Parteigründung angestrebt : Piraten für Griechenland gesucht

Georgios Mariotti aus Süddeutschland will etwas für seine Heimat Griechenland tun und dort eine Piratenpartei gründen. Denn diese hätten die richtigen Lösungen für die Krise, ist er überzeugt. Jetzt sucht er in Athen Mitstreiter.

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Alexandros Sabranidis (li.), Yiannis Panagopoulos (Mitte), die Gründer der "ersten" Piratenbewegung in Griechenland und Georgios Mariotti (re.) vor dem griechischen Parlament in Athen.
Alexandros Sabranidis (li.), Yiannis Panagopoulos (Mitte), die Gründer der "ersten" Piratenbewegung in Griechenland und Georgios...Foto: Laura Stresing

Wie so viele Griechen in Deutschland verfolgt Georgios Mariotti die Ereignisse in seiner Heimat mit einer Mischung aus Wut und Ratlosigkeit. Eines Tages will er nach Griechenland zurückkehren – wenn sich die Lage beruhigt hat. Aber Mariotti will nicht einfach nur tatenlos zusehen und auf bessere Zeiten warten. Er will etwas für sein Land tun, die Zukunft mitgestalten. Aber wie?

Während Europa Hilfspakete schnürt und Griechenland ein beispielloses Sparprogramm initiiert, bringt sich in Deutschland eine neue Partei in Stellung, die so gar nichts mit Wirtschaft am Hut hat, die sich dem Thema Schuldenkrise sogar verweigert. Mariotti aber ist überzeugt: Die Piraten haben die richtigen Ideen. Freiheit, Demokratie, Transparenz, ein radikal anderer Politikstil – das ist es, was seine Heimat jetzt braucht. Als die Piraten dann sogar den Sprung in das Berliner Parlament schaffen, gibt es kein Halten mehr. „Das war der Zündfunke“, sagt Mariotti.

In Athen und Thessaloniki wirbt er jetzt für seine Idee, eine griechische Piratenpartei zu gründen. Mehr als die Hälfte der elf Millionen Einwohner Griechenlands leben in diesen beiden Städten. Im Gepäck hat Mariotti eine Übersetzung des Parteiprogramms der Piraten, ein Aufnahmegerät und einen Fotoapparat, um den historischen Moment festzuhalten. Die Geschäfte in seiner privaten Sicherheitsfirma in der Nähe von Karlsruhe hat der 42-Jährige für die zwei Wochen einem Freund anvertraut.

Griechenland steht vor einer großen Aufgabe – aber auch einem möglichen Neuanfang. Das Vertrauen in die Politik ist auf einem historischen Tiefstand. Besonders junge Leute suchen jetzt nach Alternativen zu den etablierten Parteien. Obwohl Wahlpflicht herrscht, wollen ein Drittel der Griechen laut einer Umfrage der Zeitung Ekathimerini die Stimmabgabe verweigern. „Die hängen in der Luft und wissen nicht weiter“, fasst Mariotti zusammen. Es könnte der richtige Zeitpunkt für eine neue Partei sein – oder gerade der falsche.

Mariotti ist kein typischer Pirat. Der ehemalige Polizist will „über das Internet-Thema hinausgehen“. Ein „Internetfreak“ sei er ja sowieso nicht. „Ich werd mich hüten, mich in die ganzen IT-Sachen einzumischen.“ Dafür weiß Mariotti genau, wie seine Lösung für die Schuldenkrise aussehen würde: „Raus aus dem Euro, einheimische Produkte stärken, Importe stoppen, die Produktivität steigern, das Steuersystem vereinfachen.“ Müsste Mariottis Partei mit einem solchen Programm nicht anders heißen? „Nö!“ Mariotti lehnt sich zurück und verschränkt die Arme. Ihm geht es ums Prinzip. Um Freiheit. „Ein Pirat ist ein Gegner eines Systems“, sagt er.

Weiter auf der nächsten Seite: Wie sich die Piraten den Ausweg aus der Wirtschaftskrise vorstellen

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