• Newsblog zur Flüchtlingskrise : Ungarn bereitet wohl Schließung der Grenze zu Kroatien vor

Newsblog zur Flüchtlingskrise : Ungarn bereitet wohl Schließung der Grenze zu Kroatien vor

Rumänien hat zwei Not-Aufnahmezentren für Flüchtlinge eingerichtet. Ungarn bereiter offensichtlich die Schließung der Grenze bei Beremend vor. Beim Zusammenstoß einer Fähre mit einem Flüchtlingsboot sind mindestens 13 Flüchtlinge ertrunken. Die wichtigsten Ereignisse des Tages im Newsblog.

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Am Samstag waren nach Angaben des österreichischen Innenministeriums 11.000 Flüchtlinge in Österreich eingetroffen. Auch am Sonntag hat sich der Andrang von Flüchtlingen fortgesetzt.
Am Samstag waren nach Angaben des österreichischen Innenministeriums 11.000 Flüchtlinge in Österreich eingetroffen. Auch am...Foto: dpa

USA wollen 2017 mindestens 100 000 Flüchtlinge aufnehmen: Die USA wollen 2017 mindestens 100 000 Flüchtlinge aus der ganzen Welt bei sich aufnehmen. Das kündigte US-Außenminister John Kerry am Sonntag nach einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier (SPD) an. Zuletzt holten die Vereinigten Staaten 70 000 Menschen ins Land, im kommenden Haushaltsjahr, das jeweils im Oktober beginnt, sollen es 85 000 sein. Kerry betonte, er würde gerne mehr ankündigen. Jedoch hätten die USA zu wenig Personal, um die nötigen Sicherheitsüberprüfungen durchzuführen. „Wir tun das, was wir kurzfristig leisten können.“ Aus Syrien dürfen ab Oktober 10 000 Flüchtlingen einreisen. Mit Blick auf die Syrien-Krise betonte Kerry, sein Land wolle das Problem an der Wurzel packen. Es könne aber nur eine politische Lösung geben. Steinmeier sagte, nach fünf Jahren Bürgerkrieg mit vielen Toten und Millionen Flüchtlingen sei klar: „Wir fühlen und empfinden die politische und moralische Pflicht, dem Töten in Syrien ein Ende zu setzen.“ Für einen neuen diplomatischen Anlauf müssten auch die Türkei, Saudi-Arabien, der Iran und Russland für eine gemeinsame Haltung gewonnen werden.

Ungarn bereitet wohl Schließung der Grenze zu Kroatien vor: Ein Reuters-Kameramann berichtet, dass Ungarn offensichtlich die Schließung der Grenze bei Beremend vorbereitet. Bautrupps rammen drei Meter hohe Zaunpfähle in den Boden und errichten ein Tor am Übergang. Über den Grenzübergang hat Kroatien in den vergangenen Tagen ohne Absprache Tausende Flüchtlinge nach Ungarn abgeschoben, was zu scharfen Protesten des EU-Nachbarlandes geführt hat. Aus dem kroatischen Grenzort Beli Monastir sind noch weitere Busse mit Migranten unterwegs nach Beremend.

Rumänien baut Not-Aufnahmezentren an Grenze zu Serbien: Rumänien hat zwei Not-Aufnahmezentren für Flüchtlinge nahe der serbischen Grenze in den Orten Lunga und Stamora Moravita eingerichtet. Außerdem hätten die zuständigen Beamten eine Übung für den Umgang mit einem Massenandrang von Migranten abgehalten, teilt das rumänische Innenministerium mit. Rumänien spüre zwar keinen unmittelbaren Andrang von Flüchtlingen, sagt der stellvertretende Ministerpräsident Gabriel Oprea. Aber es sei nötig, die Fähigkeiten zu testen, um auf eine dynamische Entwicklung der Lage vorbereitet zu sein.

Geplante Flüchtlingsunterkunft bei Rostock angezündet: Ein zur Unterbringung von Flüchtlingen geplantes Mehrfamilienhaus im Landkreis Rostock ist am Sonntag angezündet worden. Ob das derzeit unbewohnte Haus an einer Bundesstraße bei Laage weiterhin als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden kann, sei derzeit noch unklar, teilte die Polizei am Sonntag mit. Auf dem Dachboden des Hauses brannte eine etwa zwei mal zwei Meter große Fläche. Der Staatsschutz ermittelt wegen eines potenziell fremdenfeindlichen Hintergrundes. Ende August hatte der Landkreis Rostock laut Polizei in einer Bürgerversammlung über den geplanten Umbau zur Flüchtlingsunterkunft informiert.

