NSU-Prozess : Medienplätze ausgelost - "taz" prüft Klage

Das Oberlandesgericht München hat die Ergebnisse der Auslosung der teilnehmenden Medien im NSU-Prozess bekannt gegeben. Diesmal kommt die türkische Zeitung „Sabah“ zum Zug. Mehrere große deutsche Zeitungen haben hingegen kein Glück. Es droht neuer Streit.

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Der Präsident des Oberlandesgerichts München, Karl Huber, bei der Bekanntgabe der Auslosung.
Der Präsident des Oberlandesgerichts München, Karl Huber, bei der Bekanntgabe der Auslosung.Foto: dpa

Man tut der Offenbach Post, dem Online-Portal "Hallo München.de" oder der Frauenzeitschrift "Brigitte" sicher unrecht. Trotzdem wurde Andrea Titz immer wieder von Gelächter unterbrochen, als die Pressesprecherin des Oberlandesgerichts München die Namen der akkreditieren Medien vorgetragen hatte, die Losglück hatten und für den am Montag beginnenden NSU-Prozess akkreditiert sind. Zu skurril erschien einigen Zuhörern, dass renommierte Zeitungen wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Welt, die TAZ nicht dabei sind. Auch die Süddeutsche Zeitung hat es nur mit Hilfe des Magazins der Süddeutschen Zeitung geschafft. Der Tagesspiegel hatte ebenfalls kein Losglück. Ebenso wie die Zeit. (die Gesamtliste finden Sie hier und am Ende des Textes).

Für die Auslosung der Presseplätze hatten sich 324 Medien beworben. Die Auslosung war von einem Notar unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgenommen worden. Der frühere SPD-Spitzenpolitiker Hans-Jochen Vogel hat die Auslosung als Zeuge verfolgt. Erlaubt ist diesmal auch eine Weitergabe einer Reservierung an andere Journalisten. Das Gericht hatte die 50 festen Plätze in drei verschiedene Kontingente aufgeteilt: für Nachrichtenagenturen (5 Plätze), ausländische Medien (10 Plätze) und inländische Medien (35 Plätze). Ausgelost wurde unter anderem die türkische Zeitung "Sabah", die gegen das erste, allein nach Eingang der Bewerbungen durchgeführte Akkreditierungsverfahren erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt hatte. Auch die türkische Zeitung "Hürriyet" kam diesmal zum Zug.

Der Präsident des Oberlandesgerichts München, Karl Huber, hat das Losverfahren zur Vergabe der festen Presseplätze im NSU-Prozess als angemessen und gerecht bezeichnet. Es handle sich dabei um ein allgemein anerkanntes Verfahren, sagte Huber am Montag in München. Es sei eine gerechte Entscheidung getroffen worden.

Zugleich kritisierte Huber scharf die „Angriffe“, denen das Gericht in den vergangenen Wochen ausgesetzt gewesen sei. Diejenigen, die bestimmte Ansichten in dem Streit zum Teil ungeprüft weitergegeben hätten, hätten die zentrale Aufgabe des Gerichts „nicht richtig verstanden“, sagte Huber. Der Senat habe sich eigentlich auf die juristische Vorbereitung des Verfahrens konzentrieren wollen, habe sich dann aber auch um viele logistische Fragen kümmern müssen.

Prominente Verlierer des Losverfahrens sind auch einige Nachrichtenagenturen: Reuters, AP und Agence France-Presse gingen im Gegensatz zur Deutschen Presse-Agentur (dpa) leer aus.

„taz“-Chefredakteurin Ines Pohl schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter umgehend, man prüfe, ob man gegen die Platzvergabe klage, um eine Videoübertragung für Journalisten zu erwirken. Die „taz“ hatte im ersten Anlauf einen Platz ergattert und ging nun leer aus.

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