Privates Rettungsschiff : Harald Höppner will im Mittelmeer Menschenleben retten

Der Brandenburger Harald Höppner will solche Tragödien wie am Sonntag zwischen Libyen und Lampedusa verhindern. Dafür baute er den Rettungskutter Sea-Watch, der jetzt in Richtung Mittelmeer fährt.

von
Harald Höppner will mit seinem Boot Sea Watch im Mittelmeer Menschenleben retten.
Harald Höppner will mit seinem Boot Sea Watch im Mittelmeer Menschenleben retten.Foto: dpa

Harald Höppner steht im Maschinenraum des Kutters Sea-Watch, als ihn die Nachricht erreicht. In ein paar Stunden legt das Boot, das er und fast hundert Freiwillige in den vergangenen Wochen seetüchtig gemacht haben, vom Harburger Hafen ab in Richtung Mittelmeer. Dort wollen Höppner und seine Mannschaft in privater Initiative genau solche Katastrophen wie am Sonntag vor Libyen verhindern, sie wollen vor Ort erste Hilfe leisten, die Seenotrettung rufen.

Und sie wollen das Sterben der Flüchtlinge „mitten nach Berlin bringen“, wie Höppner es ausdrückt, ins Zentrum der deutschen Öffentlichkeit. Denn ihm ist klar, dass nur die Politik das Sterben dauerhaft verhindern kann. Deshalb sind eine Satellitenanlage an Bord und mehrere Kameras, die Rettungsaktionen sollen live gestreamt werden. Die Nachricht von dem gekenterten Trawler kennt er. „Das macht mich wieder stinkwütend“, ruft der 42-Jährige. „Die Menschen hätten nicht sterben müssen!“ Dass kein Geld da sei für eine Rettungsmission, wie die EU verkündet hat, sei Quatsch.

Im November 2014 schmiedete Höppner, Brandenburger Geschäftsmann, Familienvater und Landratte, mit Freunden und Familie den Plan, mit einem eigenen Schiff zwischen Libyen und Malta Bootsflüchtlinge zu retten. Im Dezember kaufte er den hundert Jahre alten Kutter, suchte Mitstreiter. In fünf Wochen soll das Boot im Mittelmeer sein. Mit 21 Metern Länge ist der Stahlkutter zu klein, um Flüchtlinge an Bord zu nehmen. Für den Notfall sind Rettungsinseln für 500 Menschen an Bord, Lebensmittel und ein Arzt.

Am Sonntagabend bei Jauch, anschließend nach Malta

„Wenn wir nur einen Menschen retten, hat sich unsere Aktion schon gelohnt“, sagt Höppner. „Und wenn wir schaffen, dass Europa eine Mission wie Mare Nostrum startet, ist es ein echter Erfolg.“ Mit der Sea-Watch möchte er zeigen, dass das Sterben nicht sein muss. Bevor das Schiff mit der ersten Besatzung – sechs Bootsmänner und ein Kapitän, allesamt Ehrenamtliche – am Abend ablegt, fährt Höppner nach Berlin. Er ist Studiogast bei Günther Jauch. Auf Malta, wenn die Sea-Watch ihre Mission startet, geht er dann an Bord.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

10 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben