Exklusiv : Erneuerbare Energien: "Es gibt immer eine Alternative"

07.02.2012 18:07 Uhrvon
Ottmar Edenhofer ist Chefökonom und Vize-Präsident des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Außerdem ist er der Sprecher der Arbeitsgruppe III des Weltklimarats IPCC, die sich mit den Möglichkeiten, den Klimawandel aufzuhalten, beschäftigt. Foto: Manfred Thomas
Ottmar Edenhofer ist Chefökonom und Vize-Präsident des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Außerdem ist er der Sprecher der Arbeitsgruppe III des Weltklimarats IPCC, die... - Foto: Manfred Thomas

Ein Friedensnobelpreis kann eine Bürde sein. Diese Erfahrung hat der Weltklimarat gemacht. Seit 2007 versuchen Lobbyisten und Klimaskeptiker dessen Reputation zu untergraben. Warum das nicht immer fair ist, erklärt Arbeitsgruppen-Sprecher Ottmar Edenhofer.

Herr Edenhofer, worauf führen Sie zurück, dass der Bericht des Weltklimarats (IPCC) zu den erneuerbaren Energien (SRREN) von interessierten Kreisen in eine Ecke gestellt wird, als sei er von Greenpeace geschrieben?

Zunächst wurde der SRREN-Report von einer breiten Öffentlichkeit freundlich aufgenommen. Außerdem haben wir vor fast genau zwei Jahren in einem sehr frühen Stadium des Berichts in Washington auch die Industrie eingeladen, zu dem Bericht Stellung zu nehmen. Auch Eon und RWE waren da vertreten. Es gab dort viel Zustimmung zu einem Bericht, in dem alle relevanten Fakten zu den erneuerbaren Energien dargestellt werden.

Auch Fritz Vahrenholt, der den Bericht jetzt öffentlich kritisiert hat, sprach dort von einem „sehr ausgewogenen“ Report.

Warum also dieses Missverständnis?

Ich glaube, vielen ist nicht klar, wie die Prozeduren eines IPCC-Reports sind. Wir haben vier Szenarien zum Ausbau erneuerbarer Energien intensiv untersucht, darunter auch ein von Greenpeace entwickeltes Szenario. So ist bei einigen der falsche Eindruck entstanden, Greenpeace hätte den Bericht geschrieben. Wer den Bericht liest, weiß, dass wir insgesamt 164 Szenarien dargestellt haben, also die ganze Bandbreite. Der IPCC versucht mit diesem Ansatz, alle gangbaren Wege zu beschreiben, nicht eine Empfehlung auszusprechen. Wir wollen der Öffentlichkeit  die  technischen Voraussetzungen, die Kosten, die damit verbundenen Risiken darstellen, damit sie darüber diskutieren kann und die Politik auf dieser Basis eine sinnvolle Güterabwägung machen kann. Damit setzt sich der IPCC oft der Kritik von Leuten aus, die sich eindeutige Empfehlungen von der Wissenschaft erhoffen. Die einen werfen uns dann vor, der IPCC werde von Umweltorganisationen wie Greenpeace oder dem WWF gesteuert. Auf der anderen Seite könnte man genauso gut fragen, warum in der Autorengruppe, in der der Greenpeace-Autor vertreten war, auch jemand von der Ölindustrie saß. Oder warum wir auch Szenarien mit einem hohen Kernenergieanteil diskutiert haben. Es gibt immer mehrere Wege zum Ziel und die wollten wir so transparent und vollständig wie möglich darstellen.

Der IPCC hält also nicht so viel von dem Satz: Das ist alternativlos?

Es gibt immer Alternativen. Ob es eine präferierte, eine gangbare oder eine billige Alternative ist, muss eben bewertet werden. Wir wollen in der Politik und der Öffentlichkeit den Sinn für Möglichkeiten schärfen. Das ist unsere Aufgabe.

Da kann sich dann auch jeder raussuchen, was er möchte.

Diese Arbeitsweise bietet viele Angriffspunkte. Aber es wäre schlimmer, wenn wir alternativlose Empfehlungen im Namen der Wissenschaft abgeben würden. Und damit behaupten würden, nur ein Weg ist gangbar. Dann würde die Wissenschaft  die Öffentlichkeit  entmündigen, und die Politik würde abgeschafft. Wir wissen, dass die Politik auf uns angewiesen ist, um die Sachlage darzustellen. Aber es ist nicht unsere Aufgabe, über einzelne Pfade Mehrheiten herzustellen und einen Konsens zu erzielen.

Sie haben erwähnt, dass Fritz Vahrenholt frühzeitig in die Debatte über den SRREN-Report einbezogen war. Wie?

Wir haben ihn als Gutachter eingeladen und bei einem Expertentreffen im Jahr 2010 in Washington hat er einen sachlichen Vortrag gehalten. Seine Kommentare zu den Technologiekapiteln wurden intensiv diskutiert. Manche Vorschläge wurden akzeptiert, andere nicht. Aber insgesamt hat Fritz Vahrenholt den Bericht dort sehr positiv bewertet. Die Gründe für seinen Sinneswandel hat er jedoch nicht dargelegt.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite