Organtransplantationen : Neue Leber für Trinker?
06.10.2012 00:00 UhrDerzeit ist das Dickicht um die Vorfälle nur schwer zu durchschauen, denn Informationen werden nur spärlich geliefert. Vor gut einer Woche war Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, an die Öffentlichkeit geprescht mit der Mitteilung, an der Münchner Klinik seien bei der Überprüfung der Wartelisten „Auffälligkeiten“ entdeckt worden. Insgesamt geht es bisher offenkundig um neun strittige Lebertransplantationen. Derzeit untersuchen die Staatsanwaltschaft und die Prüfungskommission der Bundesärztekammer die Fälle.
Spenderorgane sind in Deutschland gesucht, denn es gibt zu wenige davon. Wird ein Empfänger auf der Liste nach oben gehievt, rutschen die anderen, die dringender ein Organ brauchen, einen Platz tiefer. Nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ könnte es in München weitere Fälle von Lebertransplantationen gegeben haben, die sich nicht mit den Richtlinien decken. So sollen auch Alkoholiker, die nicht trocken waren, Lebern erhalten haben. Darunter sei eine sehr schwere Trinkerin gewesen, die kurz nach der Transplantation starb. Nach den Vorschriften haben aber nur Alkoholiker das Recht auf ein neues Organ, wenn sie nachweislich schon sechs Monate trocken sind.
Außerdem sollen zwei Krebspatienten neue Organe bekommen haben, die bereits Metastasen im Körper hatten. Auch das wäre nicht zulässig, da solche Erkrankte oft keine längere Lebenserwartung mehr haben. Dem widersprach Klinikdirektor Gradinger mit dem Verweis, dass es sich dabei um nur sehr langsam wachsende Metastasen gehandelt habe.
Die Grünen im bayerischen Landtag fordern nun eine „komplette Aufklärung“ vor dem Gesundheitsausschuss. Stimme etwa der Alkoholiker-Verdacht, „dann unterminiert das die Organspende komplett“, fürchtet die Abgeordnete Theresa Schopper. Es gebe Unregelmäßigkeiten, „deren Ausmaß sich niemand vorstellen konnte“.













