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Offensive gegen Islamisten im Irak : Kurden vereinigen sich gegen Dschihadisten im Nordirak

Kurdische Kämpfer im Irak, in der Türkei und in Syrien wollen gemeinsam gegen den Vormarsch der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) im Norden des Irak kämpfen. Sie haben ihre Offensive in Mossul begonnen.

Kurdische Kämpfer bereiten eine Sprengladung im Kampf gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) vor. Die Kurden aus dem Irak, der Türkei und Syrien wollen nun gemeinsam gegen den IS kämpfen.
Kurdische Kämpfer bereiten eine Sprengladung im Kampf gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) vor. Die Kurden aus dem...Foto: Reuters

Kurdische Kämpfer aus dem Irak, der Türkei und Syrien haben nach Angaben eines politischen Vertreters eine gemeinsame Offensive gegen die Dschihadisten in der nordirakischen Region Mossul gestartet. Mitglieder der türkischen PKK und der syrischen Partei der Demokratischen Union (PYD) gingen in der Region von Sindschar gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) vor, sagte der ranghohe irakische Kurdenvertreter Hallo Pendschweni am Mittwoch. Irakische Peschmerga-Kämpfer versuchten demnach, Gebiete nördlich und östlich von Mossul zu sichern.

Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hat offenbar eine erste Gruppe von Kämpfern in den Irak geschickt, meldete die irakische Nachrichtenseite Al-Sumeria am Mittwoch unter Berufung auf einen PKK-Sprecher. Sie sollten in der Region Sindschar westlich der Millionenstadt Mossul gegen die IS-Extremisten kämpfen. Das kurdische Internetportal Rudaw hatte am Dienstag gemeldet, mit der PKK verbündete PYD-Milizen aus Syrien unterstützten die irakischen Kurden ebenfalls im Kampf gegen die Terrorgruppe. Die Extremisten hatten die kurdisch-irakischen Peschmerga-Kämpfer am vergangenen Wochenende aus großen Gebieten nördlich und westlich von Mossul vertrieben.

Im Nordirak sind heftige Kämpfe zwischen Extremisten der sunnitischen Bewegung Islamischer Staat und Kurden ausgebrochen. Die Gefechte konzentrierten sich auf ein Gebiet rund 40 Kilometer südwestlich der kurdischen Regionalhauptstadt Arbil, sagte ein Vertreter der kurdischen Peschmerga-Kämpfer. Extremisten des Islamischen Staats hatten am Wochenende weitere Städte im Nordirak erobert, wo sich auch die autonome Kurdenregion befindet. Der Kurden-Vertreter sagte, die Peschmerga kooperierten mit den irakischen Regierungstruppen, um die Extremisten zurückzuschlagen.

Infolge der Kämpfe seien rund 50 000 Mitglieder der Jesiden in die Flucht geschlagen worden. Sie hielten sich auf einem Berg in der Nähe der Stadt Sindschar versteckt, wo ihnen der Hungertod drohe, sollten sie nicht binnen 24 Stunden gerettet werden. Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit bei den Kurden.
Die früher als Isis bekannte Bewegung Islamischer Staat hatte im Juni weite Teile des Nordiraks unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein Kalifat ausgerufen.

UN-Sicherheitsrat verurteilt Angriffe auf Jesiden

Der UN-Sicherheitsrat hat die Angriffe der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) auf Minderheiten im Nordirak verurteilt. Die Verfolgung von Zivilisten aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit oder Religion könne ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen, hieß es am Dienstag in einer vom britischen UN-Botschafter Mark Lyall Grant verlesenen Erklärung des Gremiums. Die Verantwortlichen müssten zur Verantwortung gezogen werden. Der UN-Sicherheitsrat wies insbesondere auf die Angriffe auf Angehörige der Minderheit der Jesiden hin. Viele von ihnen seien ermordet, entführt oder zur Flucht gezwungen worden.

Die IS-Kämpfer hatten die nordirakische Stadt Sindschar am Sonntag eingenommen. Nach Angaben einer jesidischen Abgeordneten wurden seitdem 500 Männer der Glaubensgemeinschaft getötet. 30 000 Familien säßen ohne Nahrung und Wasser in den Bergen fest.70 Kinder und 30 ältere Menschen seien aufgrund der Unterversorgung bereits gestorben.

Die Jesiden sind eine Kurdisch sprechende Minderheit, deren Religion teilweise auf dem Zoroastrismus beruht. Die Dschihadisten betrachten sie als "Teufelsanbeter" und haben sie in der Vergangenheit wiederholt angegriffen. Die radikalsunnitische Bewegung IS verfolgt auch gemäßigte Sunniten, Schiiten und die christliche Minderheit im Irak. Zuletzt drohte die Gruppe zudem mit einer Ausweitung ihrer Herrschaft auf das gesamte autonome Kurdengebiet. Die Dschihadisten kontrollieren neben mehreren Regionen im Irak auch Teile Syriens.

Iran bietet irakischen Christen Asyl an

Der Iran will bedrängten irakischen Christen Zuflucht gewähren. Der iranische Botschafter in Bagdad sagte laut der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA, sein Land sei bereit, Christen aufzunehmen, die von der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) vertrieben worden seien. Der iranische Diplomat Hassan Danayifar bekundete demnach sein Bedauern über die anhaltende Gewalt seitens der IS-Milizen, unter der die Christen zu
leiden hätten. „Der Iran ist bereit, nötige Hilfe zu leisten, einschließlich der Behandlung Verwundeter“, zitierte die Agentur den Botschafter. Danayifar war den Angaben zufolge am Dienstag mit dem Leiter des christlichen Al-Rafidain-Blocks im irakischen Parlament, Younadim Kanna, zusammengetroffen, um die Lage der Christen im Nordirak zu erörtern.

Machtkampf im Irak geht weiter

Gegen starke Widerstände hält Iraks Regierungschef Nuri al-Maliki mit aller Macht an dem Amt fest. Wer gegen den „Kontext der Verfassung“ verstoße, der zünde im Irak „das Höllenfeuer“ an und verletze den Willen des
Volkes, sagte Al-Maliki am Mittwoch in seiner wöchentlichen Fernsehansprache.

Der schiitische Politiker ist seit 2006 Regierungschef und will sich für eine weitere Amtsperiode wählen lassen. Er beruft sich dabei auf die Verfassung. Diese gibt dem größten politischen Block im Parlament das Recht, einen Kandidaten für das Amt des Regierungschefs zu nominieren. Fast alle anderen politischen Kräfte lehnen jedoch eine erneute Kandidatur Al-Malikis ab. Sie machen ihn unter anderem für den Vormarsch der Terrorgruppe Islamischer Staat in großen Teilen des Landes verantwortlich. Laut Verfassung muss Staatspräsident Fuad Massum bis Donnerstag einen Politiker mit der Bildung einer Regierung beauftragen. (AFP/Reuters/KNA/dpa)

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