Plagiatsstreit : "VroniPlag" sieht 74 Plagiate in Steinmeiers Doktorarbeit

Nach Plagiatsvorwürfen gegen SPD-Fraktionschef Steinmeier durch einen Politologen sind auch Aktivisten der Internet-Plattform "VroniPlag" in Steinmeiers Doktorarbeit fündig geworden. Das Urteil der Uni Gießen steht noch aus.

Frank-Walter Steinmeier
Frank-Walter Steinmeier (SPD) bezeichnet die Vorwürfe als absurd.Foto: dpa

Gut zwei Wochen nach den Plagiatsvorwürfen gegen SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat die Internet-Plattform "VroniPlag" eine Art Zwischenbericht zur Suche nach Plagiaten in der Doktorarbeit Steinmeiers auf ihre Startseite gestellt. Die Internet-Aktivisten stufen "74 gesichtete Fragmente" als Plagiat ein. Sieben der genannten Stellen würden keine Quelle aufweisen, heißt es dort weiter, an den anderen Fundstellen seien die Übernahmen nicht ausreichend gekennzeichnet worden.18 Seiten von Steinmeiers Arbeit sollen einen Plagiatsanteil zwischen 75 und 100 Prozent aufweisen.

Uni Gießen prüft weiter

Die Universität Gießen prüft noch immer die Doktorarbeit Steinmeiers. Wann der Ombudsmann und der Promotionsausschuss der Hochschule zu einem ersten Ergebnis kommen, sei unklar, sagte eine Sprecherin der Universität am Mittwoch in Gießen. Das Magazin „Focus“ hatte Ende September unter Berufung auf den Dortmunder Wirtschaftswissenschaftler Uwe Kamenz gemeldet, Steinmeiers Promotion weise „umfangreiche Plagiatsindizien“ auf. Der SPD-Politiker hatte dies als „absurd“ zurückgewiesen.

Mit Steinmeier sieht sich erstmals ein führender SPD-Politiker mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Der 57-Jährige wurde 1991 mit seiner Arbeit zum Thema „Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit“ promoviert.

Diese Prominenten wurden beim Abschreiben erwischt
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06.02.2013 09:20Am 5. Februar 2013 verlor Annette Schavan, damals noch Bundesbildungsministerin, ihren Doktortitel. Gegen das Plagiatsverfahren an...

Politologe Funke: Angebliche Plagiate sind gar keine

Nach Aussage des Berliner Politologen Hajo Funke entbehren die Vorwürfe jeder Grundlage. „Die angeblichen Plagiate sind gar keine“, schreibt Funke nach Durchsicht von Steinmeiers Doktorarbeit und dem Bericht des Dortmunder Fachhochschul-Professors Uwe Kamenz in einer Stellungnahme. Die von Kamenz eingesetzte Software zum Aufspüren von Plagiaten sei nutzlos, urteilt Funke.

Funke wirft Kamenz vor, angeblich nicht oder falsch zitierte Quellen in Steinmeiers Dissertation selber falsch zuzuordnen oder falsch zu zitieren. „Herr Kamenz wird seinen Bericht alsbald zurückziehen müssen, wenn er sich nicht den Vorwurf eines Rufmordes einhandeln will“, schreibt der Berliner Politologe. Der Prüfbericht sei ohne Sorgfalt und unwissenschaftlich erstellt. Auch andere Wissenschaftler hatten sich bereits kritisch über die von Kamenz eingesetzte Computer-Software geäußert. (ho/dpa)


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