Politbarometer : Wulff und FDP - Die Krisen verschärfen sich

27.01.2012 18:49 Uhrvon
Christian Wulff verliert an Vertrauen und die FDP massiv an Zustimmung - das Politbarometer im Januar 2012. Fotos: dapd/dpa
Christian Wulff verliert an Vertrauen und die FDP massiv an Zustimmung - das Politbarometer im Januar 2012. - Fotos: dapd/dpa

Update Der Reputationsverlust für Bundespräsident Christian Wulff geht rasant weiter. Mittlerweile ist sogar eine knappe Mehrheit der Deutschen für einen Rücktritt. Auch Lügner darf er nun genannt werden. Richtig dramatisch ist die Situation aber für die FDP.

Die Situation für die FDP wird immer dramatischer. Die Liberalen sind im aktuellen Politbarometer, das von ZDF und Tagesspiegel erhoben wird, auf ein historisches Tief gefallen. In der politischen Stimmung liegt die Partei demnach nur noch bei einem Prozent. Seit gut anderthalb Jahren rangiert der Koalitionspartner von CDU und CSU nun schon unterhalb der Fünf-Prozent-Marke - so weit drunter war sie bisher aber noch nicht. Union und SPD haben auch leicht verloren. Die Union liegt bei 39 Prozent (-2) und die Sozialdemokraten bei 31 (ebenfalls -2). Die Grünen gewinnen zwei Prozentpunkte hinzu und landen bei 16 Prozent.

Den stärksten Sprung nach oben machen die Linken. Sie liegen nun bei 7 Prozent (+3). Die Piratenpartei legt einen Prozentpunkt zu und kommt auf 5 Prozent.

Mit der Befragung werden allerdings nur Stimmungen zum Zeitpunkt der Messung erhoben. Direkte Rückschlüsse auf das Wahlverhalten lassen sich damit nicht machen. Die Forschungsgruppe Wahlen führt deshalb eine Projektion durch, in die langfristige, sozial-strukturelle Erkenntnisse einfließen. Damit errechnen sie die Ergebnisse der aktuellen "Sonntagsfrage". Wären also am nächsten Sonntag Bundestagswahlen, würde die Union stärkste Kraft mit 36 Prozent (unverändert im Vergleich zum vergangenen Politbarometer). Die SPD käme auf 30 Prozent (-1), die Grünen landeten bei 16 Prozent (-1), die Linken bei 7 Prozent (+1). Die Piraten würden den Einzug ins Parlament mit 5 Prozent knapp schaffen. Für die Liberalen sieht es aber auch in dieser Projektion historisch schlecht aus. Sie kämen nur noch auf 3 Prozent - der schlechteste Wert, der in der Geschichte des Politbarometers je gemessen wurde.

Und dieser Trend setzt sich fort. Auch in der Bewertung der Spitzenpolitiker landen die FDP-Minister Guido Westerwelle (Außen) und Philipp Rösler (Wirtschaft) auf den letzten Plätzen. Auf einer Bewertungsskala von +5/-5 kommt Westerwelle auf -1,2 und Rösler auf -1,4. Wie die Parteianhänger der FDP ihr Minister bewerten, kann nicht mehr ausgewiesen werden - die Fallzahl ist zu gering.

Wie Klaus Stuttmann die Krise der FDP sieht, zeigen diese Karikaturen:

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dürfte beim Anblick dieser aktuellen Zahlen deshalb auch eine Träne der Trauer und des Glücks verdrücken. Denn ihre eigenen Werte bestätigen den positiven Trend der vergangenen Wochen. Sie belegt den Spitzenplatz bei der Frage nach den beliebtesten deutschen Politiker (+1,7). Ihr folgen der ehemalige SPD-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück auf Platz zwei (+1,5) und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier auf Rang drei (+1,4). Und auch ihre Partei liegt noch klar vor der SPD. Nur von einer Neuauflage des schwarz-gelben Bündnisses ist sie weit entfernt, weil ihr Koalitionspartner in einer ganz tiefen Krise steckt. Rot-Grün kommt derzeit aber auch nicht auf eine eigene Mehrheit, weil CDU, Linke und Pirten auf 48 Prozent der Stimmen gegenüber 46 Prozent für Rot-Grün kämen. Ohnehin glauben 51 Prozent der Befragten, dass ein vollständiger Regierungswechsel hin zu Rot-Grün qualitativ "keinen großen Unterschied" zu Schwarz-Gelb machen würde.

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