NSA-Skandal : Inwiefern kooperierte Microsoft mit dem Geheimdienst?

Microsoft soll nach Angaben des Whistleblowers Edward Snowden besonders eng mit dem US-Geheimdienst NSA kooperiert haben. Was wird dem Unternehmen konkret vorgeworfen?

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Auf Twitter wurde am Freitag über ein kleines Youtube-Video gewitzelt. „Einige persönliche Informationen teilt man gerne online, andere nicht“, heißt es in dem Spot von Microsoft, der den Titel „Your Privacy is our Priority – Ihre Privatsphäre ist unsere Priorität“ trägt. Doch für das US-Unternehmen, dessen Windows nach wie vor das meistgenutzte PC-Betriebssystem ist, gelten offenbar ganz andere Prioritäten. Nach neuesten Unterlagen, die Ex-NSA-Mitarbeiter Snowden dem britischen „Guardian“ zur Verfügung stellte, hat Microsoft im großen Umfang dabei kooperiert, dem US-Geheimdienst NSA Zugang zu seinen Produkten zu verschaffen. „Manche mögen das willfährig nennen, aber wir folgen nur der Gesetzeslage“, sagte ein Sprecher von Microsoft Deutschland dem Tagesspiegel. Kundendaten seien nur „im Rahmen eines rechtlichen Verfahrens“ herausgegeben worden. „Blankoanfragen, wie sie in den letzten Wochen in der Presse diskutiert wurden, würden wir nicht bearbeiten.“

Laut Guardian: NSA hat unbeschränkten Zugriff auf den Mail-Dienst Outlook.com

Dem „Guardian“ zufolge hat die NSA hingegen unbeschränkten Zugriff auf die Mail-Dienste Outlook.com, Live und Hotmail. Auch verschlüsselte Mails seien betroffen gewesen, da die NSA darauf vor der Online-Verschlüsselung habe zugreifen können. Zudem habe Microsoft die NSA dabei unterstützt, das verschlüsselte Chat-Programm in Outlook.com zu umgehen. Microsoft soll zudem mit dem FBI zusammengearbeitet haben, um der NSA einen einfacheren Zugang zum Cloud-Service SkyDrive zu gewähren. 250 Millionen Microsoft-Kunden speichern dort ihre Daten. Auch der wegen seiner guten Verschlüsselung bekannte Videotelefonie- Dienst Skype, den Microsoft 2011 gekauft hat, stellte demnach für den US-Geheimdienst kein Hindernis dar. Seit einem Jahr soll die NSA einen Komplettzugang zu Skype haben. Weltweit nutzen rund 660 Millionen Menschen den Dienst.

Microsoft dementiert die Vorwürfe

Microsoft bietet keiner Regierung unbeschränkten oder direkten Zugriff auf SkyDrive, Outlook.com, Skype oder andere Produkte aus unserem Haus“, hält das Unternehmen dagegen. Es wird aber zugegeben, dass Microsoft bei der Aktualisierung seiner Produkte in einigen Fällen sicherstellen muss, „bei berechtigten Anordnungen von Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden Kundendaten zur Verfügung zu stellen“. Der deutsche Sprecher hofft darauf, all das offener besprechen zu können. „Deshalb haben wir uns für zusätzliche Transparenz, die jedem helfen würde, diese wichtigen Fragen zu verstehen und zu diskutieren, massiv eingesetzt.“

Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar wies deutsche Microsoft- Nutzer darauf hin, dass sie möglicherweise von der NSA ausgespäht werden können. US-Gesetze erlaubten den Zugriff auf Kommunikationsdaten von Ausländern „in sehr breitem Umfang“ ohne richterliche Genehmigung.

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