Peter Struck : Ehrlich geradeaus

19.12.2012 18:02 Uhrvon , , und
Peter Struck, passionierter Pfeifenraucher, Verteidigungsminister und Parlamentarier. Foto: dpa
Peter Struck, passionierter Pfeifenraucher, Verteidigungsminister und Parlamentarier. - Foto: dpa

Pfeife und Lederkluft: Peter Struck war als Verteidigungsminister äußerst beliebt. Doch seine Liebe galt dem Parlament. Dort prägte er als Fraktionsvorsitzender die Schröder-Jahre und sorgte in der Großen Koalition für Verlässlichkeit. Nun ist der Sozialdemokrat überraschend gestorben.

Es ist nur wenige Wochen her, da saß Peter Struck in der Friedrich-Ebert-Stiftung mit Journalisten zusammen und kam ins Reden. Eigentlich ging es bei dem Termin um den Kongress „Werte und Politik“, den die von ihm geleitete Stiftung im Oktober ausrichtete. Doch der frühere SPD-Fraktionschef und Verteidigungsminister nutzte die Gelegenheit, um nach dem Ende des offiziellen Teils seine trockenen Kommentare abzugeben und mit guten Bekannten über die Bundespolitik zu diskutieren, der er auch drei Jahre nach seinem Abschied aus dem Bundestag noch immer ein bisschen nachzutrauern schien.

Die Stimmung war gelöst, die Meisten in der Runde duzte Struck ohnehin, denn abgehoben war er nie, eher raubauzig und klar zugleich. Jemand, der Nähe herstellen konnte, ohne sich gemein zu machen. Wie immer gab der studierte Jurist auch jetzt Sottisen und harte Urteile zum Besten, sparte auch Politiker der eigenen Partei nicht aus, und so brachte er seine Zuhörer zum Schmunzeln und Lachen. Man ahnte schon, dass da noch etwas kommen würde.

Und es kam dann auch. Ganz nebenbei erzählte er, welcher Sozialdemokrat im Jahr 2008 dafür gesorgt hatte, dass nicht Kanzlerin Angela Merkel allein die Spareinlagen in der Finanzkrise garantiert hat. In den SPD-Präsidiumssaal sei damals im Oktober die Nachricht hineingereicht worden, dass Merkel gleich vor die Presse treten würde. In diesem Moment, so erinnerte sich zumindest Struck, forderte er Peer Steinbrück auf: „Da musst du auch hin.“ Was der damalige Finanzminister und heutige SPD-Kanzlerkandidat bekanntlich dann auch tat.

Vier Jahre brauchte diese Anekdote, bis der Mann mit dem Schnauzbart sie nicht mehr für sich behielt. Denn Peter Struck war weder als Politiker noch als Mensch ein Aufschneider. Im Gegenteil: Gern erzählte er große Vorgänge so, dass sie ganz klein erschienen. Im Understatement fühlte er sich offenbar wohl. So wie im Jahr 2003 kurz vor dem Irakkrieg, als der damalige Verteidigungsminister im Reichstag mit Journalisten zusammenstand und von einem Treffen mit seinem amerikanischen Amtskollegen berichtete: „Der Rumsfeld hat mir gesagt, es geht in ein paar Wochen los“, brummelte Struck und riss dabei nicht einmal die Augen auf. Dabei wusste jeder, dass er wie die gesamte rot-grüne Regierung den Feldzug von George W. Bush für höchst gefährlich hielt. Aber Hysterie war nicht sein Metier.

Auch Gerhard Schröder hat diese Gelassenheit lange mit Gleichgültigkeit oder Desinteresse verwechselt. Struck organisiere in der Bundeshauptstadt Bonn „das Kartell der Mittelmäßigkeit“, ätzte der damalige niedersächsische Ministerpräsident in den 90er Jahren über seinen Landsmann Struck, nachdem der ihm die Fähigkeit zum Kanzlerkandidaten abgesprochen hatte. Als Struck Fraktionschef und Verteidigungsminister war, schätzten sich die beiden dann allerdings sehr.

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