Präsidentschaftswahlen den USA : Wer wird Kandidat der Republikaner?

Der Gemäßigte, der Halbstarke, der Urchrist, der Pragmatiker – die Republikaner haben einige aussichtsreiche Bewerber, die als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2016 in Frage kommen. Wer hat die größten Chancen?

von und
Galt bisher als der aussichtsreichste Bewerber auf die Kandidatur: Jeb Bush
Galt bisher als der aussichtsreichste Bewerber auf die Kandidatur: Jeb BushFoto: Imago

Die Wahl findet erst am 8. November 2016 statt. Doch das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur hat längst begonnen. Bei den Demokraten die einen Nachfolger für Barack Obama suchen, aber auch bei den Republikanern, deren Parteisymbol der Elefant ist: Nach acht Jahren wollen sie wieder das wichtigste Amt des Landes, ja vielleicht sogar der Welt übernehmen. Bei einer Veranstaltung des konservativen Lobbyverbands CPAC haben sie sich jetzt präsentiert.

JEB BUSH

Die konservative Versammlung im Gaylord National Convention Center ein paar Meilen südlich der US-Hauptstadt war fast schon Pflichtprogramm für die republikanische Garde. Immerhin acht Redner kamen mit ein und demselben Begehr hierher: Sie wollen im Januar 2017 ins Weiße Haus im Zentrum Washingtons einziehen. Wer etwas werden will, musste sich aus also der Deckung wagen. Vor allem galt das für Jeb Bush, der bislang als aussichtsreichster Bewerber der Republikaner eingestuft worden ist.

Vor zwei Jahren hat Bush hier bei der konservativen Konferenz seiner Partei die Ohren lang gezogen. Von hier stammt sein Ausspruch von der „Anti-Partei“: Anti-Einwanderer, Anti-Frauen, Anti-Schwule. An diesem Wochenende hat Bush seine Worte vorsichtiger gewählt, ohne allerdings inhaltlich zurückzuweichen. Er stimmte zwar zu, dass in Einwanderungsfragen die US-Grenzen geschützt werden müssten, „aber es gibt keinen Weg, elf Millionen Menschen zu deportieren“.

Der 62 Jahre alte Bush hat es schwer bei der Konferenz, muss er als Vertreter des Partei-Establishments doch vor allem die konservativen Parteimitglieder von sich überzeugen. Die Republikaner müssten versuchen, „die Latinos und die junge Leute“ für sich zu gewinnen, denn sie bräuchte man, um bei den Wahlen erfolgreich zu sein, sagte er. Wie man Wahlen gewinnt, hat Bush aus nächster Nähe mitbekommen. Sein Vater George Bush und sein Bruder George W. Bush haben es ihm gezeigt. Außerhalb der USA ist Jeb Bush vor allem durch den umstrittenen Ausgang der Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 aufgefallen. Damals war das Ergebnis in Florida, wo er Gouverneur war, entscheidend für den Einzug seines Bruders ins Weiße Haus.

RAND PAUL

Erhielt von den konservativen Republikaners die größte Zustimmung: Rand Paul
Erhielt von den konservativen Republikaners die größte Zustimmung: Rand PaulFoto: Nicolas Kamm/AFP

Erstaunlich war es nicht, dass der US-Senator als Sieger des Wochenendes hervorging. Bei der informellen Befragung unter den konservativen Republikanern erhielt er die meiste Zustimmung. Der Politiker aus Kentucky führt nun schon das dritte Jahr in Folge die Liste der vom Lobbyverband CPAC favorisierten potenziellen Bewerber für das Präsidentenamt an. Laut einer Auszählung der „Washington Times“ erhielt Paul 25,7 Prozent der rund 3000 abgegebenen Stimmen. Zum Vergleich: Jeb Bush landete auf Platz fünf. Platz zwei nahm Scott Walker mit 21,4 Prozent ein, Dritter wurde Ted Cruz.

Rand Paul forderte bei der Konferenz die ihm zujubelnde Menge auf, jetzt ihre Rechte einzufordern. „Die Freiheit ist in Gefahr“, sagte Paul. Und die Gefahr geht dem 52-Jährigen zufolge vor allem von der Gesundheitsreform „Obamacare“, dem Obersten Gerichtshof, der Überwachung durch die NSA und dem „Islamischen Staat“ aus. Aber „als Arzt“, verspricht Paul, „werde ich es zu meiner Mission machen, die Nation zu heilen“.

Dass Paul um die republikanische Präsidentschaft antreten wird, ist schon sicher. Er hat sich – zumindest am Wochenende – dafür entschieden, die durch und durch libertäre Option zu sein. Ohne wenn und ohne aber. Selbst bei der Außenpolitik, seiner schwachen politischen Seite, plädiert der Senator aus Kentucky für staatliche Enthaltsamkeit. Denn Frieden gehe nicht aus Interventionen wie in Libyen hervor. Nicht zuletzt Hillary Clintons Debakel mit dem Sturm auf die US-Botschaft in Benghasi habe das gezeigt. „Benghasi“, sollte die ehemalige Außenministerin deshalb, „für immer von jedem Amt ausschließen“.

MARCO RUBIO

Der kompletteste aller potenziellen Kandidaten: Marco Rubio
Der kompletteste aller potenziellen Kandidaten: Marco RubioFoto: Nicholas Kamm/AFP

Die Plätze bei den Republikanern scheinen alle schon verteilt zu sein. Den Gemäßigten gibt es schon, genauso wie den Halbstarken. Es gibt den Urchristen und den Pragmatiker. Um wessen Stimmen (und Geld) soll denn da nur der junge Einwanderersohn aus kleinen Verhältnissen noch kämpfen? Um die der vielen Einwanderer aus Kuba vielleicht? Dabei käme ihm vermutlich der ehemalige Gouverneur von Florida, Jeb Bush, in die Quere. Und das allein genügte dem Anspruch eines Marco Rubio auch nicht. Der 43-Jährige ist ein Staatsmann, auf nahezu allen Ebenen.

Er setzt sich für den Schutz des Lebens ein, „von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod“, für einen ausgeglichenen Haushalt und für den militärisch entschiedenen Kampf gegen den islamistischen Terror im Nahen Osten. Marco Rubio hat sich bei der CPAC-Veranstaltung als der kompletteste alle potenziellen Kandidaten präsentiert. Und mehr noch: als Politiker, der sein Leben als Dank für die Chancen, die die USA bieten, in den Dienst der Politik gestellt hat. Marco Rubio ist nicht nur gegen Abtreibung, sondern auch gegen die Schwulenehe, die Legalisierung von Marihuana, aber für den Besitz von Waffen.

Das kommt bei den Konservativen prima an. Aber der Nachwuchsmann hat auch die Ausgewogenheit der Energieversorgung des Landes und die ökonomische Entwicklung im Blick. Eigentlich eignet sich Rubio also bestens als Präsidentschaftskandidat – wäre da nicht Jeb Bush, sein politischer Förderer.

Seite 1 von 2Artikel auf einer Seite lesen

12 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben