Politik : Probleme mit dem Image

Deutschland wirbt in Indien um Fachkräfte.

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Neu-Delhi - Aarun Banerjee amüsiert sich prächtig. Seit sechs Stunden treibt sich der 24-jährige Student im Millennium Park herum, um mitten in Delhi ein wenig deutsches Flair zu erleben. Schon die 16 Pavillons seien Kunstwerke, sagt er. Wie riesige, bunte Edelsteine leuchten sie unter dem nachtblauen Himmel. Drinnen präsentieren deutsche Firmen modernste Technologie, draußen lockt ein Biergarten mit Bratwürsten, Schwarzwälder Kirschtorte und Weißbier.

Deutsch-indische Mela nennt sich das neuntägige Volksfest. Es soll Indiens 15-Millionen-Einwohner-Hauptstadt seit Samstag beweisen, dass Deutschland ebenso Hightech und Kultur wie Spaß bietet. Aarun selbst war noch nie in Deutschland. Was fällt ihm zu diesem Land ein? „Max-Planck-Gesellschaft“, antwortet er. Das dürfte wohl eher die Ausnahme sein. Doch der 24-Jährige studiert Naturwissenschaften an der renommierten Jawaharlal-Nehru-Universität.

Junge Inder wie Aarun sind Deutschlands neue Hoffnungsträger. Die Bundesregierung will in den nächsten Jahren massiv Fachkräfte aus dem Ausland anwerben. Pilotprojekte sollen nun in Indien, Vietnam und Indonesien starten. Vor allem Mathematiker, Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker werden gesucht. Eigentlich könnte man meinen, dass Fachkräfte aus armen, überbevölkerten Ländern wie Indien Schlange stehen, um in Deutschland zu arbeiten oder zu studieren. Doch die großen Industriestaaten konkurrieren längst um die besten Köpfe. Und dabei zieht Deutschland oft den Kürzeren. Viele Topleute aus Asien gehen lieber in die USA, nach Großbritannien oder Australien. Das hat viele Gründe, etwa die Sprache oder persönliche Bande.

Aber auch das Image Deutschlands ermutigt Spitzenleute nicht gerade. So genießen die Deutschen zwar einen hervorragenden Ruf, aber menschlich sieht man sie als kühle, distanzierte Arbeitstiere an. Viele Inder waren verblüfft, als sie bei der Fußball-WM 2006 erstmals Bilder von jubelnden Deutschen im Fernsehen sahen. Solche Gefühlsausbrüche hatte man ihnen gar nicht zugetraut. Die Deutschen wirkten „distanziert und nüchtern“, schreibt die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in ihrer Studie „Deutschland in den Augen der Welt“. Mehr noch: Selbst da, wo die Deutschen mit ihren Stärken wuchern könnten wie im Hightech-Bereich, stellten sie ihr Licht oft unter den Scheffel. „Deutschland verkauft sich unter Wert.“

Das will die Bundesregierung ändern. Vor allem in Indien legen sich die Deutschen derzeit ins Zeug, um mehr Inder für Germany zu begeistern. „Wir wollen den Indern Deutschland näherbringen“, sagt Deutschlands Botschafter Michael Steiner. So soll die bunte Mela nicht nur unterhalten, sondern auch deutsche Zukunftslösungen für Megastädte wie Delhi und Mumbai aufzeigen. Das Werben um Indien ist bereits erfolgreich. Die Zahl der indischen Studenten in Deutschland stieg in vier Jahren um 70 Prozent – heute sind es 6000. Auch Berlin hilft, dass das Klischee von den spaßfreien Deutschen Risse bekommt. Berlins Ruf als Party- und Kulturhauptstadt dringt inzwischen auch nach Asien. Christine Möllhoff

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