Update

Oslo : Friedensnobelpreis geht an Kampagne gegen Atomwaffen

Experten hatten es vorhergesagt: Das Nobelkomitee würdigt den Kampf der Internationalen Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) für eine Welt ohne Atomwaffen.

Geehrt mit dem Nobelpreis: Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican)
Geehrt mit dem Nobelpreis: Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican)Foto: AFP/Fabrice Coffrini

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an ein weltweites Netzwerk von Atomwaffen-Gegnern. Ausgezeichnet wurde die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), wie das Norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo mitteilte. Die Organisation habe die Aufmerksamkeit auf die „katastrophalen humanitären Konsequenzen eines jeglichen Einsatzes von Atomwaffen“ gelenkt. Zudem habe ICAN maßgeblich dazu beigetragen, dass am 7. Juli in New York 122 Staaten das UN-Abkommen für ein Atomwaffenverbot beschlossen hätten.

Die International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN) ist nach Angaben ihres deutschen Zweigs ein „globales Bündnis von über 450 Organisationen in 100 Ländern“. ICAN Deutschland forderte nach der Bekanntgabe des Preises die Bundesregierung auf, dem Anti-Atomwaffen-Abkommen beizutreten. „Dies duldet nicht länger Aufschub“, betonte Vorstandsmitglied Sascha Hach in Berlin. Die Bundesregierung habe bisher die „einzigartige politische Bedeutung des Verbotsvertrages völlig verkannt“ und die Verhandlungen zum Verbotsvertrag „boykottiert“.

In Deutschland seien etwa zwei Dutzend Atomwaffen stationiert, die nun für Milliarden Euro modernisiert würden. ICAN Deutschland forderte den sofortigen Abzug der in Büchel in der Eifel stationierten Atomwaffen. Die Bundesregierung müsse sich „von der nuklearen Abschreckungspolitik der Nato eindeutig distanzieren“. Die Bundesregierung äußerte in Berlin nur knapp, sie unterstütze das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen und begrüße die Auszeichnung für ICAN.

Das Nobelkomitee mahnte, Nuklearwaffen seien „eine ständige Bedrohung“ für „alles Leben auf der Erde“. Der diesjährige Friedensnobelpreis sei daher auch ein Aufruf an Atomwaffenstaaten, „ernsthafte Verhandlungen“ zur schrittweisen Beseitigung der weltweit fast 15.000 Atomwaffen zu initiieren.

ICAN Deutschland zeigte sich von der Preisvergabe überwältigt; im Büro der deutschen Sektion in Berlin herrsche seit Bekanntwerden der Entscheidung „Ausnahmezustand“, sagte Vorstandsmitglied Xanthe Hall dem Südwestrundfunk (SWR). Das mit dem Nobelpreis verbundene Preisgeld von rund 944.000 Euro wolle ICAN einsetzen, um weitere Mitarbeiter einzustellen.

Insgesamt waren nach Angaben des Nobelkomitees in diesem Jahr 318 Kandidaten nominiert, darunter 215 Personen und 103 Organisationen. Öffentlich gemacht wird die Liste erst in 50 Jahren. Experten hatten im Vorfeld einen Preis im Kontext des Kampfes gegen Atomwaffen vorhergesagt.

2016 hatte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos den Preis bekommen. Er wurde für sein langes Ringen um ein Ende des mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkriegs in seinem Land ausgezeichnet. Der Nobelpreis hatte den ins Stocken geratenen Friedensprozess noch weiter vorangetrieben. Der Friedensnobelpreis ist einer der fünf von Alfred Nobel gestifteten Preise. Von 1901 bis 2016 wurde die Auszeichnung an insgesamt 130 Personen und Organisationen verliehen.

Der mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis wird als einzige der renommierten Auszeichnungen nicht in Stockholm, sondern in Norwegens Hauptstadt Oslo vergeben. Hier wird der Preis am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, auch verliehen.

Die Preise gehen auf Nobels Testament zurück. Hier hatte der Dynamit-Erfinder festgelegt, dass derjenige geehrt werden solle, der „am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen“ gewirkt hat. Wieso Nobel den Preis als einzigen nach Oslo verlegte, ist nicht bekannt.

Im Laufe der Woche waren unter anderem die Nobelpreise für Chemie und Medizin vergeben worden. Am Donnerstag bekam der Brite Kazuro Ishiguro den Nobelpreis für Literatur zugesprochen. (dpa/KNA)

GroKo, Jamaika oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

14 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben