Präsident Xi Jinping in London : China baut in Großbritannien Atomkraftwerke

Großbritannien wirft sich in die Arme Chinas. Zum Ärger Europas und der USA. Peking soll sogar Atomkraftwerke in Großbritannien bauen.

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Queen Elizabeth II. und Chinas President Xi Jinping bei seinem Besuch in London.
Queen Elizabeth II. und Chinas President Xi Jinping bei seinem Besuch in London.Foto: AFP

Die Briten rollen den rötesten aller Teppiche für einen Staatsbesuch aus, der die geopolitische Lage neu ausrichten soll. Chinas Präsident Xi Jinping und Frau Peng Liyuan fahren in königlicher Kutsche, es gibt einen Empfang durch die Queen im Buckingham-Palast, wo Xi und Frau als Übernachtungsgäste einziehen. Es gibt eine Rede im Parlament, Staatsbankett, Dinner in der Downing Street, Stadionbesuch in Manchester – und auf Wunsch des Gastes, Fish & Chips in einem echten Pub.

So wollen Großbritannien und China eine „goldene Dekade“ der Beziehungen eröffnen, wie beide Seiten es nennen. Großbritannien sieht sich als „Chinas bester Freund im Westen“, sagte Schatzkanzler George Osborne bei der Vorbereitung des Besuchs in China und gab als Kommando aus: „Werfen wir uns den Chinesen in die Arme.“ Xi lobte diese „visionäre und strategische Entscheidung“ in einem Interview mit Reuters. Großbritannien schielt auf Chinas Währungsreserven, China sucht bei stockender Wirtschaft neue Wirtschaftsaktivitäten. Großbritannien liefert Mode, Bildungs- und Finanzdienstleistungen, China Hochgeschwindigkeitstrassen und sogar Atomkraftwerke.

London wird erster Finanzplatz für Chinas Währung

China wird als Investor 30 bis 40 Prozent an dem umstrittenen, bereits mehrere Jahre verzögerten Atomkraftwerk Hinkley Point übernehmen, das Frankreichs Staatskonzern EDF bauen soll. Beim nächsten EDF-Kraftwerk, Sizewell, sollen die Chinesen eigene Atomtechnologie einbringen. Ein dritter Atommeiler, Bradwell, könnte ganz mit chinesischer Technologie gebaut werden. Warnungen britischer Geheimdienste wurden laut „Times“ von Downing Street in den Wind geschlagen. Schon länger sehen Großbritanniens Freunde in Europa und den USA misstrauisch den Eifer, mit dem sich die Briten an die Rockschöße der Weltmacht hängen. „Das Katzbuckeln vor Chinas Despoten ist moralisch falsch und macht keinen wirtschaftlichen Sinn“, warnte Camerons einstiger Chefberater Steve Hilton im „Observer“. Die USA waren schon misstrauisch, als Großbritannien als erstes westliches Land Teilhaber der von China gegründeten asiatischen Entwicklungsbank wurde. London wird erster Finanzplatz im Westen, wo chinesische Renminbi-Anleihen gehandelt werden, ein wichtiger Schritt, Chinas Währung zu einer Leitwährung zu machen. Chinas Botschafter stellte klar, Xi sei nicht zu Gesprächen über Menschenrechte gekommen. „Briten sind Gentlemen. Sie wissen, wie man sich benimmt.“

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