Piratenchef Schlömer : "Ich gehe nicht, da bin ich widerborstig"

In den Umfragen sind die Piraten massiv eingebrochen, nach außen liefert die Partei ein chaotisches Bild. Woran liegt's? Piratenchef Bernd Schlömer über eigenes Fehlverhalten, Pöbeleien im Netz und Hausaufgaben für Peer Steinbrück.

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Bernd Schlömer will sich nicht aus der Parteispitze mobben lassen.
Bernd Schlömer will sich nicht aus der Parteispitze mobben lassen.Foto: Mike Wolff

Herr Schlömer, nach seiner Wahl zum Politischen Geschäftsführer im April hat Johannes Ponader gesagt, dass er nichts tun könne, um den Einzug der Piraten im Bundestag noch zu verhindern. Da lag er wohl gründlich daneben, oder?

Es gibt keine persönliche Schuld oder Verantwortung für gute oder schlechte Umfrageergebnisse. Das ist eine Momentaufnahme der Piratenpartei.

Viele machen ihn aber für das schlechte Auftreten ihrer Partei verantwortlich. Muss er gehen?

Nein.
Fakt ist aber, dass Ihre Partei in Umfragen von über zehn Prozent vor einem halben Jahr auf unter fünf Prozent gerutscht ist. Was ist passiert?

Wir wurden von Anfang an behandelt wie eine große etablierte Bundestagspartei. Und wir sind getragen worden von einer Welle der Medienöffentlichkeit. Wir standen im Fokus, ohne dass sich Menschen, Inhalte und Ziele der Piratenpartei geändert haben. Die Erwartungshaltung war einfach zu groß. Nun ist der Medienhype vorüber, das Interesse lässt nach und wir müssen uns realpolitisch beweisen. Ich sehe das aber nicht so dramatisch wie die Medien. Man muss um Wählerstimmen eben kämpfen.

Die Piraten selbst tragen keine Schuld?

Diejenigen, die erst seit kurzer Zeit dabei sind, kannten nur den Erfolg und kennen keine schwere Zeiten. Jetzt sind sie gekommen und es entsteht Unsicherheit.

Haben Sie einen persönlichen Anteil an der schwierigen Situation Ihrer Partei?

Ich hätte intensiver in die Öffentlichkeit gehen können. Aber letztlich entspricht das nicht der Kultur der Piraten. Schließlich wollen viele mehr Themen statt Köpfe in den Vordergrund stellen. Aber ich werde mich künftig öfter in eine Fernsehsendung setzen und mich aktiver einbringen. Das wird auch von der Partei so gewünscht.

Sie selbst wurden von ihren Parteifreunden auch wüst beschimpft, als Arschloch und Versager. Wie sehr trifft Sie das?

Ich würde mir wünschen, dass die Parteimitglieder etwas respektvoller mit ihren Funktionsträgern umgehen würden. Im persönlichen Gespräch findet Kritik meist in respektvollem Ton statt. Die Pöbeleien gibt es hauptsächlich in sozialen Netzwerken. Aber es trifft mich persönlich nicht mehr. Das ist ein Lernprozess.

Sind Sie härter geworden?

Ja schon. Man wird härter im Nehmen.

Mögen Sie diese Veränderung an Ihnen?

Nein, eigentlich nicht. Aber als Führungskraft einer Partei wird man auch von ihren Mitgliedern geformt. Dagegen kann man sich nicht wehren.

Haben Sie schon mal an Rücktritt gedacht?

Nein. Ich werde nicht zurücktreten, sondern weitermachen, bis ich abgewählt werde. Und es wird auch niemandem gelingen, mich rauszuekeln. Es ist wichtig, dass ich bleibe, weil Kontinuität ein Kriterium für Wählbarkeit ist. Deshalb gehe ich nicht, da bin ich widerborstig.

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