NSA-Skandal : Verschlüsselter E-Mail-Dienst zur Schließung gezwungen

Ein vermutlich auch von dem amerikanischen Ex-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden genutzter verschlüsselter E-Mail-Service hat abrupt seinen Dienst eingestellt. Anlass dafür sind möglicherweise ein Rechtsstreit und Versuche der US-Behörden, Zugriff auf die Kundendaten zu erlangen.

1. August: Nachdem sich Edward Snowden mehr als einen Monat im Transitbereich eines Moskauer Flughafens aufgehalten hatte, reiste er offiziell nach Russland ein. Ihm wurde Asyl für ein Jahr gewährt.
1. August: Nachdem sich Edward Snowden mehr als einen Monat im Transitbereich eines Moskauer Flughafens aufgehalten hatte, reiste...Foto: Reuters

Ein verschlüsselter E-Mail-Dienst, den der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zur Kommunikation genutzt haben soll, ist offenbar auf Druck der US-Behörden zur Schließung gezwungen worden. Der Besitzer des E-Mail-Dienstes Lavabit, Ladar Levison, erklärte auf seiner Webseite am Donnerstag, er habe sich nach langer Überlegung zur Einstellung seines Dienstes entschieden. Entweder er kehre „fast zehn Jahren harter Arbeit“ den Rücken oder er werde zum Komplizen „von Verbrechen gegen das amerikanische Volk“, schrieb Levison.

Edward Snowden harrt in Russland aus

Lavabit war in die Schlagzeilen geraten, nachdem berichtet worden war, dass Snowden den Dienst während der Zeit, die er auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo feststeckte, zur Kommunikation nutzte. Snowden hatte mit Enthüllungen zur flächendeckenden Überwachung der Internet- und Telefonkommunikation durch den US-Geheimdienst NSA den Zorn der US-Regierung auf sich gezogen. Am 1. August gewährte ihm Russland vorläufiges Asyl. Derzeit hält er sich an einem unbekannten Ort in Russland auf.

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Lavabit-Schließung: Genaue Details unklar


Levison beklagt in seiner Mitteilung, er könne keine Details zu den Ursachen der Einstellung von Lavabit mitteilen. „Wie die Dinge derzeit liegen, kann ich meine Erfahrung der letzten sechs Wochen nicht teilen, obwohl ich zwei Mal die nötigen Anträge gestellt habe“, schrieb Levison.

Einzigartiger Vorfall

Es handele sich um einen seltenen und vielleicht sogar einzigartigen Fall, dass ein US-Unternehmen lieber seine Tätigkeit einstelle als einer Bitte von US-Behörden zur Herausgabe von Informationen nachzugeben, sagte Kurt Opsahl, ein Anwalt der Bürgerrechtsgruppe Electronic Freedom Foundation in San Francisco. Ihm sei kein Fall bekannt, wo ein Anbieter sich entschlossen habe, unter diesen Umständen seinen Dienst einzustellen.

Auch der Dienst Silent Circle vernichtete seine Daten

Wenige Stunden später folgte auch der ähnliche Dienst Silent Circle aus dem US-Staat Maryland seinem Vorbild. Alle Daten seien bereits vernichtet worden, sagte der Chef von Silent Circle, Mike Janke, der „New York Times“ im Gespräch. „Wir dachten, es sei besser, Kritik von Kunden zu bekommen, als gezwungen zu werden, sie auszuhändigen.“ Silent Circle habe zwar noch noch keine Durchsuchungs-Befehle oder andere Anfragen bekommen, wollte aber gerade deswegen handeln, solange es noch rechtlich möglich war.

Das US-Recht erlaubt es den Sicherheitsdiensten, Firmen zu verpflichten, dass sie die ihnen erteilten Anweisungen nicht öffentlich machen. Lavabit war vor zehn Jahren in Texas als Dienst gestartet, der die sichere Kommunikation per E-Mail ermöglicht. (Afp, Reuters,dpa)

Zum Artikel der New York Times gelangen Sie hier.

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