ORTSTERMIN : Ehrung für einen Patrioten

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Wenn die American Academy Persönlichkeiten mit dem Henry-Kissinger-Prize auszeichnet, die sich um die transatlantische Partnerschaft verdient gemacht haben, weht durch das Festzelt am Ufer des Wannsees ein Hauch von Geschichte. Das liegt am Alter der Geehrten – Helmut Schmidt war 2007 der Erste, Richard von Weizsäcker, Helmut Kohl und George Bush sen. gehören dazu. Aber natürlich verbindet sich mit jedem der Namen auch ein bedeutender Beitrag zur Stabilisierung des Ost- West-Verhältnisses, zum Abbau des Blockdenkens, vor allem aber auch zur friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands.

Jetzt wurde die Ehrung erstmals posthum vergeben, an Ewald-Heinrich von Kleist. Mit ihm gedachten die Stifter eines Menschen, der sich als 22-jähriger Offizier der Wehrmacht im Kreise des deutschen Widerstandes um Claus von Stauffenberg zwei Mal bereit gemacht hatte, das Attentat auf Adolf Hitler um den Preis des Lebens selbst zu verüben. Dass er einer Anklage vor dem Volksgerichtshof entging, mutet wie ein Wunder an. Kleist begründete 1962 unter dem Namen „Wehrkundetagung“ jene internationale jährliche Begegnung, die inzwischen unter dem zutreffenderen Begriff „Münchner Sicherheitskonferenz“ die weltweit wichtigste regelmäßige Begegnung der außen- und sicherheitspolitischen Experten geworden ist.

Kleists Nachfolger in der Leitungsfunktion, die er selbst bis 1998 ausübte, waren erst Horst Teltschik und jetzt Wolfgang Ischinger. Der begrüßte Thomas de Maizière, einen der beiden Kleist-Laudatoren, mit der Zusicherung eines garantiert Hawk-freien Abends. Der Verteidigungsminister würdigte Kleist als „deutschen Patrioten“, der sich nicht damit abgefunden habe, „dass das Licht der Humanität in Deutschland erlöschen sollte“. Der Widerstand gegen Hitler – dem sich, so Maizière, kein einziger General oder Admiral angeschlossen habe –, sei ein „leuchtender Punkt in der Geschichte der deutschen Streitkräfte“.

Der 76 Jahre alte republikanische Senator von Arizona, John McCain, führte 15-mal die amerikanische Delegation bei der Münchner Tagung. Als junger Pilot war er über Nordvietnam abgeschossen und in fast sechsjähriger Vietconggefangenschaft furchtbar gefoltert worden. Nun beschwor er die transatlantische Partnerschaft („Es stimmt nicht, dass die besten Tage hinter uns liegen“) und nannte Kleist den Beweis dafür, dass Menschen die Geschichte verändern können. Kleist war im März, 91-jährig, verstorben. Seine Tochter, Vera de Lesseps, nahm jetzt in Berlin die Ehrung entgegen.

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