Pressestimmen zum US-Präsidenten : Wie die Welt Donald Trumps ersten Monat sieht

Seit vier Wochen hält der neue US-Präsident Länder rund um den Globus in Atem. Die Medien halten viel dagegen - und üben ein bisschen Selbstkritik.

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Donald Trump beantwortet die Frage eines Journalisten bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Foto: imago/UPI Photo
Donald Trump beantwortet die Frage eines Journalisten bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus.Foto: imago/UPI Photo

DIE ERSTEN TAGE IM AMT

Nach nur fünf Tagen Trumps im Amt war die konservative französische Zeitung „Le Figaro“ bereits sehr bestürzt:  „Der mächtigste Mann des Planeten scheint manchmal von albernen Reaktionen angetrieben zu werden. Und das Verhältnis seines Teams zu den Fakten macht ratlos. Als hätte es das Gewicht der Worte nicht begriffen, die aus dem Weißen Haus kommen. Der Präsidenten-Milliardär ist noch nicht damit fertig, zu destabilisieren. Das ist ohne Zweifel sein Ziel.“ Man könne sich zwar wünschen, dass die Amtsausübung den Stil des neuen Präsidenten glätte, „aber ohne sich Illusionen zu machen. Er wird sich den Regeln der alten Welt nicht beugen.“

Einen Zweifel an ihrer Sichtweise ließ dagegen die Londoner „Financial Times“ zu, als sie die ersten Amtstage kommentierte: „Diese Zeitung ist der Überzeugung, dass Trumps Ansichten über Handel und Immigration grundlegend falsch sind, und dass er Amerika ärmer und unsicherer machen wird. Aber es ist auch möglich, dass wir falschliegen und Trump recht behält. Unzweifelhaft ist jedoch, dass man Freunde und Verbündete – das jedenfalls waren Amerika und Mexiko, und sie sollten weiterhin danach streben, es zu sein – nicht leichtfertig beleidigt. Genau das aber hat Trump getan, und zwar ohne ersichtlichen Grund (...) Trump ist sein Brustgetrommel wichtiger als die Pflege der Interessen des Landes.“

THEMA MEXIKO

Weniger Weinerlichkeit angesichts der Trumpschen Mexiko-Attacken forderte die Zeitung „El Financiero“ aus Mexiko-Stadt: „Mexiko ist so tief gespalten, dass es nicht einmal durch einen gemeinsamen Gegner wie Trump geeint wird. Welchen Sinn hat es, gegen eine Bedrohung von außen auf die Straße zu gehen, wenn es in Wahrheit um interne Probleme eines Landes geht? Mexiko hat es bislang nicht geschafft, gemeinsam eine Mauer der Moral und der Prinzipien gegen Trump zu errichten. Solange sich das nicht ändert, hat Trump leichtes Spiel mit Mexiko.“

Anders sah das die Zeitung „La Cronica de Hoy“: „Die Bürger sind zu Tausenden auf die Straße gegangen, und ihre Botschaft war klar: Sie fordern Respekt von Trump. Vor allem ging es um eines: die Ablehnung von Trumps Plänen, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten. Es gilt jetzt, dieser Forderung auch weiterhin Nachdruck zu verleihen.“

THEMA RUSSLAND

Nach dem Telefongespräch von Donald Trump mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin am 9. Februar freute sich die Moskauer Tageszeitung „Kommersant“ über eine neue Ära: „Das Telefongespräch der Präsidenten Trump und Putin bedeutete eine Chance, aus der tiefsten Krise in den russisch-amerikanischen Beziehungen seit Ende des Kalten Krieges herauszukommen. Mit dem Anruf im Kreml bestätigte Donald Trump seine Entschlossenheit, die Zusammenarbeit wiederherzustellen, deren Rückgrat der Kampf gegen den ,Islamischen Staat’ werden könnte. Auch wenn eine Aufhebung der Sanktionen nicht angesprochen wurde, bemühte sich Trump, den Verfechtern von Druck auf Russland die Initiative zu entreißen. Das Argument für eine Aufhebung der Sanktionen ist die neue Führungsrolle beider Länder, um weltpolitische Probleme zu lösen – von der Nichtverbreitung nuklearer Waffen bis zu Krisen in der Ukraine, im Nahen Osten und auf der koreanischen Halbinsel.“

