Oberlandesgericht München : NSU-Prozess: Verhandlung bis Januar 2014 geplant

München steht der größte Prozess in der Geschichte der Bundesrepublik zu rechtsextremem Terrorismus bevor. Für die angesetzten 85 Sitzungstage sind strenge Sicherheitskontrollen angekündigt.

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Die NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sind bereits tot. Beate Zschäpe muss sich nun vor Gericht verantworten.
Die NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sind bereits tot. Beate Zschäpe muss sich nun vor Gericht verantworten.Foto: dpa

Das Oberlandesgericht München hat für den NSU-Prozess 85 Sitzungstage festgelegt. Dies geht aus der Sicherheitsverfügung hervor, die der Vorsitzende Richter des 6. Strafsenats, Manfred Götzl, am Dienstag bekanntgegeben hat. Der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte beginnt am 17. April, der letzte bislang vorgesehene Verhandlungstag soll der 16. Januar 2014 sein. Götzl schreibt allerdings schon in der Verfügung, der Prozess werde „voraussichtlich bis mindestens“ 16. Januar fortgesetzt. In Justizkreisen wird eine Dauer von mehr als einem Jahr erwartet.

Bei der Hauptverhandlung wird es, wie bei Terrorverfahren üblich, strenge Sicherheitskontrollen geben. Mit Metalldetektoren werden Angeklagte, Verteidiger, Nebenkläger und ihre Anwälte, Dolmetscher, Sachverständige, Vertreter der Jugendgerichtshilfe, Zeugen, Journalisten und weitere Zuhörer auf Waffen und Gegenstände durchsucht, die laut Verfügung „geeignet sind, zur Störung der Hauptverhandlung verwendet zu werden“. Die Medien müssen zudem die Gesichter der Angeklagten André E., Holger G. und Carsten S. in Filmen und Fotos unkenntlich machen. Zschäpe und der ebenfalls angeklagte Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben dürfen hingegen ohne Einschränkung abgelichtet werden.

Die Spur der Neonazi-Mörder
November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht sich die Bundesrepublik erstmals seit der Wiedervereinigung mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Schnell ist die Rede vom Jenaer Neonazi-Trio um Beate Z. (36), Uwe B. (34) und Uwe M. (38). Ihre Spur lässt sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen.Weitere Bilder anzeigen
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20.03.2013 13:59November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht...

München steht der größte Prozess in der Geschichte der Bundesrepublik zu rechtsextremem Terrorismus bevor. Die Bundesanwaltschaft wirft Zschäpe unter anderem eine Mittäterschaft an den zehn Morden, zwei Sprengstoffanschlägen und 15 Raubüberfällen vor, die Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt begangen haben. Die Mitangeklagten sollen dem NSU geholfen haben.

Ermordet aus reinem Hass - Die Opfer des NSU
Enver Şimşek, wird am 9.September 2000 von acht Schüssen getroffen. Der Besitzer eines Blumengroßhandels in Schlüchtern, Südhessen, war das erste Opfer der rassistisch motivierten Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). An jenem Tag fiel ein Mitarbeiter aus, der normalerweise seinen Blumenstand an einer Ausfallstraße nahe Nürnberg betreute. Şimşek fährt selbst nach Nürnberg und wird dort von den Tätern angeschossen. Es dauert noch zwei Tage, bis er in einem Krankenhaus am 11.September 2000 im Alter von 38 Jahren den Schusswunden erliegt. Der Fall wird von der Bundesregierung erst 2012 als rassistisch motivierte Straftat anerkannt. Zu Beginn wurde auch gegen die Frau und Verwandte des Mannes ermittelt. Die Polizei verdächtigte den Getöteten des Drogenhandels.Alle Bilder anzeigen
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04.07.2012 15:04Enver Şimşek, wird am 9.September 2000 von acht Schüssen getroffen. Der Besitzer eines Blumengroßhandels in Schlüchtern,...

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