Pädophilie-Vorwürfe an Pro Familia : Fragwürdiges Netzwerk

Pro Familia hat offenbar nicht nur pädophilenfreundliche Ansichten in einer Vereinszeitschrift publiziert. Eine ehemalige Vorsitzende arbeitete auch im Vorstand einer Arbeitsgruppe, die das Recht von Kindern auf Sex mit Erwachsenen forderte.

von
Auch die Organisation Pro Familia steckt jetzt in der Pädophilie-Debatte.
Auch die Organisation Pro Familia steckt jetzt in der Pädophilie-Debatte.Foto: dpa

Die Organisation Pro Familia hat nicht nur jahrelang pädophilenfreundliche Ansichten in ihrer Vereinszeitschrift „Pro Familia Magazin“ veröffentlicht, sondern war offenbar auch prominent im Beirat der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS) vertreten. Nach Recherchen des Tagesspiegels gehörte die ehemalige Vorsitzende von Pro Familia, Melitta Walter, in den 80er Jahren dem Kuratorium der pro-pädophilen Arbeitsgruppe an.

Die in diesem Jahr verstorbene Erzieherin, Sexualpädagogin und Autorin war von 1983 bis 1986 Chefin von Pro Familia und leitete von 2000 bis 2010 die Fachstelle des Schulreferats München für „Geschlechtergerechte Pädagogik und Gewaltprävention“. Die AHS fordert unter anderem das Recht von Kindern auf Sex mit Erwachsenen ein. Dem Kuratorium der Arbeitsgemeinschaft gehörten neben Walter auch die Professoren Helmut Kentler und Rüdiger Lautmann an, die als Autoren im „Pro Familia Magazin“ mehrfach ihre wohlwollende Haltung zum straffreien Sex mit Kindern publizieren durften.

Missbrauchsopfer beklagen mangelnde Einsicht bei Pro Familia

Pro Familia hatte die pädophilenfreundlichen Veröffentlichungen gegenüber dem Tagesspiegel mit dem Zeitgeist der 80er Jahre gerechtfertigt und auf das wissenschaftliche Renommee ihres Autors Lautmann verwiesen. „In allen ,Pro Familia Magazinen’ ist die eindeutige Verurteilung des sexuellen Missbrauchs an keiner Stelle infrage gestellt“, heißt es in der Stellungnahme des Verbandes, der unter anderem Sexual-, Schwangerschafts- und Paarberatung anbietet.

Norbert Denef vom NetzwerkB geht das nicht weit genug. Das „B“ im Namen des 2010 von ihm gegründeten Vereins steht für „Betroffene“ – so nennt Denef die Opfer von sexueller Gewalt. Für den 64-Jährigen, der als Kind und Jugendlicher selbst viele Jahre lang von einem Priester und einem Organisten seiner Heimatgemeinde in Delitzsch mehrfach sexuell missbraucht wurde, ist die Verteidigung von Pro Familia der blanke Hohn. „Es tut richtig weh“, sagt er. „In der ganzen Pädophilie-Debatte geht es immer nur um die Täter, darum, sich zu rechtfertigen und seine Macht zu erhalten“, sagt Denef. „Niemand fragt danach, welchen Schaden sie bei den Betroffenen und ihren Familien angerichtet haben.“

In Pädophilie-Debatte Verstrickte mauern

Denef, dessen Verein mittlerweile etwa 1000 Mitglieder angehören, fordert für die Opfer von sexueller Gewalt einen „ehrlichen Umgang auf Augenhöhe“. Es genüge nicht, sich wie die Organisation Pro Familia hinter vermeintlich wissenschaftlichen Erkenntnissen und prominenten Autoren zu verschanzen, sagt der Vereinsvorsitzende. „Wir brauchen einen Akt der Versöhnung.“ Allerdings sei Deutschland davon derzeit noch immer meilenweit entfernt. „Glauben Sie, dass in der Pädophilie-Debatte bislang auch nur ein einziger der darin Verstrickten auf uns zugekommen ist?“, fragt Denef. „Keiner.“