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Politbarometer : Die Grünen brechen ein - TV-Duell ohne Wirkung

Die Öko-Partei gibt im neuen Politbarometer um ganze zwei Prozentpunkte nach. Das TV-Duell zwischen Kanzlerin Merkel und Herausforderer Steinbrück scheint keine große Wirkung entfaltet zu haben. Schwarz-Gelb liegt vorn. Aber: Zwei Fünftel der Befragten sind noch unschlüssig.

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Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt.
Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt.Foto: dpa

Böse Überraschung für die Grünen im neuesten Politbarometer: Die Öko-Partei bricht ein und rutscht gegenüber der Vorwoche um satte zwei Prozentpunkte nach unten. Wäre schon am kommenden Sonntag Bundestagswahl (und nicht erst am 22. September), könnte die Partei mit Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt an der Spitze in der Projektion der Forschungsgruppe Wahlen nur noch mit zehn Prozent der Stimmen rechnen. Das ist der schlechteste Wert seit mehr als drei Jahren. Zwischendurch hatten die Grünen in Zusammenhang mit der Atomkatastrophe von Fukushima mehr als 20 Prozent in der Umfrage schaffen können. Der Einbruch der Grünen ist umso bemerkenswerter, als das Politbarometer unlängst ergab, dass die Partei ein Wählerpotenzial von immerhin 42 Prozent hat - vier von zehn Befragten gaben also an, dass sie sich grundsätzlich vorstellen könnten, auch für die Grünen zu stimmen.

Woran der Einbruch der Grünen liegt? Eindeutige Belege gibt die Umfrage nicht, doch bewegt ein Thema die Bürger in den letzten Wochen offenbar immer mehr: die Entwicklung von Kosten, Preisen und Löhnen. Dahinter steckt nicht zuletzt die Sorge, dass die Energiewende teuer wird und dass Steuern erhöht werden. Das dürfte am ehesten den Grünen schaden.

Das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am vergangenen Sonntag hat bei der Stimmenverteilung zwischen Union und SPD nichts bewirkt. Wie in der Vorwoche kommt die Union auf 41 Prozent, die Sozialdemokraten liegen weiterhin bei 26 Prozent. Die Linke kommt aktuell auf einen Punkt mehr und landet nun bei acht Prozent. Die FDP sieht das Politbarometer bei sechs Prozent, was bedeutet, dass die Liberalen nun relativ sicher mit dem Einzug in den Bundestag rechnen können. Die Alternative für Deutschland (AfD) liegt bei drei Prozent - die euro-kritische Partei wäre damit nicht im Parlament, doch ist angesichts einer Fehlermarge der Umfrage von bis zu zwei Prozentpunkten ein Erfolg noch nicht völlig ausgeschlossen. Die Piraten liegen unter drei Prozent.

Auch im Verhältnis von Merkel und Steinbrück zeigt die Umfrage im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel wenig Bewegung. Aktuell wünschen sich 59 Prozent die Kanzlerin weiter im Amt, 30 Prozent plädieren für den Herausforderer. In der vergangenen Woche war es jeweils ein Prozentpunkt mehr. Damit liegt Merkel seit Jahresbeginn konstant mit etwa 30 Prozentpunkten vor Steinbrück. Weiterhin wird die Amtsinhaberin als sympathischer wahrgenommen und als kompetenter bei der Lösung der Euro-Krise. Bei der Glaubwürdigkeit sieht eine relative Mehrheit von 45 Prozent keinen Unterschied zwischen beiden. Geht es um soziale Gerechtigkeit, liegt Steinbrück dagegen mit 35 zu 22 Prozent vorn (wobei auch hier 38 Prozent sagen, sie sähen keinen Unterschied). Das Duell scheint Steinbrück immerhin bei der Beurteilung durch die Bürger geholfen zu haben: Er wird nun (auf der Skala von plus fünf bis minus fünf) mit 0,9 bewertet, ein klares Plus gegenüber den August-Umfragen. Aber auch Merkel legt leicht zu und kommt nun auf 2,4. Und ihr wird jetzt von 80 Prozent der Befragten bescheinigt, ihre Arbeit gut zu machen - selbst im Lager der Oppositionsparteien sagt das die Mehrheit.

Die Politikwissenschaftler Thomas Gschwend und Helmut Norpoth haben in einem statistischen Prognosemodell, das stark auf den Werten dieser "Kanzlerfrage" basiert, vor einer Woche ein Ergebnis von 51,2 Prozent für Schwarz-Gelb vorausgesagt. 2002 und 2005 ergab das Modell eine fast exakte Prozentprognose, 2009 konnten die Wissenschaftler immerhin frühzeitig den Sieg von Schwarz-Gelb bestätigen. Im Politbarometer kommt die Koalition aktuell auf 47 Prozent und könnte damit weiterregieren. Die rot-rot-grüne Opposition hat derzeit 44 Prozent.

War es das also? Kann (oder muss) Merkel mit der FDP weiterregieren? Eine exakte Prognose für den Wahltag am 22. September sei das aktuelle Politbarometer nicht, schreibt die Forschungsgruppe Wahlen. Denn immerhin 41 Prozent der Befragten gaben an, dass sie noch unschlüssig sind - ob sie wählen, wen sie wählen, ob ihre aktuelle Wahlabsicht auch in gut zwei Wochen noch gilt. Und 66 Prozent glauben, das Rennen sei noch offen. Das lässt Raum für Überraschungen - nach oben und unten. Allerdings festigt sich der Trend zumindest bei der CDU/CSU und bei der SPD. Und die Zufriedenheit mit der Regierung ist hoch: 67 Prozent sagen, sie mache ihre Arbeit insgesamt gut. Zwar ist die große Koalition weiterhin die am meisten gewünschte Variante, und zwar von 29 Prozent der Befragten. Aber Schwarz-Gelb (18 Prozent) liegt nun bei den Nennungen erstmals seit langer Zeit vor Rot-Grün (15 Prozent). Was der Koalition vermutlich hilft, ist die Wahrnehmung der Wirtschaftslage: Nur neun Prozent empfinden sie als schlecht.

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