"Pegida", AfD und Co. : Konservative sind keine Nazis

Die Forderungen der rechten Apo, die in diesen Tagen auf die Straße geht, klingen wie das CDU-Programm von 1980, meint Harald Martenstein. Von den Medien wünscht er sich daher etwas weniger Schaum vor dem Mund.

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Eine "Pegida"-Demo in Dresden
Eine "Pegida"-Demo in DresdenFoto: reuters

Es gibt jetzt also eine rechte Apo. Ich bin leider alt genug, um mich noch an die außerparlamentarische Opposition der späten 60er zu erinnern. Die Parallelen sind auffällig. Auch damals gab es eine große Koalition, auch damals spiegelte das Parlament nicht mehr das politische Meinungsspektrum der Bevölkerung, standen Presse und Fernsehen, zumindest am Anfang, fast geschlossen gegen die Apo und waren nicht immer fair. In der Apo war die Meinung verbreitet, dass es sich bei der Presse um eine Lügenpresse handelt.

Diese Meinung war nachvollziehbar. Zumindest in der Springer-Presse wurde manchmal so getan, als seien die linken Demonstranten allesamt Kommunisten. Das stimmte natürlich nicht, so wenig, wie es stimmt, dass alle AfD- Leute verkappte Nazis sind. Demonstranten warfen, nach dem Attentat auf Rudi Dutschke, Steine auf das Verlagshaus von Axel Springer, sie versuchten, den Verlag zu stürmen und das Gebäude anzustecken.

In jeder Demokratie der Welt gibt es rechts und links, das ist normal

Die fixe Idee der neuen Apo ist die angebliche „Islamisierung“ Deutschlands. Die alte Apo behauptete, dass Westdeutschland auf dem Weg in einen neuen Faschismus sei – ein Faschismus mit Willy Brandt als Außenminister? War das die intelligentere Weltsicht? Die Grenzen zwischen der Apo und dem politischen Terror waren fließend. Viele hatten Sympathien für die Killertruppe RAF und für blutrünstige Diktatoren wie Pol Pot oder Mao. Der ehrenwerte Rudi Dutschke stand am Grab des Terroristen Holger Meins, ballte die Faust und rief: „Holger, der Kampf geht weiter!“ Aus diesem Milieu stammen zahlreiche spätere Spitzenpolitiker, die sich heute einen Wettstreit um die Weltmeisterschaft im Moralisieren liefern.

Bei der Berichterstattung über die neue Apo wünsche ich mir von meinen Kollegen etwas mehr kühle Analyse und weniger Schaum vorm Mund. Die Union hat sich, zum Leidwesen der SPD, sozialdemokratisiert – was hattet ihr erwartet, was passieren würde, Freunde? Dass es nie wieder Konservative gibt in Deutschland? In jeder Demokratie der Welt gibt es rechts und links, das ist normal. Die Forderungen der rechten Apo klingen wie das CDU-Programm von 1980, die linke Apo war in Wort und Tat deutlich radikaler, und schaut, wie lieb und ehrenwert die Umstürzler von damals heute sind.

In einer politischen Landschaft, in der alle nur noch so reden wie Katrin Göring-Eckardt, wäre es ein wenig fad, gebt es zu. Und Konservative sind keine Nazis, das weiß eigentlich jeder. Wenn diese Leute dagegen sind, dass Weihnachtsmärkte in „Wintermärkte“ umbenannt werden, dann haben sie nicht ganz unrecht. Das mit den Weihnachtsmärkten hätte ruhig auch die SPD sagen können, ich halte das Wort „Weihnachtsmarkt“ nicht für ausländerfeindlich.

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