Petition an den Bundestag : Kinderärzte wollen Legalisierung der Beschneidung stoppen

Ärzte und Menschenrechtsorganisationen warnen vor den Folgen der religiösen Beschneidung bei Jungen. Sie wollen das Gesetz zur Legalisierung mit einer Petition an den Bundestag stoppen.

Beschneidungsutensilien liegen auf einem Kissen.
Beschneidungsutensilien liegen auf einem Kissen.Foto: dapd

Ärzte und Menschenrechtsorganisationen haben vor den Folgen der Beschneidung bei jüdischen und muslimischen Jungen gewarnt und Aufklärung über die Folgen des Brauchs gefordert. Die Entfernung der Vorhaut am Penis von Neugeborenen könne erhebliche körperliche und psychische Schäden haben, sagte Ulrich Fegeler, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, am Mittwoch in Berlin. Der Schnitt sei mit erheblichen Schmerzen verbunden. Vorhautamputationen seien ein schwerwiegender Eingriff, sagte der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann.

Mit einer Petition an den Bundestag will die Initiative ein Gesetz zur Legalisierung der Beschneidung stoppen. Sachverständige und Vertreter von Religionsgemeinschaften sollten zunächst darüber diskutieren, was für das Kindeswohl am Besten sei. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat für die kommenden Wochen einen entsprechenden Gesetzesentwurf angekündigt.

Bildergalerie: Demo für Recht auf Beschneidung

Demo für Recht auf Beschneidung
09.09.2012: In Berlin demonstrieren rund 300 Menschen für das Recht auf religiöse Beschneidung. Juden, Politiker aus christlichen Religionen und Muslime fordern gemeinsam Rechtssicherheit für den Eingriff bei Neugeborenen und kleinen Jungen.
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10.09.2012 10:0409.09.2012: In Berlin demonstrieren rund 300 Menschen für das Recht auf religiöse Beschneidung. Juden, Politiker aus christlichen...

Auslöser des Streits ist ein Urteil des Landgerichts Köln. Die Richter hatten die Entfernung der Vorhaut bei Neugeborenen und Kleinkindern als Eingriff in die körperliche Unversehrtheit gewertet. Das Urteil, das für andere Gerichte nicht bindend ist, hatte erhebliche Unruhe unter Juden und Muslimen ausgelöst.

Der Israeli Eran Sadeh, Gründer der Schutzorganisation „Protect the Children“, meinte am Mittwoch, das Leiden der Juden in Holocaust dürfe keine Begründung dafür sein, die Debatte über die Beschneidung zu unterdrücken. Saleh berichtete von eigenen traumatischen Erfahrungen mit der Beschneidung. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, wiederum hatte erklärt, er empfinde es als unerträglich, dass man Juden als Kinderquäler abstempele und jüdisches Leben als ein Stück weit als illegitim dargestellt werde. (dpa)

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