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NSU-Prozess : Beate Zschäpe bekommt womöglich vierten Verteidiger

Im NSU-Prozess liegt die Angeklagte Beate Zschäpe mit ihren drei Anwälten im Streit. Nun könnte ein weiterer Verteidiger hinzukommen. Er hätte eine gewaltige Aufgabe vor sich.

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Die Angeklagte Beate Zschäpe beim NSU-Prozess in München
Die Angeklagte Beate Zschäpe beim NSU-Prozess in MünchenFoto: dpa

Im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München steht  möglicherweise der Einsteig eines weiteren Verteidigers für Beate Zschäpe bevor. Der Münchner Anwalt Mathias Grasel hält sich bereit und hatte nach eigenen Angaben bereits Kontakt zum Vorsitzenden Richter des 6. Strafsenats, Manfred Götzl. „Eventuell wird am Dienstag eine Entscheidung bekannt gegeben“, sagte Grasel dem Tagesspiegel. Das könnte bedeuten, dass Götzl den Münchner als vierten Verteidiger beruft.

Zschäpe wird bereits von den Anwälten Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl vertreten. Mit den dreien liegt die Hauptangeklagte jedoch im Streit. Richter Götzl lehnte allerdings vergangenen Freitag einen Antrag Zschäpes ab, Sturm zu entpflichten.

Grasel und der mit ihm in einer Kanzlei tätige Anwalt Hermann Borchert haben Zschäpe mehrmals in der JVA München besucht. Zschäpe sucht schon länger nach einem weiteren Verteidiger. Ein Anwalt aus Mannheim, den sie kürzlich gefragt hatte, sagte jedoch ab. Grasel hingegen würde sich nicht scheuen, als Neuling in dem Mammutverfahren um die zehn Morde und weiteren schweren Verbrechen der Terrorzelle NSU aufzutreten. Der Prozess ist bereits seit mehr als zwei Jahren im Gange, die meisten großen Beweisthemen sind weitgehend verhandelt. Grasel müsste einen gewaltigen Aktenstoff bewältigen.

Wird Beate Zschäpe im NSU-Prozess aussagen?

Offen bleibt zudem, wie die bisherigen Verteidiger darauf reagieren würden, sich mit einem vierten Anwalt arrangieren zu sollen. Sturm, Heer und Stahl verfolgen eine defensive Strategie – vermutlich auch notgedrungen, da Zschäpe sich seit ihrer Festnahme im November 2011 hartnäckig weigert, zu ihrer Person und den fast 14 Jahren im Untergrund mit den NSU-Mördern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Angaben zu machen. Im Streit mit Verteidigerin Sturm hat Zschäpe allerdings Mitte Juni in einem Schreiben an Richter Götzl angekündigt, dass sie sich „durchaus mit dem Gedanken beschäftigt, etwas auszusagen“. Aus Sicht der Angeklagten ist das jedoch nicht in Zusammenarbeit mit Sturm, Heer und Stahl möglich.

Denkbar ist nun, dass Götzl einen vierten Anwalt in den Prozess hineinnimmt, um den Konflikt Zschäpes mit ihren bisherigen Verteidigern zu neutralisieren. Aber auch dann bliebe unklar, ob Zschäpe gewillt ist, sich umfassend zu den massiven Tatvorwürfen der Bundesanwaltschaft zu äußern. Laut Anklage war die inzwischen 40 Jahre alte Frau an allen Verbrechen des NSU als Mittäterin beteiligt.

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