Offener Rassismus in Italien : Neofaschisten bewerfen schwarze Ministerin mit Bananen

Beleidigungen und Attacken gehören zum Alltag der schwarzen italienischen Ministerin Cécile Kyenge. Mitverantwortlich für den Hass ist ein Spitzenpolitiker der rechten Regionalpartei Lega Nord.

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Sie ist das Ziel rassistischer Anfeindungen: Die italienische Integrationsministerin Cécile Kyenge.
Sie ist das Ziel rassistischer Anfeindungen: Die italienische Integrationsministerin Cécile Kyenge.Foto: afp

Was in Fußballstadien diverser Länder zur traurigen Wirklichkeit gehört, greift in Italien nun auch auf die politische Arena über: rassistische Exzesse. Beim Sommerfest der Sozialdemokraten in Cervia bei Ravenna wurden am Freitagabend Bananen auf die Bühne geworfen. Sie galten der Integrationsministerin Cécile Kyenge (48), der ersten schwarzen Regierungspolitikerin in Rom.

Zwar fehlte das Affengeheul, mit dem Italiens Nationalstürmer Mario Balotelli (22) oft empfangen wird; Neofaschisten aber hatten in Cervia schon vor Kyenges Ankunft etwas noch Drastischeres hinterlassen: Sie hatten auf dem Festgelände Puppen verteilt mit einem roten Blutfleck auf der Brust und der Botschaft „Zuwanderung tötet“.

Während sich Italiens Politiker einstimmig gegen derartige Attacken verwahrten, sehen viele eine direkte Linie zwischen den Bananen von Cervia zum Vizepräsidenten des italienischen Senats, Renato Calderoli. Der hatte vor zwei Wochen gesagt: „Wenn ich die Kyenge sehe, kann ich nicht umhin, an einen Orang-Utan zu denken.“ Rücktrittsforderungen ließ der einschlägig vorbelastete Spitzenpolitiker aus der rechten Regionalpartei Lega Nord natürlich an sich abperlen, wie immer.

Er schickte einen Blumenstrauß und entschuldigte sich halbherzig: „Ich bin halt so.“ In den Foren seiner Partei Lega Nord erhielt Calderoli aber viel Zuspruch. Schon kurz vorher hatte eine Gemeinderätin der Lega Nord in Bezug auf Ministerin Kyenge geschrieben: „Kommt denn mal keiner vorbei, um sie zu vergewaltigen?“

Die Sozialdemokratin Kyenge , eine Augenärztin, ist nach eigenen Angaben jeden Tag Ziel von Beleidigungen und gar Todesdrohungen. Doch sie erträgt die Sache mit Fassung, jedenfalls nach außen hin. Sie sei stolz, Italienerin zu sein, sagte sie auch in Cervia. „Italien ist kein rassistisches Land“, wiederholt sie ein ums andere Mal, „nur ein Land, in dem rassistische Sachen passieren.“ Und auf die Bananen reagierte die Politikerin zudem mit der ihr eigenen Gelassenheit: „Was für eine traurige Verschwendung von Nahrungsmitteln!“

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