NSU : Rätselhafter Fall „Corelli“: Sim-Karten des toten V-Mannes gefunden

Ein toter V-Mann gibt weiter Rätsel auf. Jetzt wurden Sim-Karten des V-Mannes gefunden, der unter dem Deckmantel "Corelli" geführt wurde. Er wurde aber wohl nicht ermordet.

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Das Bundesamt für den Verfassungsschutz, fotografiert am 04.02.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen).
Das Bundesamt für den Verfassungsschutz, fotografiert am 04.02.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen).Foto: dpa

Der Fall „Corelli“ wird für das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) zunehmend unangenehm. Bei der Behörde sind jetzt Sim-Karten aus einem Handy des 2014 gestorbenen V-Mannes Thomas R. aufgetaucht, den die Behörde unter dem Decknamen „Corelli“ geführt hatte. Der rechtsextreme Spitzel hatte möglicherweise Kontakt zum Umfeld der Terrorzelle NSU unterhalten, seine Rolle erscheint bis heute teilweise undurchsichtig. Das BfV musste sich schon mehrmals Vorwürfe anhören, der späte Fund der Sim-Karten hat nun auch das Bundesinnenministerium verärgert – zumal das BfV erst im Mai ein von Corelli genutztes Handy bei sich entdeckt hatte.

Die Informationen zu den Sim-Karten hätten ihn „überrascht“, sagte am Dienstag Innenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin. Er betonte, „wir erwarten maximale Aufklärung im BfV“. Außerdem würden Mitarbeiter des Ministeriums zur Zentrale des Bundesamtes nach Köln fahren, „um aufzuklären“.

Womöglich wird sich aber auch der Bundestag noch einmal mit Corelli befassen. Das für die Aufsicht der Nachrichtendienste des Bundes zuständige Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr) hatte bereits 2014 den früheren Grünen-Abgeordneten Jerzy Montag beauftragt, als Sonderermittler im Fall Corelli zu recherchieren.

Ominöse CD

Anlass war vor allem eine ominöse CD, die der V-Mann 2005 dem BfV übergeben hatte und deren Existenz erst nach dem Ende des NSU bekannt geworden war. Auf der CD gibt es eine Datei mit dem Titel „NSU/NSDAP“. Das BfV geriet in Verdacht, schon Jahre vor dem Ende des NSU einen Hinweis auf die militanten Neonazis bekommen zu haben. Sonderermittler Montag hielt nach Abschluss seiner Untersuchungen 2015 dem BfV vor, „grob regelwidrig“ die Auswertung der CD unterlassen zu haben. Allerdings fanden sich auf dem Datenträger keine Hinweise zur Terrorzelle und ihren Taten. Montag hielt zudem den Verdacht für entkräftet, der Spitzel sei eines unnatürlichen Todes gestorben.

Angesichts der Funde von Sim-Karten und Handy sei es nötig, dass Jerzy Montag einen Folgeauftrag als Sonderermittler bekomme, sagte Burkhard Lischka, Obmann der SPD-Fraktion im Innenausschuss des Bundestages, dem Tagesspiegel. In der Corelli-Geschichte dürfe „nichts offen bleiben“.

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