Polizeiliche Kriminalstatistik : 2015 gab es 6,3 Millionen Straftaten in Deutschland

Die Kriminalstatistik für 2015 zeigt einen Anstieg vor allem durch Asyl- und Aufenthaltsdelikte. Immerhin kann die Polizei mehr Fälle aufklären.

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Die Zahl der aufgeklärten Fälle nahm insgesamt um fast sieben Prozent auf 3,56 Millionen zu.
Die Zahl der aufgeklärten Fälle nahm insgesamt um fast sieben Prozent auf 3,56 Millionen zu.Foto: dpa

Die Zahl der Straftaten in Deutschland ist im Vergleich zu 2014 um 4,1 Prozent auf 6,33 Millionen Fälle gestiegen. Dieser Anstieg geht vor allem auf die gewachsene Zahl ausländerrechtlicher Straftaten zurück, also der Asyl- und Aufenthaltsdelikte durch die Flüchtlinge, die 2015 Deutschland erreichten. Registrierten die Polizeibehörden 2014 noch 157.000 Fälle sogenannter ausländerrechtlicher Taten, waren es im vergangenen Jahr, in dem allein rund eine Million Flüchtende nach Deutschland kamen, 402.000 Fälle. Ohne diese ausländerrechtlichen Fälle blieb die Zahl der Straftaten nahezu konstant bei 5,93 Millionen.

Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2015 hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und der Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Bundesländer, der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU), wollen am Montag zu der Statistik in Berlin Stellung nehmen. Die PKS wird mit besonderer Spannung erwartet, nachdem der Flüchtlingsandrang 2015 zu großer Verunsicherung der Deutschen über die ungeregelte Öffnung der EU-Außengrenzen und der deutschen Grenzen geführt hatte. Vor allem die AfD verdankt ihren politischen Erfolg der Sorge vieler Menschen vor der Zunahme von Kriminalität durch einreisende Ausländer.

Ob die hohe Zahl der Flüchtlinge zu einer überproportionalen Zunahme der sonstigen, nicht ausländerrechtlichen Kriminalität geführt hat, ist der Statistik nicht eindeutig zu entnehmen. Zwar stieg die Zahl der Tatverdächtigen nicht deutscher Herkunft im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent auf 555.800 – und darunter die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer sogar um 90,7 Prozent auf 114.000. Allerdings ist nicht klar, wie viele der 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtenden sich in der Statistik verbergen und wie viele Mehrfachverdächtige eingerechnet sind. Außerdem gehören zum Kreis der Tatverdächtigen nicht deutscher Herkunft auch Touristen, aus dem Ausland operierende Banden und mit krimineller Absicht einreisende Ausländer.

Die Zahl der deutschen Verdächtigen ging um fünf Prozent auf 1,45 Millionen zurück. Die Bevölkerung nahm im Jahr 2015 um 0,86 Prozent auf 81,9 Millionen zu, der Anteil der ausländischen Bevölkerung stieg laut Statistischem Bundesamt um zwölf Prozent, was darauf schließen lässt, dass die Kriminalität von Ausländern nicht signifikant angestiegen ist.

Einbrüche nahmen deutlich zu, Gewaltkriminalität geringfügig

Erfreulich: Die Zahl der aufgeklärten Fälle nahm im Jahresvergleich insgesamt um fast sieben Prozent auf 3,56 Millionen zu. Das sind mehr als 56 Prozent aller Straftaten insgesamt und noch immer mehr als die Hälfte, wenn man die ausländerrechtlichen Delikte außen vor lässt. Die Gewaltkriminalität, Mord, Raubdelikte etwa, nahm nur unwesentlich um 0,2 Prozent auf 181.000 Fälle zu. Die Zahl der Vergewaltigungen oder sexuellen Nötigungen ging 2015 um 4,4 Prozent auf rund 7000 zurück. Die Zahl der Einbruchsdelikte nahm allerdings 2015 signifikant zu. Rund zehn Prozent mehr Wohnungseinbrüche verzeichnet die Statistik. Und auch über die Altersentwicklung gibt die Statistik Aufschluss: Die Zahl der Verdächtigen zwischen sechs und 18 Jahren stieg um 15 Prozent an.

Der CDU-Politiker Jens Spahn sagte dem Tagesspiegel, für viele Menschen seien Wirtschaft, Arbeit und Soziales derzeit gar nicht mehr die Hauptsorge, sondern der Schutz vor Einbruch oder Überfall, das Gefühl von Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum. Spahn mahnte die Verantwortlichen, diese Sorge ernst zu nehmen. "Vielleicht sollten wir alle mal öfter in Berlin oder Köln mit der U-Bahn fahren, um zu erleben, was viele Bürger so beunruhigt – besonders übrigens die Jüngeren", sagte Spahn.

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