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Papst Franziskus : Irritation um Formulierung "arabische Invasion"

Der Papst hat mit Bezug auf Flüchtlinge den Begriff "arabische Invasion" benutzt. Das ist von der Übersetzung her geklärt. Negativ gemeint hat er es aber offenkundig nicht.

Papst Franziskus.
Papst Franziskus.Foto: dpa

Ein Ausspruch von Papst Franziskus zur Flüchtlingskrise in Europa sorgt derzeit mit einer gewissen Verzögerung für Schlagzeilen. „Wir können heute von einer arabischen Invasion sprechen. Das ist eine soziale Tatsache“, zitiert die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ (Freitag) eine Äußerung des katholischen Kirchenoberhaupts, die bereits am Dienstag bei einem Treffen mit Mitgliedern der französischen Sozialbewegung „Poissons Roses“ in seiner Residenz Santa Marta fiel.

Franziskus fügte jedoch hinzu, dass daraus neue Chancen erwüchsen. Europa habe in seiner Geschichte viele Invasionen erlebt, „aber es hat immer über sich selbst hinauswachsen, voranschreiten können, um sich dann, bereichert durch den Austausch der Kulturen, wiederzufinden“.

Es war zunächst nicht ganz klar gewesen, ob die Formulierung "Invasion" in diesem Zusammenhang richtig übersetzt wurde, weil "invasione" auf italienisch auch "Völkerwanderung" bedeuten kann. Der Papst hat mit seinen französischen Partnern spanisch gesprochen, weil er kein Französisch kann. Im Spanischen heißt Völkerwanderung "“migración". Das hat er aber nicht gesagt. Die örtliche Dolmetscherin hat seine Aussagen vom Spanischen ins Französische übersetzt. Im Französischen heißt Völkerwanderung nicht "invasion", sondern "grande invasion". Die Dolmetscherin sagte auf französisch "invasion". Damit ist klar, dass der Papst "Invasion" sagte und auch meinte, zumal der Vatikan bisher nichts zurechtrückte. Eines scheint aber auch klar zu sein: Im Zusammenhang mit seinen direkt folgenden Äußerungen hat er den Begriff nicht negativ gemeint.

Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen mahnte der Papst neuen Schwung auf dem Weg zur Einheit des Kontinents an. Er dürfe nicht in nationale Egoismen zurückfallen. „Es ist nötig, sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen, aber nur in dem Bewusstsein, dass man etwas verlieren muss, damit alle gewinnen können.“

"Die Geburtenrate in Ländern wie Spanien und Italien tendieren gegen Null"

Aus der einstigen Mutter Europa sei eine Großmutter geworden, beklagte Franziskus mit einer Metapher aus seiner Rede vor dem Europaparlament im November 2014. Die Geburtenrate in Ländern wie Spanien und Italien tendiere gegen Null. Der Kontinent müsse deswegen wieder stärker auf die Förderung von Familien setzen, um sich zu verjüngen.

Gerade angesichts der gesellschaftlichen und politischen Umbrüche sei ein Bewusstsein für die eigenen kulturellen Wurzeln wichtig, betonte Franziskus. „Wenn es seine Geschichte vergisst, schwächt sich Europa. Dann wird es zu einem leeren Ort.“ Derzeit fehle es an europäischen Leitfiguren wie seinerzeit die Staatsmänner Robert Schuman und Konrad Adenauer, die Gründerväter der europäischen Einigungsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg. (Tsp, KNA)


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