagte Orban: „Offensichtlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Einwanderung und dem Terrorismus. Darüber braucht man nicht zu debattieren, das ist eine Tatsache.“ Weitere Erläuterungen gab er dazu nicht.

Europas Spitzenpolitiker hätten in der Flüchtlingspolitik versagt. „Sie haben diese Volksmassen kontinuierlich eingelassen, ja sie selbst haben sie angeliefert“, führte er aus.  Dies würde zum Erstarken der extremistischen Kräfte in der Politik führen. „Wir, als Gemäßigte, dürfen die Thematik nicht den Radikalen überlassen“, sagte Orban. Der ungarische Regierungschef hatte zu Jahresbeginn eine Kampagne gegen Flüchtlinge in Auftrag gegeben. Mit Zäunen an den Grenzen zu Serbien und Kroatien lenkte er die Flüchtlingswanderung, die monatelang durch Ungarn verlief, nach Kroatien und Slowenien um.

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