NSU-Mordserie : SPD will Blick auf Rassismus schärfen

Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy hat sich dafür ausgesprochen, als Konsequenz aus der NSU-Mordserie Ermittler künftig zur Berücksichtigung möglicher rassistischer Motive zu verpflichten, wenn Angehörige von Minderheiten Opfer schwerer Gewalttaten werden.

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Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat (l), und der Vorsitzende des Bundestags-Untersuchungsausschusses  zu den NSU-Morden, Sebastian Edathy (SPD) äußern sich auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat (l), und der Vorsitzende des...Foto: dpa

Berlin - Edathy, der Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag ist, begrüßte am Donnerstag einen entsprechenden Vorschlag von Barbara John, der Ombudsfrau für die Opfer und Hinterbliebenen der NSU-Morde. Er selbst habe bis vor einem Jahr an die Formel geglaubt, dass „in alle Richtungen ermittelt“ werde. Bei den rechtsterroristischen Morden sei dies allerdings immer nur in eine Richtung gegangen, sagte Edathy. Es gebe da ein Struktur- und Mentalitätsproblem, das sich mit besserer Koordination der Dienste nicht lösen lasse.

Dass die Morde alle auf das Konto einer Zelle von Rechtsextremen gingen, war vor genau einem Jahr entdeckt worden. Während einer Pressekonferenz mit John und dem Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde (TGD), Kenan Kolat, zeigte sich Edathy zugleich zuversichtlich, dass der NSU-Ausschuss bis Sommer 2013 einen Abschlussbericht vorlegen könne. Die skeptische Nachfrage von Ibrahim Arslan, dessen Großmutter Bahide vor 20 Jahren beim Brandanschlag in Mölln starb, beantwortete Edathy mit den Worten: „Ich kann nicht versprechen, dass wir alles lückenlos aufklären. Aber wir werden alles dafür tun.“

Die Spur der Neonazi-Mörder
November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht sich die Bundesrepublik erstmals seit der Wiedervereinigung mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Schnell ist die Rede vom Jenaer Neonazi-Trio um Beate Z. (36), Uwe B. (34) und Uwe M. (38). Ihre Spur lässt sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen.
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John wies darauf hin, dass Politiker derzeit durchaus ehrlich Änderungen in den Sicherheitsapparaten versprächen: „Es müsste der Politik aber auffallen, dass sie gar nicht die Zügel in der Hand hält, wenn es darum geht, diese Versprechen zu halten.“ Dafür seien oft die zuständig, denen das völlig egal sei: „Da wedelt der Schwanz immer mit dem Hund. Das müsste die Politik unruhig machen.“

TGD-Chef Kolat monierte, dass auch jetzt noch „eine Pannendebatte“ geführt werde. Wie groß das Mentalitätsproblem sei, zeige die jüngste Äußerung des Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Der hatte die Feststellung des Oberverwaltungsgerichts RheinlandPfalz, Personalkontrollen nach Hautfarbe widersprächen dem Grundgesetz, „schöngeistige Rechtspflege“ genannt. „Dass solche Leute an höchster Stelle im Polizeiapparat sind, das  geht nicht“, sagte Kolat.

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