Gabriel lehnt de Maizieres Vorschlag für Asyl-Kontingente ab: Vize-Kanzler Sigmar Gabriel hat Forderungen von Innenminister Thomas de Maiziere nach einer europäischen Deckelung des Asylrechts zurückgewiesen. "Das ist keine Lösung, Kontingente für Asylbewerber einzurichten", sagte der SPD-Vorsitzende und Wirtschaftsminister in einem ARD-Interview, das am Sonntagabend ausgestrahlt werden sollte. Der Vorschlag widerspreche der deutschen Verfassung und sei das Gegenteil dessen, was Kanzlerin Angela Merkel ausgesagt habe. Rücktrittsforderungen aus seiner Partei an die Adresse des CDU-Ministers de Maiziere lehnte Gabriel allerdings ab. "Ich halte das alles für Quatsch", sagte er. Keine Mensch habe sich auf den immensen Zustrom der Flüchtlinge vorbereitet, und niemand dürfe den Bürgern nun eine rasche Bilderbuchlösung versprechen. "Daraus jetzt ein parteipolitisches Spielchen zu machen, wo wir mit dem Finger aufeinander zeigen - das ist das letzte, was wir in Deutschland brauchen." Gabriel mahnte de Maiziere jedoch zur Eile bei der Aufstockung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Die Behörde brauche dringend mehr Mitarbeiter, um die Asylverfahren zu beschleunigen. "Das ist schon vor einem halben Jahr verabredet worden, leider immer noch nicht umgesetzt", kritisierte er. "Ich glaube, dass wir da endlich vorankommen müssen."

Mehr als 20.000 Flüchtlinge treffen in Österreich ein: In Österreich sind am Wochenende erneut Zehntausende Flüchtlinge eingetroffen. Von Samstagfrüh bis Sonntagmittag strömten nach Polizeiangaben über 22.000 Menschen vor allem aus Ungarn in die Alpenrepublik. Am Sonntag kamen bis zum frühen Nachmittag 10.700 Menschen im Burgenland an, das waren mehr als am gesamten Vortag. Damit könnten in den nächsten Tagen auch wieder mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ihrem österreichischen Kollegen Werner Faymann bei dessen Besuch am Dienstag zugesagt, Deutschland werde sich solidarisch verhalten, wenn das Nachbarland Probleme mit der Aufnahme von Flüchtlingen bekomme. In den vergangenen Tagen hatte der Flüchtlingszustrom vorübergehend nachgelassen, nachdem Ungarn am Dienstag die Grenze zu Serbien mit einem Zaun dichtgemacht hatte. Danach bahnten sich Zehntausende Flüchtlinge ihren Weg aus Serbien über Kroatien und Slowenien. Kroatien bringt die Migranten an die Grenze zu Ungarn, das sie dann in Auffanglager nahe der österreichischen Grenze transportiert.

Bischof von Canterbury gewährt Asyl: Der Erzbischof von Canterbury, Oberhaupt der anglikanischen Weltkirche und der Kirche von England, hat Flüchtlingen aus Syrien Unterschlupf in seiner Londoner Residenz angeboten. Eine Vierzimmer-Wohnung in einem zum Lambeth Palace im Zentrum von London gehörigen Cottage stehe für Flüchtlinge bereit, sagte ein Sprecher der Kirche von England. Erzbischof Justin Welby habe über das Angebot bereits seit längerer Zeit nachgedacht. „Der Erzbischof sagt, auch Jesus war ein Flüchtling“, betonte der Sprecher. Es gebe Flüchtlinge aus Kriegsgebieten, die verzweifelt nach einem Unterschlupf suchten. Welby wolle ein Signal setzen.

Flüchtlinge übertreten österreichische Grenze: Die Polizei an der südlichen Grenze Österreichs ist kaum in der Lage, Flüchtlinge am Grenzübertritt zu hindern. Eine Gruppe von etwa 100 Migranten überquerte Sonntag den österreichisch-slowenischen Grenzübergang Spielfeld. „Sie sind so massiv aufgetreten, dass wir sie nicht zurückhalten konnten“, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei hatte die Flüchtlinge zuvor zurückgewiesen, da sie weder Reisedokumente hatten noch Asylersuchen vorbrachten.


Zusammenstoß auf dem Mittelmeer: Beim Zusammenstoß einer Fähre mit einem Schlauchboot mit 46 Flüchtlingen an Bord sind am Sonntag vor der türkischen Küste mindestens 13 Flüchtlinge ertrunken, 13 weitere wurden noch vermisst. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Dogan war das Boot auf dem Weg von Canakkale zur griechischen Insel Lesbos. Unter den Toten waren demnach auch sechs Kinder, heißt es in Kreisen der türkischen Küstenwache. 20 weitere Insassen konnten geborgen werden. Welcher Nationalität die Menschen waren, blieb zunächst unklar.
Es ist bereits das zweite Unglück in der Ägäis binnen weniger Stunden. Zuvor war ein Boot mit vermutlich 46 Flüchtlingen kurz vor Lesbos in Schwierigkeiten geraten und gesunken (siehe weiter unten).

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