Probleme bei der Bundeswehr : Armee ohne Hubschrauber

Die Bundeswehr hat große Probleme mit ihrem Fluggerät. Dies wurde bei einer Sitzung des Verteidigungsschusses am Mittwoch deutlich.

Robert Birnbaum
Materialfehler: Die „Sea Lynx“-Maschinen sind derzeit nicht einsatzbereit. Foto: dpa
Materialfehler: Die „Sea Lynx“-Maschinen sind derzeit nicht einsatzbereit. Foto: dpaFoto: dpa

Beim Kampfpanzer Leopard II gibt es keine Probleme – das war die gute Nachricht, die der Verteidigungsausschuss des Bundestages am Mittwoch bekam. Damit ist es dann aber auch schon fast vorbei mit dem rundum Positiven. Die Parlamentarier hatten vor Wochen, aufgeschreckt durch immer neue Berichte über Materialprobleme bei der Bundeswehr, einen Bericht über die Großwaffensysteme der Armee angefordert. Was der Generalinspekteur und die Inspekteure der Teilstreitkräfte ihnen jetzt vorlegten, lässt auch Koalitionsabgeordnete schlucken. „Neues Material fließt nicht zu“, summiert ein Parlamentarier, „und das alte muss aufwendigst instand gehalten werden – das kann auf lange Sicht so nicht weitergehen.“

Besonders übel ist die Lage bei der Hubschrauberflotte, und zwar nicht nur bei der Marine. Dass deren „Sea Lynx“- Maschinen wegen eines offenbar länger bekannten Materialfehlers am Heck derzeit ausfallen, war Anfang der Woche bekannt geworden. Die Fregatte „Lübeck“ lief am Montag ohne Bordhubschrauber zum Anti-Piraten-Einsatz vor dem Horn von Afrika aus.

Doch auch beim Heer und der Luftwaffe zeigte das Ampelsystem, mit dem die Militärs den Parlamentariern den Überblick erleichtern wollten, in der Helikoptersparte auf Rot. Schuld ist teils Überalterung, teils fehlender Ersatzteilnachschub – elf noch fast neue Kampfhubschrauber „Tiger“ dienen inzwischen notgedrungen als Ersatzteillager für jüngere Maschinen. Auch anderes Fluggerät erweist sich als ernster Problemfall. Von den 56 Transall-Transportmaschinen im Bestand, bekamen die Abgeordneten zu hören, stünden derzeit nur 24 für Ausbildung, Training und Einsätze zur Verfügung. „Und das, wo wir im Moment dauernd Transport anbieten“, sagt ein Parlamentarier – in Mali, in Zentralafrika, nun für eine Luftbrücke im Kampf gegen die Ebola- Seuche in Westafrika. Aber auch beim Heer sind Großgeräte weit von jener 20-Prozent-Ausfallquote entfernt, die als Idealfall normaler Wartungs- und Reparaturintervalle gilt. So stehen von 180 Boxer-Transportpanzern 110 in der Instandhaltung. Für die Opposition ist das Fazit klar: „Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat mit ihren Ankündigungen viel Wind aufgewirbelt, dass sie aufräumen wolle“, sagt die Grünen-Obfrau Agnieszka Brugger. „Nach Monaten kann ich davon nicht viel erkennen.“

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