Pegida und Legida : Ihr seid am Ende

40.000 bis 60.000 Demonstranten hatten die Islamfeinde von Pegida und Legida für Montagabend in Leipzig angekündigt. Am Ende waren es gerade einmal gut 10.000. Aber nicht nur deswegen hat die Bewegung ihren Höhepunkt überschritten. Ein Brief an die Bewegung.

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In der Minderheit: Pegida- und Legida-Demonstranten am Montagabend in Leipzig.
In der Minderheit: Pegida- und Legida-Demonstranten am Montagabend in Leipzig.Foto: AFP

Ihr seid nicht die Mehrheit. Ihr seid schon gar nicht das Volk, wie Ihr Euch und uns immer einreden wollt. Ihr bekommt an einem für Euch so wichtigen Tag nur ein paar Tausend Anhänger einer diffusen Verschwörungstheorie bestehend aus Überfremdung, Islamfeindlichkeit und allgemeiner Benachteiligung auf die Beine. Die Mehrheit stand Euch gegenüber. Euch stand das Volk gegenüber.

Ihr rennt den falschen Leuten hinterher. Leuten, die aus ihrer Nähe zum Rechtsextremismus, zum Nationalsozialismus keinen Hehl machen. Ihr glaubt Leuten, die jeden Flüchtling, jeden Asylbewerber und jeden Einwanderer für alles, was in Deutschland nicht funktioniert, verantwortlich machen. Ihr vertraut ihren falschen Behauptungen mehr als allen Fakten aus Wissenschaft und Politik. Ihr seid leichtgläubige Unwissende.

Ihr vertraut nur Euren eigenen Vorurteilen. Andere Meinungen sind "Lügenpresse", Kompromisse machen in euren Augen nur "Multikulti-Fanatiker", Anderssein ist für euch Falschsein. Ihr misstraut der Demokratie, dem Diskurs, dem Kompromiss.

Ihr steht auf der falschen Seite. Ihr seid diejenigen, die mit uns ins Gespräch kommen müssen. Ihr müsst Euch zurück in den gesellschaftlichen, zivilisatorischen Konsens bewegen. Nicht wir haben eine Bringschuld - es ist eure Holschuld. Ihr habt Euch außerhalb gestellt. Kommt zurück, aber lasst Euer verquastes, falsches und inhumanes Weltbild zurück. Sonst bleibt Ihr allein. Ein paar Tausend zwar. Aber trotzdem ziemlich allein.

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