Eine Woche später trat Trumps Sicherheitsberater Flynn zurück – wegen seiner Russlandkontakte. Dazu schrieb die „Rossijskaja Gazeta“: „Der schnelle und skandalöse Rücktritt von einem der wichtigsten Berater wirft einen Schatten auf den US-Präsidenten. Zudem gibt es keinen Zweifel, dass dessen Gegner die antirussische Hysterie jetzt im innenpolitischen Machtkampf weiter nutzen werden.“

THEMA ISRAEL

Nach dem Treffen von Israels Premier Benjamin Netanjahu mit Donald Trump am 15. Februar schrieb die Zeitung „Haaretz“ aus Tel Aviv: „Erstmals hat ein US-Präsident die Zwei-Staaten-Lösung beiseite geschoben und Unterstützung für die Möglichkeit ausgedrückt, Israel in einen binationalen Staat zu verwandeln. Keine palästinensische Autonomie (...) Ein jüdisch-arabischer Staat. Diese Botschaft ist fast antizionistisch. Es ist zu bezweifeln, dass Trump selbst die Bedeutung dessen, was er gesagt hat, verstanden hat.“

THEMA AUSTRALIEN

Unplanmäßig und gegen jede Gepflogenheit endete am 2. Februar das Telefonat zwischen Donald Trump und dem australischen Premierminister Malcolm Turnbull. Es ging um die Verabredung aus Barack Obamas Zeiten, dass die USA 2500 Flüchtlinge aus einem Lager Australiens in Papua Neuguinea aufnehmen. „The Australian“ blieb gelassen: „Nach 25 Minuten des Gesprächs, das eine Stunde dauern sollte, endete es. Trump legte einfach auf. Als hätte er mit seiner Mutter telefoniert“, heißt es. Aber wichtiger sei die Frage: „Hat es Turnbull geschadet? Die Antwort: „Die Tatsache, dass Trump sich benimmt, wie er sich benimmt, ist keine Nachricht mehr. Er schreit Leute an. Die Hauptsache ist doch, dass der Deal noch da ist.“ Man solle nun abwarten, bis sich alle beruhigt haben und dann die Verabredungen in die Tat umsetzen.

THEMA MEDIEN

Zu Trumps Ansicht, die Medien würden Terroranschläge gezielt verschweigen, schrieb die italienische Zeitung „La Repubblica“ selbstkritisch, dass Trump „in all die Lügen bisweilen auch ein wenig Wahrheit“ träufele: „Zudem verbietet seit Jahrzehnten eine Regel, den Täter einer Straftat zu „ethnisieren“. Man sagt Mörder, man sagt Terrorist, ohne seine Hautfarbe oder seine Nationalität zu nennen“. Trump deute auf eine Angewohnheit der ,political correctness“, „die es verhindert, den Dingen einen Namen zu geben – was wie eine unvollständige Wahrheit erscheint, die sich selbst zensiert.“

Zur anhaltenden Medienschelte heißt es im Londoner „Guardian“: „Vielleicht wird es Zeit, sich nicht mehr über Trumps jeweils jüngste ,beispiellose Attacke auf die Medien’ aufzuregen. Denn seine Angriffe sind inzwischen keineswegs mehr beispiellos, sondern werden in solchem Maße zur Gewohnheit, dass sie eigentlich keine News mehr sind. Wie schauerlich es sich für den jeweiligen Reporter auch anfühlen mag, vom Präsidenten beleidigt zu werden – es ist für alle anderen nicht die bedeutendste Sache der Welt.“

VIER-WOCHEN-BILANZ

Die spanische Zeitung „El País“ hat nichts Gutes zu melden: „Der erste Monat von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten hat bestätigt, dass er bereit ist, all das durchzuführen, was er während seiner Wahlkampagne versprochen hatte, egal wie umstritten, irrational, illegal oder gefährlich es auch sein mag. (...) Die Bilanz dieses Monats ist zweifelsfrei verheerend.“ Anders sieht das „Der Standard“ aus Wien: „Europa muss Donald Trump dankbar sein. Der gern per Ferndiagnose auf die Politcouch gelegte und auf Zurechnungsfähigkeit analysierte US-Präsident hat seinerseits einen kathartischen Prozess in Gang gebracht. (...) Es mag unfreiwillig sein, aber: The Donald ist auch ein Dialektiker. Einer, der unversehens eine Menge an politischen Gegensätzlichkeiten erzeugt, durch deren Zusammenprall am Ende doch so etwas wie Fortschritt herauskommt.“

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