Politik : Opec-Prozess: Joschka Fischer wird im Klein-Prozess öffentlich vernommen

Im Frankfurter Opec-Prozess hat ein Zeuge den mitangeklagten Rudolf Schindler als Mörder des hessischen Wirtschaftsminister Heinz Herbert Karry (FDP) bezeichnet. Ebenfalls am Donnerstag wurde bekannt, dass das Frankfurter Landgericht am kommenden Mittwoch Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) öffentlich vernehmen will.

Schindler habe sich über Karry in einer Weise geäußert, dass er als Täter beteiligt gewesen sein müsse, sagte das ehemalige Mitglied der Revolutionären Zellen (RZ), Tarek Mousli. "Wir wollten ihm nur ins Knie schießen", habe Schindler wörtlich gesagt. Der schlafende Karry war am 11. Mai 1981 in seinem Wohnhaus in Frankfurt-Seckbach erschossen worden. Nach bisherigen Ermittlungen stand der Schütze auf einer am Schlafzimmerfenster angelehnten Leiter. Die nach der Tat weggeworfene Waffe, eine Kleinkaliber-Pistole, wurde gefunden, konnte aber bisher keinem Täter zugeordnet werden. Schindler habe die Situation so geschildert, dass man in der Dunkelheit die genaue Position des Opfers nicht erkennen konnte, berichtete der Zeuge.

Der heute 57 Jahre alte Schindler sei zudem in den 80er Jahren als der "Schütze" der RZ bekannt gewesen, sagte der deutsch-libanesische Kampfsportlehrer Mousli, der sich seit November vergangenen Jahres als Kronzeuge gegen die Terrororganisation betätigt. Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Schindler habe 1986 und 1987 in Berlin zwei Pistolen-Attentate ausgeführt, erklärte der Zeuge erneut. Damals erlitten der Bundesverwaltungsrichter Günter Korbmacher und der Chef der Berliner Ausländerbehörde, Harald Hollenberg, Schüsse in die Beine. Eine Anklage Schindlers und weiterer Beteiligter in dieser Sache steht aus.

Der Grünen-Politiker Fischer soll zur gemeinsamen Vergangenheit mit dem Angeklagten Hans-Joachim Klein (52) befragt werden. Unklar sei noch der Ort der Verhandlung, hieß es. Die Verhandlung kann nach Berlin verlegt oder Fischer per Video zugeschaltet werden. Fischer hatte gemeinsam mit Klein in den 70er Jahren in Frankfurt einer linksradikalen "Putztruppe" angehört, die sich bei Demonstrationen mit Polizisten prügelte und besetzte Häuser verteidigte. Die Karry- Mordwaffe soll nach Polizeierkenntnissen 1973 in Fischers Auto transportiert worden sein, das Fischer damals aber Klein überlassen haben will.

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